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Zentralrat der Juden : Charlotte Knobloch Favoritin für Spiegels Nachfolge

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Charlotte Knobloch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nachfolgerin des verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Paul Spiegel wird aller Voraussicht nach Charlotte Knobloch. Nach Informationen der F.A.Z. will der bisherige Favorit für das Amt, Salomon Korn, nicht kandidieren.

          Nachfolgerin des verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Paul Spiegel wird aller Voraussicht nach Charlotte Knobloch werden, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde München.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung will der bisherige Favorit für die Nachfolge, Salomon Korn, Vizepräsident und Vorsitzender der Frankfurter Gemeinde, wohl nicht für den Posten kandidieren. Korn selbst äußert sich derzeit nicht öffentlich zu dieser Frage. Sein Verzicht auf die Kandidatur wird aber immer wahrscheinlicher, denn er möchte sich nicht ununterbrochen mit Leibwächtern umgeben und sein Familienleben drastisch einschränken müssen.

          Generationenwechsel aufgeschoben?

          Im Gegensatz zu Korn liebt Frau Knobloch öffentliche Auftritte, an Leibwächter und Polizeischutz ist sie längst gewöhnt. Knobloch steht seit geraumer Zeit rund um die Uhr unter Bewachung. Im Jahr 2000 unterlag sie bei der Wahl des Präsidenten gegen Spiegel mit sechs zu drei Stimmen.

          Salomon Korn

          Mit 73 Jahren zählt Frau Knobloch nicht gerade zu den Jungen beim Zentralrat der Juden. Würde sie Präsidentin, wäre der seit langem angestrebte Generationenwechsel noch einmal hinausgeschoben. Doch könnte es dem Gremium auf der anderen Seite auch Legitimation verleihen, daß mit ihr zum letzten Mal ein Holocaust-Opfer an der Spitze stünde. Knobloch, aus einer deutsch-jüdischen Familie stammend, hat den Holocaust versteckt bei einer katholischen Familie in Franken überlebt.

          Wahl schon Anfang Juni

          Die wohl wichtigste Aufgabe Knoblochs wird es sein, die politische Einheit des deutschen Judentums zu bewahren. Schon einmal - vor zwei Jahren - stand die Gründung eines konkurrierenden Zentralrats im Raum, getragen von den liberalen Gemeinden, die sich benachteiligt fühlten. Spiegel vermochte damals, die Spaltung abzuwenden und einen Kompromiß zu finden. Jetzt droht Gefahr von Seiten der Einwanderer aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Sie stellen mittlerweile 80 Prozent der Gemeinden mit insgesamt 110.000 Mitgliedern, doch im Präsidium des Zentralrats sitzt kein einziger „Russe“. Gelingt es nicht, die Zugewanderten zu integrieren, und zwar nicht nur sozial in die demokratische deutsche Gesellschaft, sondern auch geistig in das Judentum, könnte der Zentralrat bald nur noch eine Rest-Judenschaft vertreten.

          Nach Informationen der F.A.Z. wollen die sieben Mitglieder des Präsidiums des Zentralrats schon Anfang Juni den Nachfolger Spiegels aus ihrer Mitte wählen. Paul Spiegel war am 30. April nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben.

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