03.04.2010 · Er hat alle anderen Politiker des Landes in den Schatten gestellt, einmal auch sich selbst. Die Bilanz des „Ehrenbürger Europas“ am 80. Geburtstag ist glänzend, aber nicht makellos. Seine Möglichkeiten hat Helmut Kohl bis zum Äußersten ausgereizt.
Von Georg Paul HeftyZielstrebigkeit und Machtbewusstsein haben Helmut Kohl zum dominanten Innenpolitiker, Gradlinigkeit und Versöhnlichkeit zum großen Außenpolitiker gemacht. Auf beiden Feldern reizte er seine Möglichkeiten bis zum Äußersten aus. Bisher hat kein Bundeskanzler länger regiert als er, und keiner hat einen bedeutenderen Erfolg für Deutschland errungen. Er hat alle anderen Politiker des Landes in den Schatten gestellt, einmal auch sich selbst.
Seine Bilanz am 80. Geburtstag ist glänzend, aber nicht makellos. Der Glanz wird in den Schulbüchern stehen, der Makel, über den sich die Mediengesellschaft empörte, wird vergessen werden. Dies ahnt jeder. Daher mühen sich Freunde wie Gegner, doch noch zu einem angemessenen Urteil über den Politiker und den Menschen zu kommen, denn sie spüren, dass nicht Kohls Gewicht von ihrem Urteil abhängt, sondern ihr eigenes Gewicht davon abhängen könnte, wie sie über ihn geurteilt haben. Zugleich bricht sich mit Verspätung und noch unterschwellig das Bewusstsein Bahn, dass die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union einen Deutschen zum „Ehrenbürger Europas“ erkoren haben, als Zeichen dessen, dass Europa zu seiner Zeit mit Deutschland im Reinen war. Ein Moment mit Seltenheitswert und ohne absehbare Aussicht auf Wiederholung.
Ein solcher Lebenslauf bekommt seine Ausrichtung noch im Heranreifen. Schon der Schüler Kohl vermochte Freunde um sich zu sammeln und Führung zu zelebrieren, anfänglich mit Teewärmer und Schleppe. Noch im Kindesalter entwickelte sich im Zweiten Weltkrieg, im Bangen um den Vater und in der Trauer um den gefallenen Bruder, die eigene „Sehnsucht nach Frieden und Freiheit“. Als Fünfzehnjähriger machte er sich Ende April 1945 aus einem Wehrertüchtigungslager bei Berchtesgaden zu Fuß auf den Weg in seine Geburtsstadt Ludwigshafen. Er empfand sich als zu jung, „um selbst in Schuld verstrickt zu werden, aber doch schon alt genug, um die Schrecken der Diktatur und das Leid des Krieges zu erfahren und wahrzunehmen“, schrieb er 59 Jahre später in seinen Erinnerungen.
Jene Zeit brannte ihm die Erkenntnis einer „Gnade der späten Geburt“ ein. Jahrzehnte später sprach er sie in Israel aus. In Deutschland wurde er dafür verspottet, mit Vorliebe von jenen, die so weit nach dem Krieg geboren wurden, dass sie nicht mehr von Dank dafür erfüllt wurden, dem Unheil und dem Schuldigwerden entgangen zu sein. Wie so viele seiner Generation brauchte „ich den Satz ,Nie wieder Krieg' nicht zu buchstabieren. Der war ein Teil meines Lebens, meines Wesens geworden“, beschrieb Kohl sein Credo.
Aus dem „Schwarzen Riesen“ wurde schnell der „Oggersheimer“
Früh durchschaute er, wie es gehen könnte, in jungen Jahren der Macht ganz nah zu sein: „Konrad Adenauers Sekretär“, antwortete er der Familie auf die Frage, was er werden wolle. Als CDU-Jungpolitiker vom Rhein tat er sich beim Niederreißen von Grenzschlagbäumen hervor. Vielleicht auch, um Hannelore Renner, seine Lebenspartnerin aus Tanzschultagen und spätere Ehefrau, zu beeindrucken. In der örtlichen Parteipolitik verhielt er sich regelgerecht. Seine Körperlänge machte es ihm leicht, sich durchzusetzen. Mit dem Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag war sein weiterer Weg geebnet. Als Ministerpräsident erhielt er einen eigenen Gattungsnamen: „Adenauers Enkel“. Merkwürdig war aber, wie rasch an die Stelle des „Schwarzen Riesen“ der „Oggersheimer“ gesetzt wurde, sobald er sich anschickte, die Bundespolitik mitzugestalten.
