Die Gedenkstätte Buchenwald zwischen Zeche Zollverein und dem Kvarken-Archipel? Was zeugt an dieser Stätte des Grauens von „kreativem Genie“, von herausragender kultureller Tradition, von außergewöhnlicher Naturschönheit oder brillanter Ingenieurskunst? Mindestens eines dieser Kriterien muss ein Denkmal oder eine Naturschönheit erfüllen, um auf die Weltkulturerbe-Liste der Unesco gesetzt werden zu können - es sind noch mehr Kriterien, aber auch da reibt man sich die Augen. Oder soll von Thüringen, soll von Deutschland, soll von der Stadt, in der Johann Gottfried Herder wirkte, eine Umwertung des Weltkulturerbes ausgehen?
Die Frage wurde schon vor Jahren beantwortet, als dem Antrag stattgegeben wurde, das Konzentrationslager Auschwitz zum Weltkulturerbe zu zählen. Zur Begründung hieß es, bei dem deutschen Vernichtungslager handele es sich um ein Erbe von besonderer menschheitsgeschichtlicher Bedeutung. Seither geht es in der Unesco-Liste nicht mehr nur um Kunst, Architektur und Naturdenkmäler, sondern auch um die Kultur der Kultur, um Erinnerungskultur, damit aber auch um Geschichtspolitik. Auch dem Grauen und dem Umgang mit der Erinnerung an massenhaften Mord kann also ein Denkmal gesetzt werden, das der Menschheit zur bleibenden Mahnung hinterlassen wird.
Dennoch werden weder Thüringen noch die Unesco, sollte die UN-Organisation dem Antrag aus Deutschland stattgeben, der Gefahr entgehen, dass im Weltkulturerbe ein Museumsstück dem anderen gleicht. Zu allem Überfluss zielt die Absicht der Landesregierung auch noch ausdrücklich darauf. Denn in Weimar gilt: Wenn schon die Weimarer Klassik Weltkulturerbe sein darf, dann soll des geschichtspolitischen Gleichgewichts wegen auch die Gedenkstätte auf dem Ettersberg dazu gehören. Mit der Erinnerung an den Holocaust sollte man es sich allerdings nicht so leicht machen wie mit der Erinnerung an Goethe und Schiller oder an die Zeche Zollverein. Es sollte vor allem nicht so getan werden, als gehöre das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu den Höhepunkten eines Katalogs voller ästhetischer Attraktionen. Man könnte auch sagen: Weltkulturnippes. Denn was in der Unesco-Liste getrieben wird, ist bei allen hehren Ansprüchen und monumentalen Kriterien nichts anderes als der emotionsgeladene Anschub von Gedenktourismus. Das ist zu einfach. Es ist Kitsch.
Ganz auf Linie
Michael Vorwerk (aureliano)
- 02.09.2012, 21:03 Uhr
Merkwürdige Logik, Herr von Altenbockum
Gottfried Lobeck (golo7)
- 01.09.2012, 12:10 Uhr