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AfD : Die rechten Fäden in der Hand

Momente der Zurückweisung

Nach Jahrzehnten des Wartens sieht er seine geistige Saat aufgehen. Flüchtlingskrise und der Aufstieg der AfD lassen auch die „Neue Rechte“ wachsen. Die Seminare in Schnellroda sind oft überbucht, auch Kubitscheks Verlag „Antaios“ floriert. Besonders gut verkauft sich im Moment das Buch „Zurüstung zum Bürgerkrieg. Notizen zur Überfremdung Deutschlands“. Auch die Auflage von Kubitscheks Zeitschrift „Sezession“ steigt. Doch das reicht Kubitschek noch nicht. „Bis auf ein klein bisschen Ausweitung des Resonanzraums und einer gewissen parteipolitischen Erschütterung ist noch gar nichts gelaufen“, sagt er. Deutschland müsse verändert werden, auch wenn es Rückschläge gebe, etwa wenn es wieder einmal heiße, er sei ein Radikaler.

In solchen Momenten der Zurückweisung, sagt Ellen Kositza, schaue sie gerne in die Namenskartei der „Sezession“-Abonnenten. Das sei „immer eine Genugtuung“, weil so viele „prominente Leute“ darunter seien – Schriftsteller, Wissenschaftler, Journalisten. Wer, das sagt das Ehepaar nicht. „Weil man sich ständig zu rechtfertigen hat, macht man das in der Sicherheit des Schweigens“, sagt Kubitschek. Die AfD sei dabei „nur ein Baustein eines Milieus, das plötzlich breiter dasteht, als es die Leute von außen geahnt haben“. Kubitschek raunt, die von Schnellroda ausgehende geistige Bewegung sei „wie ein Gewebe, wie ein Netz, das sich über die Dinge legt“.

„Ort der geistigen Regeneration“

Vor einem solchen Netz hatte Bernd Lucke die AfD gewarnt. Viele Vorstandsmitglieder, die der Partei heute nicht mehr angehören, hatten ihm damals zugestimmt. Kubitschek sei ein „brandgefährlicher Mann“, schrieb die damalige stellvertretende Bundesvorsitzende Patricia Casale in einer E-Mail an Lucke. Ihr Vorstandskollege Hans-Olaf Henkel sagte sogar, jeder, der für die Aufnahme von Kubitschek sei, solle die AfD verlassen. Henkel könnte André Poggenburg gemeint haben, den AfD-Landesvorsitzenden in Sachsen-Anhalt. Er intervenierte nach der Ablehnung Kubitscheks als Parteimitglied persönlich. In einer E-Mail an den Bundesvorstand schrieb Poggenburg am 19. Februar, er sei über die Ablehnung der Aufnahmeanträge „verwundert, um es höflich auszudrücken“ und sprach von einem „schweren, hoffentlich gut begründeten Eingriff in die Landesautonomie“. Auch mehrere Kreisverbände aus Niedersachsen forderten den Bundesvorstand auf, die Entscheidung zu überdenken. Das Gewebe von Schnellroda hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon über die Partei gelegt.

Belesen: Kubitschek in seiner Bibliothek Bilderstrecke

Mittlerweile wollen die Kubitscheks nicht mehr Mitglieder der AfD werden. Das ist auch nicht mehr nötig. Die Partei nähert sich der „Neuen Rechten“ von sich aus an. Der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hat seinen Vortrag, in dem er das Reproduktionsverhalten von Afrikanern implizit mit dem von Mäusen und Kaninchen gleichsetzte, bei Kubitschek in Schnellroda gehalten. Höcke ist ein Duzfreund von Kubitschek, er sagt, Schnellroda sei für ihn ein „Ort der geistigen Regeneration“, er empfange dort sein „geistiges Manna“. Auch Kubitschek und Poggenburg kennen sich gut. Kubitschek nennt ihn kumpelhaft „Pogge“.

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