12.06.2007 · Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler würdigen die Zahlungen an frühere NS-Zwangsarbeiter als „Beitrag zu historischer Gerechtigkeit“. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ entschädigte 1,6 Millionen frühere Zwangsarbeiter mit über 4,3 Milliarden Euro.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler haben die Entschädigungszahlungen an frühere Zwangsarbeiter während des nationalsozialistischen Regimes Beitrag zu historischer Gerechtigkeit gewürdigt. „Es ist endlich gelungen, vielen ehemaligen Zwangsarbeitern die versprochene humanitäre Unterstützung zukommen zu lassen“, sagte Merkel am Dienstag bei einer Feierstunde anlässlich des Endes der Zahlungen in Berlin.
Sie verwies darauf, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs insgesamt 64 Milliarden Euro als Entschädigung und Wiedergutmachung gezahlt wurden, nicht aber an Zwangsarbeiter. Daher sei die Stiftung mit ihren Zahlungen nötig gewesen, auch wenn gelte: „Das zugefügte menschliche Leid kann mit finanziellen Mitteln niemals wieder gut gemacht werden.“
„Wichtig für Frieden und Aussöhnung“
Köhler sagte, durch die wenigstens symbolischen Zahlungen werde das Leid der Jahrzehnte lang vergessenen Opfer öffentlich anerkannt. Damit würden die Schuld und Verantwortung für das Leid der Zwangsarbeiter auch materiell ausgedrückt. Auch wenn keine echte Entschädigung möglich sei, habe die Stiftung historische Bedeutung: „Es ist eine Initiative, die bitter notwendig war auf dem Weg zu Frieden und Aussöhnung.“
Der ehemalige NS-Zwangsarbeiter Noach Flug, der die Betroffenen in der Stiftung vertritt, erinnerte an die Leiden der Millionen Zwangsarbeiter, von denen viele nicht überlebten. „Ich sehe mit Genugtuung, dass die Stiftung eine große und wichtige Leistung vollbracht hat.“
Stiftungsvermögen von 5,1 Milliarden Euro
Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ hat seit ihrer Gründung im Sommer 2000 über 4,3 Milliarden Euro an 1,6 Millionen frühere Zwangsarbeiter vor allem in Osteuropa gezahlt. Diese konnten, anders als Opfer in Westeuropa, bis zum Ende des Kalten Krieges keine Ansprüche gegenüber Deutschland geltend machen. Das Stiftungsvermögen von 5,1 Milliarden Euro (damals zehn Milliarden Mark) stammt je zur Hälfte vom Bund und von einer Initiative deutscher Firmen.
Mit dem verblieben Geld werden Projekte zur Erinnerung an die NS-Zeit finanziert. Errichtung und Finanzierung der Stiftung waren nach langen internationalen Verhandlungen und mühsamen Versuchen der Wirtschaft, das Geld aufzubringen, erreicht worden.
Ende der neunziger Jahre waren deutsche Firmen unter Druck durch Sammelklagen ehemaliger NS-Zwangsarbeiter in den Vereinigten Staaten geraten, durch die ihnen Finanz- und Imageschäden drohten. Im Gegenzug zu ihrem Beitrag zur Stiftung erhielten sie weit gehende Sicherheit gegen weitere Klagen. Der Vertreter der deutschen Firmen in der Stiftung, Manfred Gentz, kritisierte eine in den Vereinigten Staaten anhängige Klage auf Entschädigung und warf der amerikanischen Regierung vor, sie dringe, anders als die Bundesregierung, nicht ausreichend auf ihre Abweisung.
Entschädigung
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 12.06.2007, 17:12 Uhr
Geld
Frank Geiser (geiser123)
- 12.06.2007, 17:19 Uhr
Entschädigung der Opfer durch Russland
Christina Schmidt-Kensche (Schmidtke1)
- 26.06.2007, 13:01 Uhr