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Würzburg : Zweifel an Identität des Axt-Attentäters

  • Aktualisiert am

Das Bekennervideo des Täters wurde im Internet von der IS-nahen Nachrichtenagentur Amak verbreitet. Bild: dpa

Die Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter von Würzburg nicht aus Afghanistan stammt, verdichten sich. Auch könnte er älter gewesen sein als angenommen. Verfassungsschutzpräsident Maaßen warnt unterdessen vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge.

          Ermittler zweifeln inzwischen an, dass der Täter von Würzburg tatsächlich aus Afghanistan kommt. Das berichtete am Dienstag das ZDF unter Berufung auf Sicherheitskreise. In einem Bekennervideo spricht der Mann Paschtu, eine Sprache, die am Hindukusch gesprochen wird, allerdings mit einem Akzent, der in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan üblich ist. Für einzelne Worte, wie „Militär“ und „Regierung“, verwendete der Täter in dem Video die pakistanische Variante. Bei seiner Einreise nach Deutschland soll er sich als Afghane ausgegeben haben, um hier seine Bleibechancen zu erhöhen. Auch haben die Ermittler in dem Zimmer des Täters ein pakistanisches Dokument gefunden.

          Darüber hinaus stimmt der Name, unter dem sich der Mann in Deutschland registriert hatte, nicht mit dem von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) angegebenen Namen überein. Der IS hatte sich am Dienstag zu der Tat bekannt und den Täter als ihren „Kämpfer“ Muhammad Riyadh angegeben. In Deutschland war der Mann als Riaz Khan Ahmadzai bei den Behörden registriert. Auch habe der Täter sich vermutlich jünger gemacht als er tatsächlich gewesen sei, berichten mehrere Medien.

          Maaßen warnt vor Generalverdacht gegen Flüchtlinge

          In sozialen Netzwerken sprechen viele afghanische Nutzer davon, dass der Täter außerdem einen „typisch pakistanischen“ Haarschnitt habe. Obwohl der Täter seit zwei Jahren in Deutschland lebte, deute die Frisur darauf hin, dass er sich wohl die Haare weiter von seinen Landsleuten hat schneiden lassen.

          Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hat ebenfalls Zweifel an der bislang vermuteten Herkunft des Axt-Attentäters. Es sprächen gute Gründe dafür, dass er sich unter einer anderen Identität gemeldet habe, sagte Maaßen am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Dies sei allerdings verbreitet und spreche nicht unbedingt für einen terroristischen Hintergrund. Maaßen warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge.

          Der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU) bestätigte unterdessen im Bayerischen Rundfunk die Echtheit des Bekennervideos. So schätze das Bundeskriminalamt (BKA) das Video als authentisch ein, bei den Mann handle es sich um den Täter aus Würzburg. Auch hätten die Pflegeeltern des Jungen den Hintergrund erkannt. Das Video wurde demnach in der Wohnung der Pflegeeltern bei Ochsenfurt im Kreis Würzburg aufgenommen. Veröffentlicht wurde die Botschaft vom IS. Der Jugendliche kündigt darin seine Tat an und spricht Drohungen gegen „Ungläubige“ aus.

          Wohl kein direkter Kontakt zum IS

          Am Montagabend hatte der junge Flüchtling in einem Regionalzug bei Würzburg mit einer Axt und einem Messer um sich geschlagen und mehrere Menschen verletzt, mindestens drei davon lebensgefährlich. Sondereinsatzkräfte erschossen den Jugendlichen, als er auf der Flucht auch Polizisten angreifen wollte. Die Ermittler sind inzwischen sicher, dass die Tat politisch motiviert war. Sie gehen aber nicht davon aus, dass der junge Mann in direktem Kontakt mit dem IS stand. Sie vermuten, dass er ein Einzeltäter war, der sich selbst radikalisierte.

          Die für den Fall zuständige Staatsanwaltschaft Bamberg lehnte am Mittwoch jede Auskunft zu dem Fall ab. Sie wollte Bericht zu Alter und Herkunft weder bestätigen noch dementieren.

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