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Wulff-Urlaub auf Westerland : „Habe Groenewold das Geld fürs Hotel bar gegeben“

Reichlich Gegenwind: Christian Wulff, damals Ministerpräsident Niedersachsens, am 1. August 2008 am Strand auf Norderney Bild: dapd

Bundespräsident Wulff hat abermals Vorwürfe zurückweisen lassen, er habe sich im Jahr 2007 einen drei Tage langen Aufenthalt auf der Insel Sylt von dem Filmmanager Groenewold finanzieren lassen. Wulffs Anwalt teilte mit, der Bundespräsident habe Groenewold entsprechende Hotelkosten „bar zurückgezahlt“.

          Bundespräsident Wulff hat am Mittwoch abermals Vorwürfe zurückweisen lassen, er habe sich im Jahr 2007 einen drei Tage langen Aufenthalt auf Sylt von dem Filmmanager Groenewold finanzieren lassen. Wulff, der damals Ministerpräsident von Niedersachsen war, beglich nach Auskunft seines Anwaltes die Kosten des Aufenthaltes, für die Groenewold in Vorlage gegangen war, diesem in „bar“.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Die Nebenkosten habe er selbst und direkt bezahlt. Nach einem Bericht in der „Bild“-Zeitung hatten die Kosten im „Hotel Stadt Hamburg“ auf Sylt 258 Euro je Übernachtung betragen. Auch in anderen Fällen, in denen Groenewold Aufenthalte Wulffs – auf Sylt und in München – vorab beglichen habe, sei das so geschehen. Wulff habe ihm das Geld in bar zurückerstattet, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Groenewolds Anwalt.

          Laut einem Bericht der Zeitung vom Mittwoch versuchte Groenewold im Januar dieses Jahres, Informationen über den Sylt-Aufenthalt Wulffs mit dessen heutiger Ehefrau Bettina zu vertuschen. Das wurde durch eine Stellungnahme des Anwalts von Groenewold mit dem Hinweis zurückgewiesen, der Vorwurf „entbehrt jeder Grundlage“. Die Zeitung veröffentlichte einen textlichen Ausriss. Danach hieß es in einer „To do“-Liste des Hotels vom 17. Januar 2012: „Herr David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keine Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Herrn Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts.“ Wenig später nach dem Anruf sei Groenewold persönlich im Hotel erschienen und habe sich von Hotelmitarbeitern alle relevanten Rechnungen und Belege aushändigen lassen, schrieb die Zeitung.

          Anwalt Groenewolds kündigt Beschwerde beim Presserat an

          Die Anwälte Groenewolds veröffentlichten am Mittwoch eine Erklärung des Hotels Stadt Hamburg. Darin hieß es, Rechnungskopien würden nicht übersandt, wie es Groenewold gewünscht habe, sondern nur persönlich ausgehändigt. Eine vertrauliche Behandlung der Unterlagen entspreche ohnehin „unserer Hausordnung“. Groenewold habe am 19. Januar die Kopie der damaligen Rechnung erhalten; die Originalrechnung würden die Gäste bei Abreise bekommen.

          Zudem wurde in der Erklärung des Hotels für Groenewold versichert: „Sie baten uns zu keinem Zeitpunkt darum, die Unterlagen zu Ihrem Aufenthalt in unserem Haus zu vernichten, zu manipulieren oder ähnliches.“ Der Anwalt Groenewolds kündigte an, neben den „üblichen presserechtlichen Ansprüchen“ werde er gegen die „Bild“-Zeitung eine Beschwerde beim Deutschen Presserat einreichen.

          Der Filmproduzent David Groenewold pflegt eine enge berufliche und private Beziehung zu Christian Wulff Bilderstrecke
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          Die Staatsanwaltschaft Hannover teilte mit, sie prüfe den Urlaub auf Sylt. Die Behörde habe davon bereits Mitte Januar aus den Medien erfahren, sagte Oberstaatsanwalt Lendeckel. Neu seien Informationen über angeblich in Sylt abgeholte Unterlagen: „Das fließt jetzt alles in die Prüfung ein.“ Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt auch im Zusammenhang mit der Lobby-Veranstaltung „Nord-Süd-Dialog“ in Niedersachsen wegen Verdachts der Bestechlichkeit gegen den früheren Sprecher und Vertrauten von Wulff, Glaeseker.

          Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Oppermann, forderte – offenkundig jedoch vor Abgabe der Erklärungen der Anwälte Groenewolds – die Staatsanwaltschaft auf, sich wegen der neuen Sachverhalte in die Affäre einzuschalten. Die „Vertuschungen und Verdunkelungsaktionen“ hätten eine Grenze erreicht, „wo die Staatsanwaltschaft nicht länger zusehen kann“, sagte Oppermann. Auch der Anwalt Wulffs äußerte sich anscheinend vor den Darstellungen Groenewolds. Der Anwalt Lehr legte dar, Wulff haben von den berichteten Kontakten Groenewolds zu dem Hotel auf Sylt keine Kenntnis gehabt. „Er wusste nicht, dass Herr Groenewold das Hotel aufsuchte und dort angeblich darauf drängte, anfragenden Medien keine Auskunft zu geben sowie Unterlagen über einen Aufenthalt im Jahr 2007 auszuhändigen.“ Die Agentur Reuters zitierte Wulffs Anwälte so: „Christian Wulff hielte eine solche Vorgehensweise in jeder Hinsicht für falsch.“

          Quelle: F.A.Z.

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