02.04.2007 · Kostenschätzungen für den geplanten Ausbau des Angebots für Krippenplätze auf 35 Prozent bis 2013 gibt es viele. Die Rechnungen von Familienministerin von der Leyen und den Kommunen unterscheiden sich in Milliardenhöhe.
Von Manfred Schäfers, BerlinKostenschätzungen für den geplanten Ausbau des Angebots für Krippenplätze auf 35 Prozent bis 2013 gibt es viele. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) schätzt die Investitionskosten auf gut 600 Millionen Euro im Jahr bis einschließlich 2012, also zusammen auf 3,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen bei ihr laufende Kosten, die mit 359 Millionen Euro im Jahr 2008 beginnen und sich anschließend jedes Jahr um denselben Betrag erhöhen sollen. Im Jahr 2012 erreichen die zusätzlichen Betriebskosten nach ihren Berechnungen mit 2,15 Milliarden Euro ihren Höchststand.
Die Kommunen, die für das Betreuungsangebot für Kleinkinder zuständig sind, haben ihre eigenen, weitaus höheren Zahlen: Der Deutsche Städtetag bezifferte allein die zusätzlichen laufenden Kosten auf sechs Milliarden Euro im Jahr. Hinzu kämen noch einmal Investitionskosten von elf Milliarden Euro, die sich über die Ausbauzeit verteilten. Der Städte- und Gemeindebund nannte wiederum nur Zahlen für 300.000 zusätzliche Plätze: gut drei Milliarden Euro jährlich für den Betrieb und fünf Milliarden Euro für Investitionen. Bisher geben nach seinen Angaben die Kommunen jedes Jahr 13 Milliarden Euro für die Kinderbetreuung aus.
Die DDR hat Krippenplätze vererbt
Nach Angaben des Familienministeriums gibt es derzeit im Westen Plätze für 135.000 Kinder unter drei Jahre. Das entspricht einer Quote von 7,9 Prozent. Im Osten und in Berlin ist das Betreuungsangebot deutlich höher. Das ist ein Erbe der untergegangenen DDR. Hier gibt es 150.000 Plätze, damit gibt es für vier von zehn Kindern dieser Altersgruppe ein Betreuungsangebot. Mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz, das 2005 in Kraft getreten ist, ist vorgesehen, die Zahl der Plätze im Westen bis 2010 mehr als zu verdoppeln. Mit 286.000 Plätzen soll dann dort eine Quote von 17 Prozent erreicht werden. Dies Ziel soll nun schneller erreicht werden.
Das erklärt auch die unterschiedlichen Zahlen: Die Ministerin schaut auf das, was darüber hinaus notwendig ist. Der erste Schritt ist aus Sicht des Bundes schon finanziert. Schließlich seien die Kommunen im Zuge der Hartz-IV-Reform um 2,5 Milliarden Euro entlastet worden, wovon 1,5 Milliarden Euro für den Ausbau der Beatmungsplätze gedacht worden seien.
42.000 Euro müssen pro Kind investiert werden
Die Kommunen bezweifeln, dass sie so stark entlastet worden sind, und machen die Rechnung für eine halbe Million Plätze auf: Danach kostet ein Platz in einer Kindertageseinrichtung 14.000 Euro (abzüglich 15 Prozent für Elternbeiträge und den Anteil der freien Träger). Die Tagespflege ist mit 7200 Euro je Platz etwa halb so teuer. Bei einem Verhältnis von 70 zu 30 kommen sie auf knapp 5,1 Milliarden Euro an zusätzlichen Betriebskosten.
Die Investitionskosten werden auf 42.000 Euro je neu betreutes Kind geschätzt. Bei 240.000 Plätzen wären das gut zehn Milliarden Euro. Hinzu könnten 110.000 Plätze in bestehenden Kindergärten. Die Kosten für den Umbau eines Kindergartens werden auf 80.000 Euro geschätzt. Bei 10.000 Kindergärten käme man auf 0,8 Milliarden Euro. Die gesamten Investitionskosten addieren sich damit auf knapp elf Milliarden Euro.
Milliarden ... wen stört's???
Christiane Lambrecht (KinderbrauchenEltern)
- 03.04.2007, 12:26 Uhr
Herr Steffen: jemand muss noch zur Arbeit gehen
Karl-Heinz Krüger (carloenricokrueger)
- 04.04.2007, 16:22 Uhr