http://www.faz.net/-gpf-92vu0

F.A.Z. exklusiv : Zahl der Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen sinkt

Abgelehnte Asylbewerber steigen am Baden-Airport in Rheinmünster in ein Flugzeug (Archivbild). Bild: dpa

Angela Merkel hatte eine „nationale Kraftanstrengung“ bei Abschiebungen angekündigt. Dazu bekommen freiwillig Ausreisende deutlich mehr Geld. Neue Zahlen stellen diese Bemühungen allerdings in Frage.

          Ungeachtet der Bemühungen der Bundesregierung verlassen deutlich weniger abgelehnte Asylbewerber die Bundesrepublik als im Vorjahr. Das betrifft sowohl die freiwilligen Ausreise wie auch die Abschiebung. Bis Ende September reisten nach Angaben des Bundesinnenministeriums 24.569 Personen mit dem von Bund und Ländern geförderten Programm REAG/GARP freiwillig aus. Im Vorjahreszeitraum waren es 43.745 gewesen. Bis Ende September schoben die Bundesländer 18.153 Personen ab; im Vorjahreszeitraum waren es 19.914 Personen gewesen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte dieser Redaktion, es sei als „Erfolg zu verbuchen“, dass sich die Gesamtzahl der Abschiebungen „nur unwesentlich verringert“ habe, obwohl deutlich weniger Abschiebungen in die Staaten des Westbalkans gingen. 2016 gab es bis September dorthin 14.520 Abschiebungen, in diesem Jahr bisher 8669.

          Aufgrund der hohen Einreisezahlen aus der Region 2015 wurden 2016 viele Personen abgeschoben. Seitdem sind die Zugangszahlen vom Westbalkan deutlich zurückgegangen. Doch werfen die weiterhin geringen Ausreisezahlen von Personen aus anderen Staaten die Frage auf, ob die Bemühungen von Bund und Ländern, die Zahl der Ausreisenden zu erhöhen, fruchten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschied bis September dieses Jahr über 514.000 Asylanträge, rund 44 Prozent erhielten einen Schutzstatus.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Januar eine „nationale Kraftanstrengung“ bei Abschiebungen angekündigt. Im März nahm das Zentrum zur Unterstützung der Rückkehr in Berlin seine Arbeit auf. Dort koordinieren Beamte aus Bund und Ländern Sammelabschiebungen und arbeiten bei Problemfällen zusammen. Auch verstärkte die Bundesregierung den Druck auf die Herkunftsstaaten, Staatsbürger zurückzunehmen. Ausländerbehörden erhielten mehr Personal. Ein „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“ wurde verabschiedet. Zudem verstärkte die Bundesregierung die finanzielle Förderung freiwilliger Ausreisen mit 40 Millionen Euro. Seit Januar dieses Jahres erhalten freiwillig Ausreisende deutlich mehr Geld.

          „Beim Vollzug aufenthaltsbeendender Maßnahmen für Personen ohne Bleiberecht bestehen unzweifelhaft nach wie vor Defizite. Die Zahlen der Rückkehrer, ob freiwillig oder zwangsweise, bleiben seit Jahren hinter den Zahlen der ausreisepflichtigen Personen zurück“, sagte die Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Wichtigste Hindernisse seien die mangelnde Kooperation der Ausreisepflichten, die hohe Anzahl und Dauer der Gerichtsverfahren gegen negative Bescheide sowie die mangelnde Kooperation der Herkunftsstaaten.

          Weitere Themen

          Der Zeitdruck wächst Video-Seite öffnen

          Brexit-Gespräche : Der Zeitdruck wächst

          Die 27 EU-Regierungen und Großbritannien gingen am Mittwoch in Brüssel ohne Einigung auseinander. EU-Chefunterhändler Barnier sagte: "Wir brauchen viel mehr Zeit."

          EU-Gipfel soll Brexit-Blockade lösen Video-Seite öffnen

          Verlängerte Übergangsphase? : EU-Gipfel soll Brexit-Blockade lösen

          Fünf Monate vor dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU suchen die Staats- und Regierungschefs nach einem Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. Die Einigung auf eine verlängerte Übergangsphase nach dem Brexit könnte den Knoten beim EU-Gipfel zum Platzen bringen.

          Topmeldungen

          Fall Khashoggi : Die Republikaner werden unruhig

          Donald Trump wartet im Fall Khashoggi weiter ab, doch einige Republikaner fordern bereits eine harte Reaktion gegenüber Saudi-Arabien. Auch weil sich Hinweise auf eine Beteiligung der Königsfamilie verdichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.