22.11.2005 · Regierungschefs aus aller Welt haben der neuen Bundeskanzlerin Merkel zu ihrer Wahl gratuliert. Sie zeigten sich überzeugt von einer guten Zusammenarbeit mit der Christdemokratin und hoffen auf neue „Impulse“ für die EU.
Nach ihrer Wahl zur ersten deutschen Bundeskanzlerin haben Regierungschefs aus aller Welt der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel gratuliert.
Sie zeigten sich überzeugt, daß die Zusammenarbeit mit Deutschland wie in den vergangenen Jahren unter SPD-Kanzler Schröder weitergehen oder sogar noch vertieft werden könne. Deutschland übernehme auch künftig eine wichtige Rolle im europäischen Integrationsprozeß.
In Adenauers Tradition
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte, Paris und Berlin sollten auch weiter eng zusammenarbeiten, „um der Europäischen Union einen neuen Impuls zu geben“. Er wisse, daß sich Merkel „in der großen Tradition des Kanzlers Adenauer“ beständig für den weiteren europäischen Aufbau und die „beispielhaften“ deutsch-französischen Beziehungen einsetze. „Liebe Freundin“ setzte er handschriftlich unter die Gratulation.
Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker schrieb in einem Brief, in dem er der „Lieben Angela ... von Herzen gratulierte“: „Ich habe Dich als überzeugte Europäerin kennengelernt und bin zuversichtlich, daß auch die Europäische Union großen Nutzen aus Deinen Impulsen ziehen wird, die Du der europäischen Integration geben wirst.“
Bush gratulierte schon im Oktober
Auch aus dem Weißen Haus gab es auch Glückwünsche und man stellte ein baldiges Treffen zwischen ihr und Präsident George W. Bush in Aussicht. „Wir beglückwünschen Angela Merkel (...) und freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit ihr und der neuen Regierung bei der Stärkung der amerikanisch-deutschen Partnerschaft mit dem Ziel, Freiheit und Wohlstand auf der Welt zu fördern“, sagte eine Regierungsbeamtin. Was ein Treffen von Bush und Merkel angehe, habe das Weiße Haus im Augenblick nichts bekanntzugeben, „aber wir freuen uns auf eine baldige Begegnung zwischen den beiden Führungspersönlichkeiten“.
Die Beamtin wies zugleich darauf hin, daß Bush schon im Oktober Merkel telefonisch gratuliert und ihr gesagt habe, daß er sich darauf freue, auf dem starken Fundament der deutsch-amerikanischen Beziehungen aufzubauen. Auch das amerikanische Außenministerium sprach Merkel Glückwünsche aus. Deutschland und die Vereinigten Staaten seien enge Freunde, und man freue sich auf eine weitere Verstärkung der Zusammenarbeit, sagte ein Sprecher.
Einladung nach Moskau
Der russische Präsident Wladimir Putin, enger persönlicher Freund Schröders, schrieb, er hoffe auf eine Vertiefung der strategischen Beziehungen beider Länder. Er lud Merkel zu einem Antrittsbesuch nach Moskau ein. In russischen Medien hatte Merkels Wahlkampf-Ankündigung, deutlicher auf Defizite bei Demokratie und Menschenrechten in Rußland hinzuweisen, für Beachtung gesorgt.
Die spanische Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero erklärte, Madrid sei überzeugt, daß Spanien und Deutschland ihre exzellenten Beziehungen fortsetzen. Die Stabilität in Deutschland sei für ganz Europa von fundamentaler Bedeutung.
„Wende für das deutsche Volk“
Auch der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gratulierte herzlich. Er sei „überzeugt, daß es Dir mit der Energie und Dynamik, die Du im Wahlkampf so eindrucksvoll gezeigt hast, auch gelingen wird, die zahlreichen Herausforderungen auf nationaler und europäischer Ebene zu meistern“, schrieb er an Merkel.
Der amerikanische Botschafter in Deutschland, William Timken, sagte dem „Handelsblatt“: „Die amerikanische Regierung hofft, daß Deutschland wirtschaftlich stärker wird und sich nicht weiter mit internen Problemen beschäftigen muß“. Deutschland solle sich intensiver um die Probleme im Nahen Osten, auf dem Balkan, im Kaukasus und um die Stärkung Europas kümmern.
Der südafrikanische Präsident Mbeki bezeichnete Merkels Wahl als besonderen Augenblick für die Deutschen und speziell die Frauen. In einem Glückwunschschreiben Mbekis heißt es: „Ihre Wahl als Kanzlerin ist eine Wende für das deutsche Volk und die Frauen im Besonderen.“ Es setze ein klares Zeichen für die internationale Gemeinschaft, diesem positiven Beispiel zu folgen.