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Veröffentlicht: 20.02.2016, 13:29 Uhr

Bordelle und Südfrüchte Ein NPD-Politiker und wie er die Welt sieht

Ein Journalist der „Lügenpresse“ und ein Kandidat der NPD gehen einen Kaffee trinken. „Sie sollen einfach mal das schreiben, was wir sagen“, fordert der NPD-Mann. Und der Journalist schreibt auf.

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© dpa

Der Wind bläst so bitterkalt über den Marktplatz von Hettstedt, dass der „Lügenpresse“ der Kugelschreiber versagt. Da der NPD-Kugelschreiber allerdings ebenfalls nicht funktioniert, bleibt keine andere Möglichkeit, als mit ihrem Spitzenkandidaten Peter Walde einen Kaffee trinken zu gehen.

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Die Möglichkeiten, in der strukturschwachen Bergbaustadt einen Kaffee zu trinken, sind eng begrenzt. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite gäbe es immerhin das „Orient Kebab Haus“. Walde macht auf der Stelle kehrt. „Nein, hier nicht.“ Das sei eine „Charakterfrage“.

Worüber sich die NPD ärgert

Das Gespräch kann schließlich in einem Café stattfinden, welches beim Spitzenkandidaten Gefallen findet. Allerdings sollte sich die „Lügenpresse“ solche ausschmückenden Bögen in ihren Erzählungen nach Waldes Meinung generell sparen. „Sie sollen einfach mal das schreiben, was wir sagen.“ Was also hat die NPD, die 2011 mit 4,6 Prozent den Einzug in den Magdeburger Landtag nur knapp verpasste, zu sagen?

 
Ein NPD-Politiker und wie er die Welt sieht
 
Auf einen Kaffee mit der NPD

Vor allem ärgert sich die NPD über die neueste Umfrage, welche die Partei nicht mehr bei drei Prozent sieht, sondern aufgrund der nochmals geringfügigeren Zustimmung nur noch unter den „Sonstigen“ verbucht. Ein abgekartetes Spiel, ist sich Walde sicher. „Das System“ wolle mit der Umfrage den Eindruck erwecken, dass man die NPD „sowieso nicht wählen braucht“. Laut Walde nicht das einzige Mittel, welches „das System“ gegen die NPD einsetzt. „Ich bin felsenfest überzeugt: Es findet Wahlbetrug statt. Da wird betrogen ohne Ende.“ Damit nicht genug.

Die AfD? Bloß ein Trick des „Systems“

Vor der Wahl wird die NPD durch „das System“ auch noch herabgesetzt. „Tägliche, ständige Hetze“, beklagt Walde. „Es geht auch um Stigmatisierung, Verunglimpfung und Kriminalisierung.“ Nun allerdings, in den Wirren der Flüchtlingskrise, greife „das System“, wie Walde erläutert, in seinem Kampf gegen die NPD zum letzten Mittel: der „Alternative für Deutschland“. Walde ist sich sicher: „Die AfD ist eine vom System organisierte Partei.“

Bei AfD-Politikern wie Björn Höcke handele es sich um nichts weiter als „Sprücheklopfer, die das rechte Wählerpotential abgreifen sollen“. Vor der Wahl am 13. März werde „die AfD hier in Sachsen-Anhalt als Regierungspartei eingeschleust“. Das erkläre auch, warum in den Talkshows der „Lügenpresse“ derzeit ständig AfD-Politiker herumsäßen, aber nie jemand von der NPD.

Nach der Landtagswahl, da ist sich Walde sicher, werde auch für die AfD der alte Grundsatz gelten: „Rechts blinken und links abbiegen“. Die Aversion Waldes gegen das politische Spektrum links der NPD bedeutet freilich mitnichten, dass er die DDR schlecht gefunden hätte. „Ich bin froh, dass ich vierzig Jahre DDR live erlebt habe“, erklärt Walde. „In der DDR gab es zum Beispiel kaum Ausländer. Wir waren eine homogene, geschlossene, deutsche Gesellschaft.“ Auch waren die DDR-Produkte „gar nicht so schlecht“. „Und der Tauschhandel hat auch funktioniert“, erinnert sich der einstige Gewerkschaftssekretär. „Da verzichte ich lieber auf die scheiß gespritzten Südfrüchte.“

Nachrichten? Dafür gibt es nur einen vertrauenswürdigen Ort

Wegen Treuhand, Nato und EU ist das aus Waldes Perspektive leider alles Vergangenheit. Seine politische Agenda ist darum glasklar: „Raus aus der Nato, ganz schnell. Und raus aus der EU.“ Und raus mit den Flüchtlingen. Dafür müsse allerdings erst die „Lügenpresse“ „abgeschaltet“ werden, die über den ganzen Schlamassel mit den Asylbewerbern nicht berichte. Als da wären: „Drogenverkauf, Einbrüche, Randalieren, Körperverletzung, Vergewaltigung, bis hin zu Totschlag und Mord“.

Verschwiegen wird zudem, dass in Hannover Asylbewerber „Freikarten für den Besuch von Bordellen“ bekommen. „Und zahlen tut der Steuerzahler!“, empört sich Walde. Die Geschichte mit den Freikarten für den Puff hat NPD-Spitzenkandidat Walde quasi ausrecherchiert. „Ich kann das insofern belegen, als dass ich es fast täglich im Internet lese.“ Bei Facebook, das nach Walde den einzig verbliebenen Ort bildet, „wo man sich noch neutral informieren kann“.

Quelle: F.A.Z.

 

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