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Zum Tode Manfred Rommels : Der weltläufig-liberale Schwabe

Manfred Rommel Bild: picture-alliance / dpa

Der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel ist tot. Einige Zeit brauchte er, dann wurde er zum Liebling der Schwaben, der seine Stadt mehr als 20 Jahre lang regierte.

          Manfred Rommel erwies sich für einen kleinen Stuttgarter Verlag über viele Jahre als Bestseller-Autor. „Trotz allem heiter“ oder „Holzwege zur Wirklichkeit“ heißen die Bücher, in denen der frühere Oberbürgermeister seine an Hegel geschulte Weltsicht und seine Aphorismen aufgeschrieben hat. Mal waren es Ermahnungen: „In der Politik darf man alles vergessen, nur Adam Riese nicht.“ (Geiz war ein Markenzeichen Rommelscher Politik, er gilt als der Erfinder der kostengünstigen halbierten Butterbrezel.)

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Mal waren es Versuche, das Publikum zu erheitern: „Der Stadtverwaltung täglich Brot ist und bleibt der Hundekot.“ Der ironische Oberbürgermeister, der die Stadt, in der er Heiligabend 1928 geboren wurde, von 1974 bis 1996 regierte, wurde vor allem in den Jahren der Proteste gegen den Bahnhofsneubau vermisst, als ein tiefer Riss durch die Stuttgarter Stadtgesellschaft ging. „Wäre so etwas auch Manfred Rommel passiert?“, wurde gefragt. Es war eine rhetorische Frage. Niemals, lautete die Antwort.

          Dabei hatte der Sohn des von den Nazis erst zum „Wüstenfuchs“ hochgejubelten und später in den Selbstmord getriebenen Generalfeldmarschalls Erwin Rommel auch einige Zeit gebraucht, bis er zum Liebling der Schwaben wurde. Manfred Rommel begann nach dem Abschluss des Jura-Studiums zunächst eine Karriere als Beamter in der baden-württembergischen Landesverwaltung. Nachdem ihn Ministerpräsident Hans Filbinger entdeckt hatte, beschleunigte sich Rommels Karriere geradezu kometenhaft. Er entwickelte als junger Beamter die mittelfristige Finanzplanung und baute für Filbinger die Grundsatzabteilung im Staatsministerium auf, schließlich wurde er Finanzstaatssekretär.

          Nach dem plötzlichen Tod des parteilosen Oberbürgermeisters Arnulf Klett stellte sich Rommel auf Drängen Filbingers der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl 1974. Mit dem Architekten Peter Conradi (SPD) hatte er in der damals noch stark sozialdemokratisch geprägten Stadt einen ernstzunehmenden Gegner. „Schultes wird bloß einer: dem Wüstenfuchs sein Kleiner“, ließ die CDU plakatieren. Rommel brauchte trotzdem einen zweiten Wahlgang. Er gewann und wurde der erste Oberbürgermeister der CDU in einer Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern. Es war die Zeit, in der die CDU anfing zu lernen, was eine „moderne Großstadtpartei“ sein kann.

          Gesten der Mäßigung

          Rommel entwickelte sich zum Repräsentanten des weltläufig-liberalen Schwabentums. In der Zeit des RAF-Terrors hielt es Rommel für geboten, mit Gesten der Mäßigung hervorzutreten: Er verteidigte den damaligen Stuttgarter Schauspieldirektor Claus Peymann, als dieser Geld sammeln wollte für einen Zahnarzttermin Gudrun Ensslins; er sorgte dafür, dass die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Raspe eine Ruhestätte auf dem Stuttgarter Dornhaldenfriedhof fanden. Zur Begründung benutzte er eine Formulierung, die noch heute Verwendung findet, wenn es um die Entschärfung politischer Konflikte geht: Nach dem Tod müsse jede Feindschaft enden.

          Nach der Ermordung zweier Stuttgarter Polizisten durch einen Asylbewerber aus Afrika im Jahr 1989 zeigte er in einer Trauerrede politische Größe, indem er vor eilfertigen Schuldzuweisungen warnte: „Wir sollten unserer Trauer Würde dadurch geben, dass wir nicht generalisieren, dass wir nicht Unschuldigen Schuld zuweisen. Der Täter hätte auch weiß sein können, er hätte auch ein Schwabe sein können.“ Den Unmut, den er in Teilen der Bürgerschaft sowie seiner eigenen Partei erntete, nahm er in Kauf. In der CDU kritisierte man Rommels „übertriebene Liberalität“. Fast wäre er 1978 nach Filbingers Rücktritt dennoch Ministerpräsident geworden, aber in der Landtagsfraktion unterlag er Lothar Späth.

          Später wurde Rommel immer wieder für bundespolitische Ämter vorgeschlagen, er blieb aber Stuttgart treu. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Rathaus mischte sich Rommel immer mal wieder ein, zuletzt im vergangenen Jahr, als er sich innerhalb der Stuttgarter CDU für eine Nominierung Sebastian Turners zum Oberbürgermeister-Kandidaten stark machte. 5000 Reden soll Rommel in den 22 Jahren an der Spitze der Stadt gehalten haben, die amüsantesten sind bis heute lesenswert. Seit langem schon litt Manfred Rommel an der Parkinson-Krankheit. Am Donnerstag ist Rommel im Alter von 84 Jahren in Stuttgart gestorben.

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