Home
http://www.faz.net/-gpf-75be8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Weihnachtsansprache Gauck fordert engagierte Bürger

In seiner ersten Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Joachim Gauck die Deutschen an Heiligabend zu bürgerschaftlichem Engagement aufgerufen. „Wir wollen ein solidarisches Land“, sagte er. „Verfolgten wollen wir mit offenem Herzen Asyl gewähren.“

© reuters, Reuters Weihnachtsansprache: Bundespräsident fordert Solidarität

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen zu bürgerschaftlichem Engagement aufgerufen. In seiner ersten Weihnachtsansprache als Staatsoberhaupt sagte er, angesichts vielfältiger Verunsicherungen in der Gesellschaft „brauchen wir nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger“. Gauck beschrieb die im europäischen Vergleich gute Lage Deutschlands in der Schuldenkrise: „Deutschland hat die Krise bisher gut gemeistert“, sagte der Bundespräsident, verglichen mit anderen gehe es den meisten „wirtschaftlich gut, ja sogar sehr gut“.

Zudem sei Deutschland politisch stabil, radikale Parteien hätten nicht davon profitiert, dass ein Teil der Menschen verunsichert sei. „Sie sind verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, der Klimawandel erfordert ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft“, sagte Gauck. Sorge bereitet den Deutschen auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben.

Gauck: Beeindruckt von deutschen Soldaten in Afghanistan

Der Bundespräsident erinnerte daran, dass er erst jüngst die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht habe. Es habe ihn beeindruckt, wie deutsche Soldatinnen und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens Terror verhinderten und die Zivilbevölkerung schützten. Ihnen und auch den zivilen Helfern gelte sein Dank. Die Reise habe ihm auch vor Augen geführt, wie kostbar der Frieden sei, der seit über 60 Jahren in Europa herrscht. Gesichert habe ihn die europäische Idee. „Zu Recht hat die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten“, sagte Gauck, „jetzt aber ist die Frage: Wird unser politischer Wille zusammenhalten können, was ökonomisch und kulturell so unterschiedlich ist?“

22606249 © AFP Vergrößern Plädiert für eine solidarische Gemeinschaft: Bundespräsident Joachim Gauck

Der frühere evangelische Pastor Gauck sagte, Weihnachten sei für Christen das Versprechen Gottes, „dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe“. Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten sei es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten. „Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen“, sagte Gauck. Übersetzt in die Sprache der Politik heiße dies: Solidarität. „Wir wollen ein solidarisches Land“, sagte Gauck, „ein Land, das den Jungen Wege in ein gutes Leben eröffnet und den Alten Raum in unserer Mitte belässt. Ein Land, das jene, die seit Generationen hier leben, mit jenen verbindet, die sich erst vor kurzem hier beheimatet haben“.

Weiter sagte er, zwar werde Deutschland nie alle Menschen aufnehmen können, die kommen. „Aber: Verfolgten wollen wir mit offenem Herzen Asyl gewähren und wohlwollend Zuwanderern begegnen, die unser Land braucht.“

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Elisabeth II. in Berlin Weil der Bentley nicht schwimmt

Elisabeth II. und ihr Mann Prinz Philip sind zu Gast in der deutschen Hauptstadt. Die Berliner freuen sich – und die Queen winkt ihnen ganz zart. Mehr Von Mona Jaeger, Eckart Lohse, Berlin

24.06.2015, 22:06 Uhr | Gesellschaft
Neujahrsempfang in Berlin Bundespräsident Gauck: Wir sind Charlie

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zum Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris geäußert. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière äußerte sich zu den Vorfällen in Frankreich. Bei dem Überfall auf Charlie Hebdo waren zwölf Menschen getötet worden. Mehr

09.01.2015, 11:46 Uhr | Politik
Die Queen in Berlin Immer schön lächeln und winken

Jubelnde Queen-Fans, ein Bundespräsident als Stadtführer und viel politische Symbolik: Beim fünften Staatsbesuch der britischen Königin Elisabeth II. in Deutschland haben beide Länder ihre enge Verbundenheit demonstriert. Mehr

24.06.2015, 17:19 Uhr | Gesellschaft
Stuttgart Gauck auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag

Bundespräsident Joachim Gauck hat den 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag besucht und nahm dort an einer Podiumsdiskussion teil, bei der er der Frage nachging, was die Politik für unser Zusammenleben tun kann. Mehr

05.06.2015, 10:15 Uhr | Politik
Kritik an Gauck Seehofer: Vertriebene und heutige Flüchtlinge nicht vergleichbar

Die Mahnung des Bundespräsidenten, Flüchtlinge vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte großzügig aufzunehmen, kommt in Bayern nicht gut an. Der bayerische Ministerpräsident Seehofer weist die Diskussion zurück – und kündigt neue Maßnahmen an. Mehr

25.06.2015, 10:47 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.12.2012, 00:01 Uhr

Der schmale Grat der AfD

Von Justus Bender

Die Spaltung der AfD ist auch ein Ergebnis der taktischen Spielchen von Bernd Lucke und Frauke Petry. Beide wandeln auf einem schmalen Grat. Und beide haben sich verzockt. Mehr 6 8