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Buch-Empfehlung für NDR und SZ : Redakteur des "Spiegel" gab rechtsextreme Leseempfehlung

Das umstrittene Buch Finis Germania Bild: FAZ.NET

Ein Buch mit rechtsextremen Inhalten steht auf der Empfehlungsliste von NDR und Süddeutscher Zeitung. Nun gibt ein Redakteur zu, dass er den Tipp verantwortet.

          Der Kulturredakteur des Magazins „Der Spiegel“ Johannes Saltzwedel hat das umstrittene Buch „Finis Germania“ auf die Sachbuch-Empfehlungsliste von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gesetzt. Das erfuhr die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag. Es enthält zahlreiche Inhalte, die als antisemitisch und rechtsextrem zu verstehen sind.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Nach Bekanntwerden der anonymen Juryentscheidung hatte der Norddeutsche Rundfunk  am Montagmorgen mitgeteilt, der NDR setze seine Zusammenarbeit mit der Jury für das „Sachbuch des Monats“ vorerst aus. Die Liste hatte im Juni auf Platz neun das Buch „Finis Germania“ des verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle angeführt. Der Titel sei „für NDR Kultur nicht tragbar“, teilte der Sender mit. Nach Einschätzung von NDR Kultur äußere Sieferle in seinem Buch rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich NDR Kultur entschieden distanziere. Schon am Sonntag war Jens Bisky, eines der Jurymitglieder, aus Protest zurückgetreten. Das tat, wie vom NDR gefordert, nun auch Johannes Saltzwedel.

          Rechtsextreme Inhalte

          Der 1962 geborene langjährige „Spiegel“-Redakteur Saltzwedel vergab die gesamten 20 Punkte, die jedes Jurymitglied zur Verfügung hat, auf Sieferles posthum veröffentlichten Essayband. Das erlaubten offenbar die Statuten. Jedoch galt es als üblich und gewünscht, dass die Punkte auf drei oder vier Bücher verteilt würden.

          Rolf Peter Sieferle
          Rolf Peter Sieferle : Bild: Wikipedia/ Regina Sieferle/privat

          Das Abstimmungsverfahren soll nun dahingehend geändert werden, dass ein einzelner Juror nicht mehr auf diese Weise bewirken könne, dass ein Buch allein durch ein Einzelvotum auf die Liste gesetzt werde.

          Der Jury gehören renommierte Wissenschaftler sowie Autoren und Redakteure großer Medienunternehmen in Deutschland an, darunter auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Juryvorsitzende ist der frühere leitende NDR Kultur-Redakteur Andreas Wang, der seit 2010 im Ruhestand ist.

          Der Vorgang, über den zuvor die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet hatte, war überaus irritierend: Im Vorwort des Buches wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Sinne der Verschwörungstheorie einer „Umvolkung“ eine „Überwältigung der ethnisch-deutschen Bevölkerung“ vorgeworfen. Auschwitz sei ein „Mythos“, welcher „der Diskussion entzogen werden soll“, schreibt Sieferle. Der Jury-Vorsitzende Andreas Wang hatte der „tageszeitung“ gesagt, „dass das Buch die Liste nicht gerade ziert“. Womöglich enthält das Buch strafbare Inhalte. Die begriffliche Verbindung von Auschwitz und „Mythos“ weist eine Nähe zum strafbaren Ausdruck der „Auschwitz-Lüge“ auf.

          Auschwitz-„Mythos“ und Opfertod

          Der „Gegner des Programms der Multikulturalität“ sei das „indigene Volk“, steht in dem verschwörungstheoretischen, rechtsextremen Buch. „Der Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden“, steht in diesem Buch. Antifaschismus sei Antigermanismus. Und: „Die Juden, denen ihr Gott selbst die Ewigkeit zugesichert hat, bauen heute ihren ermordeten Volksgenossen in aller Welt Gedenkstätten, in denen nicht nur den Opfern die Kraft der moralischen Überlegenheit, sondern auch den Tätern und ihren Symbolen die Kraft ewiger Verworfenheit zugeschrieben wird“, schreibt Rolf Peter Sieferle.

          Die indigenen Deutschen müssen sich demnach dringend wehren. Sieferle schrieb, bevor er sich im Herbst 2016 das Leben nahm: „Ultima ratio der Politik ist der Krieg: die Bereitschaft zur Selbsthingabe des Individuums für eine höhere Sache, für eine Gemeinschaft, zum Opfertod.“

          Mehr als „Political Correctness“

          Es geht bei der Jury-Entscheidung und der Suche nach dem Verantwortlichen dafür nicht um Albernheiten der Political Correctness, die eine oder andere unglückliche Formulierung. Es geht um die rechtsextreme Substanz. Sieferle trommelt unüberhörbar für die Endschlacht. Das späte Denken dieses alten, kranken Mannes, der als Student im linksradikalen SDS wirkte, war durch und durch antifreiheitlich und ressentimenterfüllt. Es wurzelt in Ideen der völkischen Rechten, die dem Nationalsozialismus vorangingen.

          Im Jargon der Feinde der Weimarer Republik nennt Sieferle bürgerliche Parteien und Medien „Systeme ohne Werte, Ziele und Programme“. Migranten werden zu „Barbaren“. In Gänsefüßchen: „Auschwitz“. Die jüdischen Opfer: die „ominösen sechs Millionen“. Die Verschwörungstheorie einer Umvolkung als Empfehlung der Kulturredaktion – gut, dass sie reagiert hat.

          Quelle: F.A.S.

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