Als rheinland-pfälzischer CDU-Landesvorsitzender, noch ohne Staatsamt, verhinderte er die in der Großen Koalition vereinbarte Wahlrechtsreform des Bundesinnenministers Lücke, eines Parteifreundes. Denn ihn trieb bereits die Frage um, wie die Union - und damit eines Tages wohl er selbst - im bundespolitischen Wettbewerb mit der SPD regierungsfähig bleiben könnte. Den Erhalt der FDP hat er stets für notwendig gehalten und damit die Rechnung aufgemacht, die ihn 1982 ins Kanzleramt brachte. Solange er aus der Provinz heraus das Bonner CDU-Establishment aufmischte, war er den linksliberalen Meinungsführern willkommen, als er aber die sozialliberale Regierung herausforderte, wurde er verhöhnt. Zwischen 1971, als Kohl bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden Rainer Barzel unterlag, und 1973, als der einzig übriggebliebene Hoffnungsträger den Parteivorsitz dann doch noch einnahm, wechselte seine Bewertung in den Medien. Über seine ersten Ergebnisse in der Bundespolitik wurde mehr gespottet als nachgedacht: In der Bundestagswahl 1976 erreichte er 48,6 Prozent. Und als er unter Verzicht auf die eigene Kanzlerkandidatur 1979 die Bewerber Strauß (CSU) und Albrecht (CDU) gegeneinander ins Rennen schickte, blieb nur er übrig. 1982 fuhr er die Ernte ein.
Nach den Lehrjahren in der Bonner Opposition und im Dauerringen mit dem CSU-Vorsitzenden Strauß entfaltete Kohl eine Außenpolitik besonderer Prägung: Kontinuität wo nötig, Neuerung wo möglich. Er schaffte, woran sein Vorgänger Schmidt gescheitert war: den Nato-Doppelbeschluss in Westdeutschland durchzusetzen. Dies vergaßen ihm weder Amerika noch die sowjetische Führung sowie die osteuropäischen Völker - auf je eigene Art. Der deutschen Linken und den Linksliberalen blieb nur übrig, Kohls Methode, zielstrebig und unerschütterlich zu sein, als Aussitzen zu banalisieren.
Zeichen an die DDR-Bürger: „Wir lassen euch nicht wegen eurer Führung hungern“
Zum Scheitern verurteilt war Kohls Anspruch auf eine geistig-moralische Wende. Unter den Intellektuellen und Künstlern behielten naturgegeben diejenigen die Oberhand, die bis dahin den Geist verkörpert hatten. Und den Verlegern war mehr an der Öffnung neuer Geschäftsfelder wie des Privatfernsehens gelegen als daran, diese in den Dienst eines volkspädagogischen Auftrags zu stellen. Allein der Papst aus Polen hätte ein Anker sein können, doch Kohl wollte sich mit dem Großteil des deutschen Katholizismus nie nach Rom richten. Wie wenig die geistige und moralische Wende im Westen geglückt war, bekam er sieben Jahre später vor dem Schöneberger Rathaus zu spüren, als ihn während seiner Worte „Wir sind und bleiben eine Nation“ die tonangebende Schicht niederschrie.
