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Markus Söder : Wie Seehofer seinen Rivalen bei Laune hält

Der Mindestabstand zwischen den beiden politischen Kontrahenten bleibt gewahrt: Horst Seehofer (Mitte) und Markus Söder (rechts) in Nürnberg Bild: dpa

Damit der bayerische Finanzminister Markus Söder seinem Ministerpräsidenten in München nicht in die Quere kommt, darf er seine fränkische Heimat zur zweiten bayerischen Hauptstadt ausbauen. Billig wird diese Strategie Seehofers nicht.

          Die Teilung eines Reiches als Mittel der Herrschaftssicherung ist geschichtlich vielfach erprobt. In Bayern verfolgt der Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, der den heißen Atem seines Finanzministers Markus Söder im Nacken spürt, eine sanfte Variante. Seehofer ist Altbayer, Söder Franke – das eröffnet Spielräume. Die napoleonische Ordnung, unter der große Teile Frankens zu Bayern gekommen sind, mag Seehofer nicht umstürzen – auch wenn er sich mit dem französischen Imperator durchaus auf taktischer Augenhöhe wähnen dürfte. Franken bleibt bei Bayern, aber Söder darf seine Heimatstadt Nürnberg zur zweiten Kapitale des Freistaats ausbauen. Einen Wahlspruch hat Söder schon: „München strahlt und Nürnberg leuchtet.“ Ein Schelm, wer bei Thomas Mann nachschlägt und „München leuchtete“ findet.

          Albert Schäffer

          Politischer Korrespondent in München.

          Angefangen hat Söder bei seinen Illuminierungsarbeiten mit der Errichtung eines zweiten Dienstsitzes des Finanz- und Heimatministeriums in Nürnberg. Seither ist der Organisationsplan seines Ministeriums ein kunstvoll verschlungenes Werk, mit Referaten, die in München sitzen, aber in Nürnberg „gespiegelt“ werden, wie der Fachterminus lautet. Söder ist ein veritabler Versailler Spiegelsaal der Bürokratie gelungen.

          Es folgte im vergangenen Jahr der Beschluss der Staatsregierung, dass das Gesundheitsministerium von München nach Nürnberg umzuziehen habe. Ministerin Melanie Huml grummelte zwar, die Verlagerung sei nicht ihr „Wunsch“, lenkte aber sogleich ein, sie brauche nur ein Telefon und einen Computer, an welchem Standort auch immer. Wenn Seehofer und Söder an einem Strang ziehen, wären auch politische Schwergewichte ins Rutschen gekommen. Söder gehört in der CSU zur Riege der einflussreichen Bezirksvorsitzenden.

          Neue Museen braucht die Stadt

          Mit eineinhalb Ministerien – einem halben Finanz- und einem ganzen Gesundheitsministerium – lässt sich aber kein Staat machen, auch keine zweite Hauptstadt. Es bedarf zumindest einer eigenen Universität, das wusste schon jeder Duodezfürst im Heiligen Römischen Reich. Nun gibt es zwar schon die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, kurz FAU genannt. Aber ein Ausbau einer bestehenden Universität verheißt kaum politische Meriten – es muss schon eine Neugründung sein.

          Im vergangenen Monat wurde eine Kommission eingesetzt, um die Errichtung einer neuen Universität in Nürnberg voranzutreiben. „Neue Maßstäbe für den Ausbau der Hochschullandschaft“ sollten mit dem Vorhaben, in das bis zu eine Milliarde Euro fließen soll, gesetzt werden, verspricht die Staatsregierung. Sie will nichts davon hören, dass zwei Universitätsverwaltungen in zwei benachbarten Städten zwar das Stellenangebot im öffentlichen Dienst mehren, aber nicht unbedingt die wissenschaftliche Exzellenz fördern.

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          Nürnberg hat eine reiche Museumslandschaft. Das Germanische Nationalmuseum ist das größte kulturgeschichtliche Museum im deutschen Sprachraum; es wird vom Bundesbildungsministerium, dem bayerischen Kultusministerium und der Stadt Nürnberg gefördert. Investieren ließe sich auch hier, politischen Glanz beschert aber auch hier nur eine Neugründung. Die Planung einer Nürnberger Zweigstelle des Deutschen Museums, dessen Hauptsitz in München ist, kommt da gerade recht, auch wenn im Münchner Maximilianeum, dem Sitz des Landtags, die Taschenrechner gezückt werden mit dem Ergebnis, dass allein die Miete für ein Gebäude in der fränkischen Stadt den Freistaat in den nächsten 25 Jahren hundert Millionen Euro kosten werde.

          Kritik nicht erwünscht

          Doch von solchen Kleinkrämereien lassen sich Seehofer und Söder nicht irritieren; der Ministerpräsident spöttelt über eine „künstliche Hochrechnung“, die nur den Zweck habe, „eine bestimmte Diskussion“ zu führen. Und Diskussionen mag Seehofer, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, gar nicht: Bei der Gründung einer neuen Universität in Nürnberg ärgere er sich nur, „dass mir das nicht früher eingefallen ist“. Keine Frage, dann wäre Söder schon früher in Nürnberg gut beschäftigt gewesen und hätte die Münchner Kreise Seehofers nicht gestört.

          Nicht alle in der CSU sind über die kostspielige Einhegung Söders begeistert, zumal Franken nicht nur aus Nürnberg besteht. Öffentliche Bekundungen des Missfallens kann aber nur wagen, wer in der CSU nichts mehr werden will oder kann – unabhängig von dem Zeitpunkt, in dem Söder es in Nürnberg doch zu eng werden könnte. Weit vor wagt sich Thomas Goppel, der frühere CSU-Generalsekretär und Wissenschaftsminister: „Wir brauchen keine zweite Hauptstadt in Bayern.“

          Goppel stammt aus Unterfranken, seinen Stimmkreis hat er in Oberbayern – mit dieser doppelten Stammeszugehörigkeit lässt es sich gegen Königsthrone aufbegehren. Doch das nächste Projekt für Nürnberg wird nicht lange auf sich warten lassen. Der Flughafen Nürnberg, in dessen Aufsichtsrat Söder den Vorsitz führt, nimmt sich für eine zweite bayerische Hauptstadt arg klein aus.

          Quelle: F.A.Z.

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