http://www.faz.net/-gpf-74mrq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 27.11.2012, 11:42 Uhr

Zwangspause beendet Die „Gorch Fock“ sticht wieder in See

Zwei Jahre nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage ist die „Gorch Fock“ wieder zu einer Ausbildungsfahrt aufgebrochen. Für die Offizieranwärter soll der Dienst an Bord des für zehn Millionen Euro überholten Segelschulschiffs sicherer geworden sein.

von
© dpa Die „Gorch Fock“ läuft am Dienstag in die Kieler Förde aus

Für die Deutsche Marine ist am Dienstagmorgen eine Leidenszeit zu Ende gegangen. Die „Gorch Fock“, lange Jahrzehnte das Aushängeschild der deutschen Seestreitkräfte, brach zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall einer Offizieranwärterin und massiver öffentlicher Kritik von ihrem Kieler Heimathafen aus zu einer neuen Ausbildungsfahrt auf.

Lorenz Hemicker Folgen:

Im November 2010 war die 25 Jahre alte Seekadettin Sarah Seele bei einem Hafenaufenthalt in Brasilien aus der Takelage des Segelschulschiffs gestürzt und dabei tödlich verunglückt. Berichte über angebliche Schikanen an Bord, des Dreimasters, Ausbildungsdefizite und Führungsschwächen machten Schlagzeilen. Die Segelausbildung wurde infrage gestellt. Die Marine stoppte den Betrieb und richtete eine Untersuchungskommission ein, deren Mitglieder sich für eine Fortführung der seemännischen Ausbildung auf der „Gorch Fock“ unter Maßgabe zahlreicher Änderungen aussprachen. Daraufhin überarbeitete die Marine ihre Segelausbildung.

"Gorch Fock" zu erstem Ausbildungstoern mit neuem Konzept gestartet Der neue Kommandant: Kapitän zur See Helge Riesch (49), am Dienstag vor dem Auslaufen © dapd Bilderstrecke 

An der Offizierschule in Mürwik errichtete die Marine einen Übungsmast, an dem die Kadetten das auf- und abentern in der Takelage üben. Zudem wurden neue Sicherungsmaßnahmen an Bord eingerichtet und das Ausbildungskonzept überarbeitet. Unter anderem will die Marine im Vorfeld der Seefahrt die körperliche Fitness der Offizieranwärter deutlich stärker fördern. Auf ihrem Hochseetörn werden die Kadetten schließlich ab sofort von ihren Ausbildern aus der Marineschule begleitet. Damit verfügt die Marine faktisch über ein zusätzliches Kontrollinstrument gegenüber der Stammbesatzung, die in der Vergangenheit in die Kritik geraten war.

Neuer Kommandant des Segelschulschiffs ist der 49 Jahre alte Kapitän zur See Helge Risch. Sein Vorgänger im Amt, Kapitän zur See Norbert Schatz, war im Januar 2011 vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg  (CSU) von seinem Kommando entbunden worden. Zwar wurden dem Gorch-Fock-Kommandanten schlussendlich keine Schuld am Tod der Seekadettin gegeben. Schatz verzichtete dennoch infolge darauf, das Segelschulschiff abermals zu übernehmen.

Marineoffiziere: Ausbildung „zeitgemäß“

Nach Abschluss der Untersuchungen verzögerte sich die Wiederaufnahme des Ausbildungsbetriebs aufgrund von Schäden am Schiffskörper weiter. Wegen Rostbefall musste die „Gorch Fock“ für zehn Millionen Euro im Dock überholt werden. Nach Abschluss der Arbeiten des Schiffs wird das Schiff nun von der Stammbesatzung nach Las Palmas (Gran Canaria) gesegelt. Dort soll im Januar 2013 die Ausbildung mit rund 220 Offizieranwärtern wieder aufgenommen werden.

Ranghohe Marineoffiziere bewerten die Ausbildung an Bord nach wie vor als „zeitgemäß“. Es gehe für die angehende Offiziere um „Grenzerfahrungen“, die sich auf einem Schiff ohne große technische Hilfsmittel gegen die Naturgewalten behaupten lernen müssten.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verschwundener Flug MH370 Pilot soll Route über Indischen Ozean simuliert haben

Das FBI hat einem Bericht zufolge Erkenntnisse, wonach der Pilot den Unglücksflug MH370 auf seinem Computer simuliert haben soll. Im offiziellen Untersuchungsbericht taucht dieses Detail nicht auf. Mehr

24.07.2016, 05:16 Uhr | Gesellschaft
Nach Amoklauf und Axt-Attacke Seehofer sieht neue Herausforderung für Polizei

Nach dem Amoklauf in München hat der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer den Beamten für ihren Einsatz gedankt. Auf der kommenden Kabinettsklausur werde man etwa über die Ausstattung der Polizei sprechen müssen, sagte er in München. Mehr

24.07.2016, 21:27 Uhr | Politik
Herzblatt-Geschichten Der Flügelschlag der Liebe

Kann man im Kopf dick sein? Sind Werbevideos mit Hansi Hinterseer lebensgefährlich? Und was hat Dieter Hallervorden mit einem alten Hund gemeinsam? Mehr Von Jörg Thomann

24.07.2016, 12:02 Uhr | Gesellschaft
LKA-Chef zu Amoklauf Waffe stammt wahrscheinlich aus Darknet

Der bayrische LKA-Chef Robert Heimberger hat neue Informationen zum Amoklauf in München bekannt gemacht. So soll der Täter die Tat seit einem Jahr geplant haben und soll zu diesem Zweck bereits im vergangenen Sommer Winnenden besucht haben. Die Opfer in München habe er sich nicht gezielt ausgesucht. Mehr

24.07.2016, 20:40 Uhr | Politik
Amoklauf in München Ein Nachbar und Täter

Wer war der Amokläufer von München? Über den 18-jährigen Deutsch-Iraner, der am vergangenen Freitag neun Menschen tötete, kommen nun immer genauere Informationen ans Licht. Mehr Von Mona Jaeger, München

24.07.2016, 19:52 Uhr | Politik