Die erste wirkliche Überraschung gelang Kohl, ständig beraten von Horst Teltschik, in der Deutschlandpolitik. Diese war „international“ und umfasste Washington ebenso wie Moskau und die Hauptstädte der Warschauer-Pakt-Staaten. 1983 gewährte die Bundesregierung der DDR einen Milliarden-Kredit. Als Nebenwirkung musste Strauß in die deutschlandpolitischen Fußstapfen derer treten, die er so lange kritisiert hatte. Der Kredit legte den Bedarf des real existierenden Sozialismus an westlichen Transferleistungen deutlicher offen als die bis dahin üblichen Unterstützungszahlungen, von der Transitpauschale bis zum Häftlingsfreikauf. Der Kredit signalisierte der ostdeutschen Bevölkerung: Wir lassen euch nicht wegen eurer Führung hungern. Und der Führung: Macht keinen Unsinn, ihr könnt es euch nicht leisten. Als Gläubiger der DDR hatte Kohl mithin auch keinen Grund, auf die Geraer Forderungen Honeckers einzugehen. So wahrte er die Möglichkeit, im Wendesommer die ostdeutschen Pässe der DDR-Flüchtlinge gegen bundesdeutsche einzutauschen und nach der Wiedervereinigung die Mauerschützen vor Gericht zu stellen. Der Milliardenkredit schwang im Hintergrund mit, als Kohl 1987 in Bonn Honeckers Illusion zerstörte, die Kommunisten hätten einen historisch dauerhaften zweiten deutschen Staat geschaffen. Er hielt die Idee der deutschen Einheit dagegen. Umso mehr taten sich Kohls westdeutsche Kritiker damit hervor, die Wahrscheinlichkeit einer Wiedervereinigung zu verneinen.
Mit keinem amerikanischen Präsidenten nachhaltig verdorben
Ebenso weigerten sie sich, in zwei symbolträchtigen Handlungen Kohls geschichtsbewusste Versöhnlichkeit zu erkennen. Sie hielten Willy Brandts Kniefall im Getto von Warschau für vorbildlich und unübertrefflich. Brandt hatte mit einer einseitigen Geste ein zweifach geknechtetes Volk um Verzeihung gebeten, Kohl hingegen wollte bestehende Gemeinsamkeit vertiefen. Er zielte auf die Bekundung gegenseitiger Versöhnung mit Siegermächten: Händehalten mit dem französischen Präsidenten Mitterrand 1984 in Verdun und Handschlag mit dem amerikanischen Präsidenten Reagan 1985 in Bergen-Belsen und Bitburg. Diese Freundschaften mit den Staatschefs der beiden wichtigsten Partnerstaaten, die in Amerika Vizepräsident und Nachfolger George Bush mit einschlossen, bewährten sich im entscheidenden Moment. Im Unterschied zu seinem Vorgänger und zu seinem Nachfolger hat es sich Kohl mit keinem amerikanischen Präsidenten nachhaltig verdorben.
Es war - darin durchaus ein Nachfahre Adenauers - Kohls Eigenart, wie zufällig mit Gesten oder Worten Freund und Feind einzubrennen, dass er ihnen weder als Unterwürfiger noch als Schuldgebeugter gegenübertritt, obwohl die Bundesrepublik noch keineswegs vollständig souverän war und in Berlin noch die vier Mächte herrschten. Als im Kreml ein etwa gleichaltriger Generalsekretär die Macht übernahm und Kohl damit rechnete, dass die Koexistenz der beiden lange dauern würde, erklärte er ihn mit einem groben Vergleich zum Propagandisten. Michail Gorbatschow war wütend, aber er hatte wohl verstanden, dass in Bonn einer regierte, der sich nicht mehr vor den Sowjetführern fürchtete. Obwohl sich Kohl wegen der breiten Empörung - diese entsprang der Neigung zum Wohlverhalten - von seiner Aussage distanzierte, wusste nun der Mann im Kreml, dass der Kanzler nicht mit Schlagworten zu beeindrucken war. Umso ernsthafter und auf Augenhöhe sprachen Kohl und Gorbatschow im Juni 1989 im Bonner Kanzlergarten miteinander über die Wiedervereinigung. „Sie können ihr Zustandekommen zu verhindern suchen. Dann erleben werden wir beide sie vielleicht nicht mehr“, sagte Kohl. „Aber so sicher wie der Rhein zum Meer fließt, so sicher wird die deutsche Einheit kommen - und auch die europäische Einheit.“ Die Frage sei: „Machen wir es in unserer Generation, oder warten wir weiter - mit all den Problemen, die damit verbunden sind.“ Kohl resümiert in seinen Erinnerungen: „Von diesem Zeitpunkt an setzte bei Gorbatschow ein Prozess des Umdenkens ein - nicht zuletzt deshalb, weil wir uns menschlich näherkamen und Vertrauen zueinander fassten.“
Zehn-Punkte-Plan und weitere Trümpfe
Wochen später begann die Bewährungsprobe. In Ungarn sammelten sich Urlauber aus der DDR, um in die Bundesrepublik zu gelangen. Die Bundesregierung hatte nicht nur an der Einheitlichkeit der „westdeutschen“ und der „ostdeutschen“ Staatsangehörigkeit festgehalten, sondern sie hatte auch seit Monaten der wendewilligen ungarischen Regierung den Rücken gestärkt. Während der Kanzler mit den Vorzeichen weltpolitischer Umwälzungen befasst war, konzentrierte sich die zweite Garnitur seiner Partei darauf, ihn zu stürzen. Doch angesichts der Herausforderungen verließ ihren Spitzenkandidaten offenbar der Mut. Die von Ungarn genehmigte Ausreise der Flüchtlinge machte Kohls Wiederwahl zum Parteivorsitzenden perfekt.
Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 konnte Kohl die Verfahrensherrschaft übernehmen. Er sprang nicht auf einen in Fahrt gekommenen Zug auf, sondern hatte vielfältige Vorarbeit geleistet, die ausschlaggebender war als die versäumte Schubladenplanung für Straßenbau und Postleitzahlen im Osten. In Moskau galt sein Wort genug, um die sowjetischen Panzer in ihren Kasernen zu halten. Und Washington brauchte nicht zu befürchten, die Bundesrepublik werde der Chance zur Einheit zuliebe aus der Nato ausscheren. Kohls Zehn-Punkte-Plan vom 29. November für eine Konföderalisierung schien auf so lange Frist angelegt zu sein, dass sich sowohl in der DDR als auch im europäischen Ausland Hoffnungen und Befürchtungen die Waage halten konnten und die Panik über eine bevorstehende Wiedervereinigung nicht gefährlich lang anhielt.
Und Kohl hatte die stärkste Trumpfkarte zur Erlangung der deutschen Einheit trotz des Drängens im In- und Ausland aufgehoben: die völkerrechtliche Endgültigkeit der deutsch-polnischen Grenze. So hatte gerade Polen ein nationales Interesse an der Herstellung eines einheitlichen deutschen Staates. Wer weniger zu gewinnen hatte, leistete sich Vorbehalte gegen eine „Wende“, die über die Demokratisierung der DDR hinausgehen sollte. Kohl, der Unterstützung aus Washington, aber auch aus Madrid gewiss, überwand die Widerstände - mit Geschmeidigkeit gegenüber Mitterrand und mit Härte gegenüber der britischen Premierministerin Thatcher. Der Sowjetunion half er mit Lieferungen von Gütern des täglichen Bedarfs aus der Klemme. Und den Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft nahm er die Angst vor einer deutschen Großmacht, die sich als solche gebärden würde. Die Zwei-plus-vier-Gespräche wurden zum Forum für die brisantesten Fragen deutscher Nachkriegsgeschichte. Dagegen waren sogar jene des Beitritts der neuen Länder zum Geltungsbereich des Grundgesetzes überschaubar.
„Kanzler der Einheit“
Am 3. Oktober 1990, dem Tag seines größten persönlichen wie nationalen Triumphes, hatte Kohl jedoch gerade erst die Mitte seiner gesamten, sich vom Oktober 1982 bis zum Oktober 1998 erstreckenden Amtszeit überschritten. Der „Kanzler der Einheit“ regierte von da an ein Volk von mehr als 82 Millionen Menschen. In der Außenpolitik gab es danach nur einen kurzen, aber gewaltigen Ausbruch von Unsicherheit, als das Sowjetsystem zerbröselte und eine Gruppe von Putschisten für einige Tage die Macht an sich riss. Stand der Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland in Frage - oder noch mehr? Die Zerstückelung der Sowjetunion und die Wiederauferstehung des souveränen Russlands klärte die Lage. Kohl gelang es, sowohl mit dem gestürzten Gorbatschow als auch mit dessen Rivalen, dem neuen russischen Präsidenten Jelzin, geradezu freundschaftliche Kontakte zu pflegen und den Abzug der russischen Truppen mit hohen Kosten, aber in schöngefärbter Atmosphäre zu vollbringen.
