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Berühmte Genscher-Zitate : „Mir macht der Parteitag richtig Spaß.“

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Hans-Dietrich Genscher hatte Spaß an der Politik und wollte auch, dass seine Partei den hat. Bild: dpa

Genschers berühmtestes Zitat stammt unzweifelhaft aus seiner Rede auf dem Prager Botschaftsbalkon. Doch in einem jahrzehntelangen Politikerleben sammeln sich noch weitere an. Eine Auswahl.

          „Ich habe mir einmal geschworen: Solange du Politik machst, stehst du im Telefonbuch. Damit die Leute dich anrufen können.“ (2015 in einem Interview mit „Zeit“.)

          „Mir macht der Parteitag richtig Spaß. (...) Das ist der Spaß an der liberalen Sache. Deshalb möchte ich die Partei auch bitten, um das Wort ‚Spaß‘ keine Tabuzone zu errichten. Griesgram und Sauertopf werden nicht gewählt.“ (Im Mai 2002 als FDP-Ehrenvorsitzender auf dem FDP-Parteitag in Mannheim.)

          „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“ (Im September 1989 auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Der Rest des Satzes ging im Jubel der DDR-Flüchtlinge unter.)

          „Sicher gehören diese Stunden in der Botschaft zu den bewegendsten meines Lebens.“ (Im November 2006 in einem dpa-Interview zu den Ereignissen 1989 in Prag.)

          „Als ich dann auf dem Balkon stand, war es dunkel, das Licht der Kamera blendete mich, so dass ich gar nichts mehr sah. Ich hörte nur, dass da draußen die Menschen waren und habe in die Finsternis hinein diesen Satz gesagt....Ich wusste, wie sich die Menschen fühlen, was es heißt, Freunde und Verwandte zurückzulassen. Das hat mich schon sehr aufgewühlt.“ (am 30. September 2014 in der „Bild“-Zeitung über den Abend in Prag, an dem er genau 25 Jahre zuvor den DDR-Flüchtlingen mitteilte, dass ihre Ausreise in den Westen bewilligt worden sei.)

          „Nach dem, was geschehen war in Deutschland bis 1945, nun wieder israelische Sportler in Lebensgefahr, bedroht – hier in Deutschland. Das war ein unerträglicher Gedanke. (...) Für mich war das der schrecklichste Tag meiner langen Amtszeit als Mitglied der Bundesregierung.“ (Im August 2012 in einer ARD-Fernsehdokumentation zu den Terroranschlägen bei den Olympischen Spielen in München 1972. Genscher war damals als Bundesinnenminister im Krisenstab.)

          „Ich möchte die Politiker bitten, in ihre Völker hineinzuhören, die in ihrer europäischen Gesinnung viel weiter sind.“ (Im August 2006 in Weimar in einem Appell an die Regierungen von Polen, Frankreich und Deutschland, ihre Verantwortung als Motor der Europäischen Union wahrzunehmen.)

          „Ich hatte als Außenminister einen Globus, den ich auf den jeweiligen Besucher eines anderen Landes so einstellen konnte, dass er das Gefühl hatte, dass ich ihn ernst nehme.“ (Im November 1999 in Boppard (Rheinland-Pfalz) zur Bekräftigung seiner Warnung, dass Europa nicht als Mittelpunkt der Welt verstanden werden dürfe.)

          „Ich habe alle Bände von Karl May gelesen und hätte als kleiner Junge in Halle niemals erträumt, einmal selbst soviel zu reisen wie Karl May in seiner Phantasie. Mein Lieblingsheld war Old Shatterhand – wegen der durchschlagenden Wirkung.“ (In der „Mittelbayerische“ Zeitung“ am 22./23. Februar 1992.)

          Hans-Dietrich Genscher war einer der prägendsten Außenminister der Bundesrepublik und über die Grenzen seiner Partei FDP hinweg geschätzt. Sein Leben in Bildern. Bilderstrecke

          „...wir sind kein Einwanderungsland. Wir können es nach unserer Größe und wir können es wegen unserer dichten Besiedlung nicht sein. Deshalb geht es darum, ohne Eingriffe in die Rechte des einzelnen und der Familie, ohne Verletzung der Grundsätze der Toleranz zu einer Verminderung der Ausländerzahlen zu kommen“ (am 5. Oktober 1984 vor dem Deutschen Bundestag zur „Fortentwicklung des Ausländerrechts„. Stenographischer Bericht, S. 6587.)

          „Das Europa von heute hat eine Botschaft. Das ist das Europa der gleichen Würde der Menschen, der Völker, der Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie. (...) Die Welt wird nur stabil, wenn sie von allen Völkern als gerecht empfunden werden kann und wenn alle erkennen, dass Groß und Klein gleichberechtigt und ebenbürtig sind.“ (Im November 2006 in einem dpa-Interview.)

          „Unser Volk ist ein Volk des guten Beispiels geworden.“ (Im September 2015 in Berlin zur Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland.)

          „Immer wenn ich eine Meldung über einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim lese, stehen vor mir die Bilder meiner Kindheit: brennende Synagogen und zerstörte jüdische Ladengeschäfte.“ (am 6. August 2015 im Interview der „Zeit“.)

          „Yes, we do, yes, we can - wir können das.“ (am 14. Oktober 2009 an der Universität Leipzig zur globalen Verantwortung der Europäischen Union.)

          „Die Geschichte gewährt uns keine Pause, und erst recht gibt es kein Ende der Geschichte.“ (2009 auf einer Festveranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.)

          „Ein gutes Wort, das man selbst noch hören kann, zählt mehr als der beste Nachruf.“ (im Februar 2011 auf der Feierstunde der FDP zum 65. Jahrestag des Eintritts Genschers in die Liberal-Demokratische Partei am 30. Januar 1946.)

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