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Razzien gegen G-20-Gegner : Akribisch vorbereitet, schnell untergetaucht

Eskaliert: Der schwarze Block während des G-20-Gipfels im Schanzenviertel Bild: Imago

Der Hamburger Rondenbarg steht im Mittelpunkt der Aufarbeitungen der Ausschreitungen beim G-20-Gipfel. Es gab erst einen Prozess gegen einen Aktivisten, der dort festgenommen wurde. Jetzt versucht die Polizei an den Kern der autonomen Szene heranzukommen.

          Den Rondenbarg muss man eigentlich nicht kennen. Ein trister Streifen Hamburgs, eine Straße in einem Gewerbegebiet gleich hinter den Bahnschienen. Es war früh am Freitagmorgen, als der schwarze Block hier aufmarschierte. Der erste Tag des G-20-Gipfels, schon in der Nacht zuvor war es zu Ausschreitungen im Schanzenviertel gekommen. Wenige Stunden später zogen dann vier Gruppen aus dem Zeltcamp der Gipfelgegner im Altonaer Volkspark los – in vier unterschiedlichen Farben gehalten, mit unterschiedlichen Zielen, traten sie auch recht unterschiedlich auf: Eine Gruppe soll sogar bei Rot an der Ampel gewartet haben. Der schwarze Block hingegen trat bedrohlich auf. Er traf im Rondenbarg auf Einheiten der Polizei. Ein Video des Einsatzes zeigt, wie die gut 150 Aktivisten ganz in Schwarz hinter einem Banner marschierten. Rauch stieg auf, ein Böller knallte, Steine flogen. Dann stürmte die Polizei los. Und die Aktivisten flüchteten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          So ist der Rondenbarg in der Hansestadt plötzlich berühmt geworden, seit Monaten steht der Einsatz an der Straße im Mittelpunkt bei den Aufarbeitungen der Ausschreitungen des G-20-Gipfels. Es war der Einsatz mit den meisten Verhaftungen in den Gipfeltagen, 59 Aktivisten wurden festgenommen. Für die Polizei zeigte der Vorfall, wie gut vorbereitet und gewaltbereit die Gipfelgegner waren. Sie fand Stahlseile, Brandbeschleunigerspray, Steine und Pyrotechnik bei den Aktivisten. Andere hingegen stellten vielmehr die Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes in Frage, manche wollten nicht einmal die fliegenden Steine auf dem Einsatzvideo erkannt haben.

          Razzien bei insgesamt 22 Beschuldigten

          Und der bisher einzige Prozess gegen einen Aktivisten, der am Rondenbarg festgenommen worden war, erregt seit Wochen viel Aufmerksamkeit in der Hansestadt: Dem italienischen Angeklagten wird nicht vorgeworfen, selbst Steine geworfen zu haben, sondern Teil des schwarzen Blocks gewesen zu sein, aus dem heraus die Polizei angegriffen wurde. Auch die Begründung des Haftbefehls war diskutiert worden. Vergangene Woche ist der Italiener gegen Kaution nach mehr als vier Monaten Untersuchungshaft freigekommen. Am Dienstag nun hat die Polizei ein weiteres Kapitel in der Rondenbarg-Geschichte aufgeschlagen: In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hamburg und vier weiteren Bundesländern hat sie die Wohnungen von insgesamt 22 Beschuldigten durchsucht. Auch sie sollen an diesem Freitag im Juli Teil des schwarzen Blocks gewesen sein.

          Am Dienstagmittag zeigt sich der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zufrieden. Er sitzt im Hamburger Polizeipräsidium und berichtet zunächst einmal über die Erfolge der vergangenen Wochen. Nach den Ausschreitungen hatte die Polizei die Sonderkommission „Schwarzer Block“ eingerichtet, 165 Beamte gehen hier seit Monaten den immer noch eingehenden Hinweisen nach. Etwa 3000 Einzelverfahren gibt es derzeit, gegen mehrere hundert namentlich bekannte Straftäter werde ermittelt. Bislang hat es 24 Urteile mit Freiheitsstrafen gegen Gewalttäter der Gipfel-Tage gegeben, sieben Fälle davon ohne Bewährung. Acht Verdächtige sitzen noch in Untersuchungshaft. Die Razzien am Dienstagmorgen dienten dazu, Hintergründe und Strukturen der Krawalle offenzulegen und an den Kern der autonomen Szene heranzukommen, sagt Meyer.

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