Da stand Kohl in seinem 65. Lebensjahr und vor seiner vierten Wahl zum Bundeskanzler. Die Natur, die Politik und die Bevölkerung forderten ihren Tribut. Kohl scheint sich drei Ziele gesetzt zu haben: noch einmal etwas Großes zu leisten, seine Nachfolge vorzubereiten und seinen Sturz durch Parteifreunde zu verhindern. Das Große war keine neue Idee; Europapolitiker hatten seit Jahrzehnten von einer gemeinsamen Währung geträumt und Schritt für Schritt darauf hingearbeitet. Wirklichkeit geworden ist sie aber mit Kohls überwältigender Mitwirkung. Mögen ausländische Regierungschefs im Euro ein Mittel zur Einhegung des größer gewordenen Deutschlands gesehen haben, so sah der Bundeskanzler darin eine Vorleistung auf eine friedenserhaltende, aber auch bequemere Zukunft. Gegenüber den kleingläubigen Verteidigern des Nationalsymbols Deutsche Mark setzte er auf die Vorteile des Euro für die Jugend. Als Garanten setzte er den Stabilitätspakt durch und holte die Europäische Zentralbank nach Frankfurt, um deren Unabhängigkeit in der Tradition der Bundesbank hervorzuheben.
Das Ehrenwort
In der Regelung seiner Nachfolge kulminierte die geballte Befähigung und Erfahrung seit Kindertagen. Wolfgang Schäuble war seit dem Attentat auf ihn der einzig denkbare Anwärter auf den Parteivorsitz und somit für den Fall einer Regierungsmehrheit auch für die Kanzlerschaft. Kohl stattete ihn mit den Insignien des Kronprinzen aus, belastete ihn aber nicht mit den Bürden eines Kanzleralltags. Schäubles Ungeduld nahm er hin und wusste sich dank der CSU sicher vor einem Putsch. Er wollte nicht aus dem Amt verdrängt werden, das war er sich als Kanzler der Einheit schuldig. Daher verbot sich auch ein freiwilliger Rückzug. Sein Ausweg war es, sich dem Volk zur Wahl zu stellen: der Souverän sollte über ihn entscheiden - und kein anderer außer dem lieben Gott. 1998 sprach das Volk, und Kohl zog augenblicklich die Konsequenz, Schäuble folgte ihm im Parteivorsitz.
So weit ging die Planung auf. Als noch die Ehrenbürgerschaft Europas hinzukam, war alles auf einen glorreichen Ruhestand ausgerichtet. Die Affäre um die Parteispenden der CDU änderte alles. Kohl berief sich auf sein Ehrenwort gegenüber seinen Spendern, er blieb damit sich selbst und dem Bild treu, das sich viele von ihm gemacht hatten, und wurde dem Gesetz gegenüber untreu. Der Widerspruch ist ihm bewusst, und er litt daran, dass er ihn nicht auflösen konnte. Formal hat er sich davon freigekauft, juristisch ist der Fall abgeschlossen. Ärgerlich nur, dass mit der Affäre er selbst den Vorwand dafür bot, ihm die Fernlenkung der Partei zu nehmen.
Der Privatmann Kohl ist vom Schicksal nicht privilegiert worden. Seinen beiden Söhnen wurde wiederholt vorgehalten, ihn zum Vater zu haben. Darunter litten sie und er. Die Krankheit und der frei gewählte Tod seiner Frau 2001 machten den eben noch politisch Gebeutelten zu einem Mann, der trotz aller langsam wiederauflebenden öffentlichen Anerkennung gegen das Vereinsamen ankämpfen musste. Kaum hatte die Bekanntschaft mit der früheren Kanzleramtsmitarbeiterin Maike Richter ihm eine neue Perspektive geboten, machte ein fataler Sturz die Heirat zu einer Hochzeit im engsten Kreis. An diesem Samstag begeht Helmut Kohl seinen 80. Geburtstag.
Interaktiv: Helmut Kohl zum 80.Geburtstag - Sein Leben in Bildern
Glückwünsche aus aller Welt zum 80. Geburtstag Kohls
Video: Helmut Kohl - der Kanzler der Einheit wird 80
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Und mit dem Ehrenwort ...
Karl Neuwald (KarlFAZ)
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Ich persönlich habe Probleme
resi mayer (kimwales)
- 03.04.2010, 10:30 Uhr
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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