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Zeugin der Muhabbet-Aussage „Warum sollten wir so einen Vorwurf erfinden?“

14.11.2007 ·  Erst sang Außenminister Steinmeier mit dem Rapper Muhabbet ein Lied zur Integration. Dann wurde daraus ein kleiner Skandal. Denn Muhabbet soll den Mord am niederländischen Filmemacher Van Gogh gebilligt haben - das bekräftigte nun die Journalistin Esther Schapira im Gespräch mit FAZ.NET: „Ich sage das auch unter Eid aus.“

Von Tobias Rüther
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Die Fernsehjournalistin Esther Schapira bleibt bei ihrer Darstellung, der Rapper Muhabbet habe ihr gegenüber bei der Verleihung des „Prix Europa“ vor drei Wochen den Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh gebilligt. „Ich sage das auch unter Eid aus, wenn es gewünscht ist“, sagte sie zu FAZ.NET. „Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass es so passiert ist.“

Die Redakteurin des hessischen Rundfunks weist zugleich den Vorwurf sorgloser Recherche zurück, den Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gegen die ARD erhoben hat: Nach einem „Tagesthemen“-Bericht über die Aussagen Esther Schapiras hatte Steinmeier im ARD-„Morgenmagazin“ um „etwas mehr Zurückhaltung und etwas mehr Sorgfalt bei der Recherche“ gebeten.

Am Montag hatte Steinmeier zusammen mit seinem französischen Kollegen Kouchner am Rande des deutsch-französischen Ministerrats gemeinsam mit Muhabbet öffentlichkeitswirksam ein Lied zum Thema Integration in Berlin gesungen und aufgenommen. Später waren dann die Vorwürfe gegen Rapper Muhabbet laut geworden (siehe dazu auch: Sänger Muhabbet: Kritik wegen Äußerungen zu van Gogh-Mord).

„Als Zeugin geschildert, was ich selbst gehört habe

Der Vorwurf der schlechten Recherche sei „eine Unverschämtheit“, sagte Esther Schapira jetzt zu FAZ.NET. „Wenn hier von mangelnder Recherche die Rede sein kann, dann seitens des Außenministeriums. Herr Steinmeier hätte mich ja anrufen können, bevor er ins Fernsehen geht.“ Sie habe „als Zeugin geschildert, was ich selbst gehört habe, dafür gibt es einen weiteren Zeugen, meinen Kollegen Kamil Taylan. Warum sollten wir so einen ungeheuerlichen Vorwurf erfinden?“

Zudem bezeichnete sie die Darstellung des Managers von Muhabbet, Schapiras Kollege Taylan habe den Rapper während des Wortwechsels geschubst, als „absoluten Unsinn“. Es sei vielmehr „eine Atmosphäre engagierter Debatte“ gewesen, „kein dramatischer Schlagabtausch, es war auch kein Streit, niemand ist ausfallend geworden. Das Ganze hat vielleicht fünf bis zehn Minuten gedauert.“

„Erstmal wie erstarrt“

In diesen besagten Minuten am Abend des 20. Oktobers, an dem die Zeitgeschichtsredakteurin des Hessischen Rundfunks für ihren Film „Der Tag, als Theo van Gogh starb“ ausgezeichnet worden war und Ausschnitte ihres Filmes und des umstrittenen Films „Submission“ von Theo van Gogh gezeigt wurden, sei Muhabbet auf sie zugekommen und habe gesagt, dass van Gogh „Glück gehabt habe, dass er so schnell gestorben sei, wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er ihn erstmal in den Keller gesperrt und noch gefoltert.“ Danach seien alle Umstehenden „erstmal wie erstarrt“ gewesen, sagt Frau Schapira. „Sein Manager Jochen Kühling sagte: Das kannst du doch so nicht sagen, er war also selbst ziemlich fassunglos. Ich habe dann gesagt: Das kann ich überhaupt nicht akzeptieren, so eine Aussage ist grotesk.“

Frau Schapira habe die Situation zunächst nicht „überbewerten“ wollen: „Andererseits habe ich das auch nicht als eine rein private Situation gesehen, weil mir klar war, dass es sich bei Muhabbet um jemanden handelt, der Vorbildfunktion in seiner Szene hat.“ Von sich aus hätte sie die Aussagen Muhabbets nicht in die Öffentlichkeit getragen, „wenn Muhabbet nicht selbst mit dieser PR-Aktion“ - gemeint ist der gemeinsame Auftritt des Rappers mit Steinmeier und dem französischen Außenminister Kouchner am Montag in Berlin - „den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hätte.“ Jetzt sei es an Muhabbet, „klarzustellen, ob es ein Affekt war.“ Der Rapper hatte die Vorwürfe gegen ihn in der ARD mit den Worten zurückgewiesen: „Ich finde jeden Mordaufruf katastrophal und würde mich dagegenstellen“.

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Jahrgang 1973, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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