http://www.faz.net/-gpf-7ftqv

Integration : Kohl und die Türken

Helmut Kohl wollte 1982 die Zahl der Türken in Deutschland „um 50 Prozent reduzieren“. Jetzt fordert sein Sohn Peter, diese Aussage müsse eingeordnet werden. Aber das ist längst geschehen.

          Helmut Kohl wollte die Zahl der Türken in Deutschland binnen vier Jahren „um 50 Prozent reduzieren“ - so steht es im Protokoll eines Gesprächs, das der damalige Bundeskanzler im Oktober 1982 mit Englands Regierungschefin Margaret Thatcher führte und das nun freigegeben wurde. Was heute nicht nur harsch, sondern auch arg rechtslastig klingt, war damals Konsens in der deutschen Politik - bis weit in die SPD hinein. Die Republik fühlte sich überfordert durch den raschen Nachzug türkischer Familienangehöriger.

          Und manche Skepsis, was die Integrationsbereitschaft der Türken in Deutschland anging, war auch berechtigt. Kohls Idee, die Sache mit Geld, nämlich einer als Abschiedsgeld bezeichneten Abfindung, zu regeln, fand damals Zustimmung. Sie schlug allerdings fehl. Denn die Türken blieben.

          Die Geschichte aus dem Jahr 1982 zeigt, wie sehr sich Deutschland seitdem gewandelt hat. Zwar gibt es weiter Probleme mit der Integration. Aber die Deutschen haben längst gelernt, mit Migranten zu leben. Viele Türken haben sich so weit integriert, wie es sich damals wenige von den „Gastarbeitern“ vorstellen konnten; viele sind deutsche Bürger geworden.

          Helmut Kohl hat seine Haltung schon als Kanzler geändert. Er hat sich mit der Türkei beschäftigt, nicht zuletzt durch die Heirat seines Sohnes Peter mit einer Türkin. Sein Sohn hat das nun in einem Interview auch so beschrieben. Zugleich hat er die Aussage des „Büros“ Kohls kritisiert, der frühere Kanzler wolle sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Sein Vater müsse die Äußerung von damals einordnen, alles andere wirke „kaltschnäuzig“.

          Vielleicht spricht daraus die Enttäuschung darüber, dass Kohls neue Frau die Bande zu den Söhnen samt der türkischen Schwiegertochter gekappt hat. Das wäre verständlich. Einordnen muss Kohl seine Position nicht. Die Zeit hat es getan.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Quelle: F.A.S.

          Topmeldungen

          Emmerson Mnangagwa : In Zimbabwe übernimmt das „Krokodil“

          Mugabes eigene Partei hat sich von ihm abgewandt. Der frühere Vizepräsident Mnangagwa ist neuer Vorsitzender und wohl bald auch Präsident. Die Zimbabwer beobachten das mit gemischten Gefühlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.