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Agent Mauss vor Gericht : Kein Quantum Steuermoral

Gerissener Selbstvermarkter oder Treuhänder des Guten? Werner Mauss vor Verhandlungsbeginn Bild: Getty

Werner Mauss steht mit vielen atemberaubenden Fällen in Verbindung. Nun steht „Deutschlands größter Geheimagent“ in Bochum vor Gericht. Wegen eines eher profanen Delikts.

          Das also ist der sagenumwobene Großagent Werner Mauss. Im Saal C 240 des Landgerichts Bochum sitzt ein älterer Herr, der so ausdrucklos wie nur möglich über seine Lesebrille hinwegschaut. Die Kapuze seines Daunenmantels hat er über den Kopf gezogen, um den Fernsehteams und Fotografen nicht mehr als nötig von seinem Antlitz Preis zu geben.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Mauss sieht in dem schwarzen panzerhaften Mantel aus, wie der Agent, der aus der Kälte kam. Trotz der freundlichen Frühherbst-Wärme behält Mauss den Mantel den ganzen ersten Hauptverhandlungstag seines Steuerstrafverfahrens über an. Nur die Kapuze streift Mauss herunter, als die Richter der 2. Strafkammer des Bochumer Landgerichts in den Saal kommen.

          Wie ein deutscher James Bond

          Werner Mauss wird von manchen Medien ehrfürchtig als „Deutschlands größer Geheimagent“ bezeichnet, weil er in den vergangenen Jahrzehnten auch für das Bundeskriminalamt, den Bundesnachrichtendienst und den Verfassungsschutz arbeitete. In den neunziger Jahren stand er im Kontakt mit dem Bundeskanzleramt.

          Der Name Werner Mauss wird mit vielen atemberaubenden Fällen in Verbindung gebracht. Mauss soll verschwundene Fässer des Seveso-Gifts aufgespürt haben, an der Festnahme eines RAF-Terroristen und der Freilassung von deutschen Geiseln im Libanon beteiligt gewesen sein oder der Wiederbeschaffung des entführten Leichnams des Unternehmers Friedrich Karl Flick.

          Auch in Südamerika war Mauss aktiv. Schon vor Jahren schrieb Mauss an den ehemaligen BND-Präsidenten: „Insgesamt konnten durch meine Einsätze nachweisbar mehr als 1600 Personen einer Festnahme zugeführt werden.“

          Ein gerissener Selbstvermarkter

          Wie genau Mauss das alles bewerkstelligt hat, bleibt weitgehend im Dunkeln. Daran ändert auch die Homepage nichts, die der 76 Jahre alte Herr unter dem selbstbewussten Titel „Werner Mauss. 50 Jahre Kriminalitätsbekämpfung – Pionier gegen das Verbrechen“ betreibt. Denn die Seite dient ihm vornehmlich als Kampfmittel gegen eine „Handvoll Journalisten“, die „seit Jahrzehnten aus unterschiedlichen, meistens kriminellen Motiven“ Desinformationen über ihn verbreiteten, wie Mauss dort schreibt.

          Im übrigen bitte er um Verständnis, dass er „über viele spannende Geschichten und operative Zusammenhänge im Interesse und zum Schutz von Sicherheitsstrukturen“ nicht berichten dürfe. Werner Mauss ist ein gerissener Selbstvermarkter ohne falsche Bescheidenheit. Kern seines Geschäftsmodells war immer eine ausgeprägte Geheimniskrämerei.

          Den Staat um mehrere Millionen geprellt

          So gesehen ist es die bisher ironischste Wendung im Mauss‘ langem Leben als menschliche Verschlusssache, dass ihm aufgrund eines Geheimnisverrats der Prozess gemacht wird: Als vor vier Jahren nordrhein-westfälische Steuerfahnder von einem Informanten eine Steuer-CD kauften, stießen sie dabei auch auf Stiftungen mit Millionenvermögen, die Mauss unter drei seiner Agenten-Alias-Namen in Luxemburg, Liechtenstein und teilweise seit den achtziger Jahren auf den Bahamas geführt und dabei „erheblichen Verschleierungsaufwand“ getätigt haben soll, wie es in der Anklageschrift heißt.

          Und weil Mauss viele Jahre lang die ebenso sagenhafte Kapitalerträge „aus grobem Eigennutz“ nicht versteuert haben soll, muss er sich nun vor dem Bochumer Landgerichts verantworten. Staatsanwalt Timo Dörffer braucht beim Verlesen der Anklageschrift am Montag mehrere Minuten, um allein die Summen an Steuern und Solidaritätszuschlag aufzulisten, die Mauss zwischen 2002 und 2011 nach Erkenntnissen der Ermittler hinterzog.

          Insgesamt soll der Agent den Staat um mehr als 15 Millionen Euro geprellt haben. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass sich Mauss zur Täuschung der Steuerbehörden mit Hilfe seiner diversen Tarnidentitäten ein großes Lügengebäude aufgebaut hat. Sollte sich das Gericht bis zum Mitte Dezember geplanten Prozessende dieser Sichtweise anschließen, müsste Mauss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

          Wegen Steuerhinterziehung : Ehemaliger Geheimagent Mauss vor Gericht

          Es wäre das bittere Ende einer schillernden Karriere. Der 1940 in Essen geborene Mauss stammt aus einfachen Verhältnisse, arbeitete als Hilfsjournalist und Staubsaubervertreter. Nach einer Lehre als Landwirt ließ er sich auf zum Kriminalsachverständigen und Detektiv umschulen und gründete seine eigene Detektei.

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