25.05.2005 · Für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer kommenden Jahres wird es für die Polizei voraussichtlich eine Urlaubssperre geben. Allein beim Bundesgrenzschutz könnten 35.000 Beamte betroffen sein.
Für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer kommenden Jahres wird es für die Polizei voraussichtlich eine Urlaubssperre geben. Das kündigte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech am Mittwoch auf einer Bund-Länder-Konferenz in Stuttgart an. Zusammen mit Bundesinnenminister Otto Schily legten die Länder das nationale Sicherheitskonzept für das sportliche Großereignis vor.
Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket wollen die Sicherheitsbehörden Krawalle von Störern und Ausschreitungen verhindern. Schily sagte, allein beim Bundesgrenzschutz könnten von der Urlaubssperre 35.000 Beamte betroffen sein. Er gab ferner bekannt, daß sich Bund und Länder auch auf die Verteilung der Kosten geeinigt hätten. Jedes Bundesland trage die Kosten, die es zu verantworten habe.
Die „sportliche Atmosphäre“ soll nicht leiden
Schätzungen über die Gesamtkosten konnte der SPD-Politiker nicht nennen. „Den Gewinn, den wir ökonomisch und finanziell erzielen, ist bei weitem höher, als was wir an Aufwand zu betreiben haben.“ Schily sagte, die Sicherheitsbehörden sollten so eingesetzt werden, daß die „sportliche Atmosphäre nicht leidet.“
Rech, der Vorsitzender der Länderinnenminister-Konferenz ist, erwartet rund 3,2 Millionen Besucher während der Weltmeisterschaft in Deutschland.
Videoüberwachung wird ausgeweitet
Schily schloß eine kurzfristige Aussetzung des Schengener Protokolls verbunden mit der Einführung von Grenzkontrollen vor dem Großereignis nicht aus. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Das werde dann kurzfristig geschehen.
Schily kündigte ferner an, daß die Videoüberwachung ausgeweitet werden soll. Er nannte als Beispiel Orte, an denen die Spiele auf Großleinwänden übertragen werden. Die Videoüberwachung sei ein gängiges Mittel. Nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums sind aber keine biometrischen Personenkontrollen vorgesehen. Das sei kein Bestandteil des nationalen Sicherheitskonzepts.
Rech kündigte ein hartes Vorgehen gegen Hooligans an. In der Datei „Gewalttäter Sport“ seien rund 6.200 Personen gespeichert. Der Deutsche Fußballbund habe gegen rund 2.370 Personen ein Stadionverbot ausgesprochen. Das deutsche Problemfan-Potential belaufe sich auf etwa 10.000 Personen. Brennpunkte seien jedoch weniger die Stadien, als vielmehr die Innenstädte, Bahnhöfe und verabredete Ausweichorte. Schily nannte als Sanktionen gegen gewaltbereite Fußballfans die Einziehung von Pässen, ein Aufenthaltsverbot oder auch die zeitweise Inhaftierung von Randalierern.