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Windkraft im Schwarzwald : Der Wind, der Wind, ein schwieriges Kind

Das Fünf-Sterne-Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach fürchtet den Kampf gegen die Windmühlen der Zukunft Bild: Wohlfahrt, Rainer

Früher hätten ein paar Anrufe des Hoteliers Meinrad Schmiederer genügt und die geplanten Kraftwerke hätten sich in Luft aufgelöst. Doch die Zeiten haben sich geändert.

          Am Terrassenhang seines Hotels hat Meinrad Schmiederer einige Brunnen bauen lassen. Sie plätschern auch im Winter. Das Wasserrauschen soll Diskretion schaffen. Wenn die Gäste im Sommer auf ihren Liegestühlen liegen, soll der Nachbar vom Gespräch möglichst wenig mitbekommen. Jetzt ist der Dollenberg in dichten Nebel gehüllt, die Renchtalhütte, wo es Schwarzwälder Hausmannskost gibt, ist kaum zu sehen. In den Restaurants des Fünf-Sterne-Hotels im Schwarzwald, wenige Kilometer von der Schwarzwald-Höhenstraße und dem Kniebis entfernt, wird gerade das Mittagsmenü serviert.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Schmiederer steht in der Eingangshalle. Viel Marmor, viel Edelmetall. Er zeigt auf die kleine Boutique, in der sich die Hotelgäste nach der Sauna die Zeit vertreiben sollen. „Dort war mal unser Kuhstall“, sagt Schmiederer. Er kann die dicke und die dünne Wand des ehemaligen Tagelöhnerhauses seiner Eltern noch unterscheiden. Sein Vater war Nebenerwerbslandwirt, irgendwann begann er damit, Bier für Wanderer auszuschenken. Schmiederer wird in der Ortenau der „Patron aus dem Renchtal“ genannt. Er ist eine dieser legendären baden-württembergischen Unternehmergestalten, die früher nichts hatten und heute viel. Zwei Kühe und sechs Schweine standen bei seinen Eltern im Stall. Mit eingebrannter Brotsuppe ist er aufgewachsen, heute serviert sein Sternekoch Etouffé-Täubchen mit gebratenen Schwarzwurzeln.

          Draußen vor der Tür stehen Autos aus der Schweiz, Frankreich und Belgien. Schmiederers Hotel gehört zu den besten in Deutschland, Tony Marshall erholt sich hier ebenso wie Mutter Beimer. Und wenn der Patron einen runden Geburtstag zu feiern hat wie in diesem Sommer, dann schaut auch sein Freund Günther Oettinger vorbei, der EU-Kommissar und frühere Ministerpräsident. Schmiederer hatte früher immer die besten Kontakte zur Landes-CDU, oft genügte ein Anruf.

          Dramatische Folgen für das Hotel

          Seit dem Sommer hat Schmiederer aber ein Problem, über das in dem kleinen Ort mit 2700 Einwohnern mittlerweile so lautstark gestritten wird, dass auch hundert Plätscherbrunnen nicht ausreichen würden, um es zu übertönen. Am 11. Juli stimmten alle Gemeinderäte für folgenden Beschluss: „Der Gemeinderat ist für Windkraftanlagen in der Gemeinde Peterstal-Griesbach aufgeschlossen und beauftragt die Verwaltung, in weitere detaillierte Planungen und Verhandlungen mit der Firma Schmalz einzutreten sowie die erforderlichen raum- bzw. flächennutzungsplanerischen Voraussetzungen auf dem gemeindeeigenen Flurstück 180/4, Gemarkung Bad Griesbach, zu schaffen.“ Was harmlos bürokratisch klingt, versteht Meinrad Schmiederer als Angriff auf sein Lebenswerk. Hinter dem Beschluss steht die Absicht, auf der Alexanderschanze sieben Windräder zu bauen, 900 bis 1400 Meter entfernt von Schmiederers Hotel, das in einem Kurgebiet liegt.

          Ein Windrad steht schon auf der 968 Meter hohen Alexanderschanze, wenn noch sieben dazukämen, sei seine Existenz bedroht, glaubt der Hotelier. „Ich habe einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, um mein Hotel mit den schönsten Thermen und der besten Spa-Abteilung überhaupt auszustatten, und heute interessiert sich niemand dafür“, sagt Schmiederer. Sogar einen kleinen Operationssaal für Schönheitsoperationen hat der Patron bauen lassen. Im Sommer hat er das Spa eröffnet. Er scheint knapp kalkuliert zu haben, eine schlechtere Auslastung des Hotels könnte dramatische Folgen haben.

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