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Zuwanderungspolitik Die Illusion des Fachkräftemangels

03.08.2010 ·  Die Industrie klagt über Fachkräftemangel - und Minister Brüderle fordert prompt mehr Zuwanderung. Er vergisst: Zehntausende hochqualifizierte Einwanderer fristen hier bereits ein Dasein als Niedriglöhner, weil ihre Abschlüsse nicht anerkannt werden.

Von Stefan Dietrich
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Ein Bundeswirtschaftsminister tut gut daran, sich den Unternehmen und ihren Verbänden als Freund und Helfer anzudienen. Das bedeutet nicht, dass er sich alle Wünsche, die aus diesen Kreisen an ihn herangetragen werden, zu eigen machen müsste. Im Gegenteil: Als guter Freund sollte er die Wirtschaft auch einmal darauf aufmerksam machen, dass die kurzfristige Erfüllung mancher Forderungen ihren eigenen langfristigen Interessen zuwiderläuft.

Dies hätte auch Bundeswirtschaftsminister Brüderle seinen Freunden zu bedenken geben sollen, bevor er sich von ihnen vor den alten Karren Einwanderungspolitik spannen ließ. Schon Bundeskanzler Schröder ließ sich vor Jahren von Klagen über Fachkräftemangel zu seiner Green-Card-Initiative verleiten. Auch damals war die Rede davon, dass Zehntausende Ingenieure fehlten. Die Green-Card-Initiative aber verpuffte, weil kurz darauf in Deutschland Zehntausende Ingenieure auf der Straße standen.

Die Politik hat auf den Mangel an Fachkräften bereits reagiert

Mit Einwanderungspolitik nach Konjunkturlage hat die Bundesrepublik seit den sechziger Jahren schlechte Erfahrungen gesammelt. Damals waren vor allem billige ungelernte Kräfte gefragt. Sie kamen aus Südeuropa und aus Anatolien - und blieben, als die Wirtschaft sie nicht mehr brauchte. Der Sozialstaat fing sie auf, aber die Kosten dafür musste nicht zuletzt die Wirtschaft über die Steuern begleichen.

Was den nun absehbaren Mangel an Fachkräften betrifft, so hat die Politik schon gehandelt. Zu Beginn des vergangenen Jahres wurden die Hürden für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland beträchtlich gesenkt. Vom nächsten Jahr an gilt auch bei uns die vollständige EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Woran es noch immer hapert, das sind wirksame Maßnahmen zur Hebung des Fachkräftepotentials, das schon eingewandert ist. Zehntausende Hochqualifizierte fristen bei uns ein Dasein als Niedriglöhner oder Sozialhilfeempfänger, weil weder ihre im Ausland erworbenen Abschlüsse noch langjährige Berufspraxis anerkannt werden. Schon lange spricht die Bundesbildungsministerin davon, eingewanderten Fachkräften bessere Berufschancen zu verschaffen.

Am Bildungsföderalismus darf ihre Initiative nicht scheitern. Diese Menschen warten nicht auf ein „Begrüßungsgeld“, sondern schlicht auf die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen zu dürfen.

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