Home
http://www.faz.net/-gpf-75be8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.12.2012, 00:01 Uhr

Weihnachtsansprache Gauck fordert engagierte Bürger

In seiner ersten Weihnachtsansprache hat Bundespräsident Joachim Gauck die Deutschen an Heiligabend zu bürgerschaftlichem Engagement aufgerufen. „Wir wollen ein solidarisches Land“, sagte er. „Verfolgten wollen wir mit offenem Herzen Asyl gewähren.“

© reuters, Reuters Weihnachtsansprache: Bundespräsident fordert Solidarität

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen zu bürgerschaftlichem Engagement aufgerufen. In seiner ersten Weihnachtsansprache als Staatsoberhaupt sagte er, angesichts vielfältiger Verunsicherungen in der Gesellschaft „brauchen wir nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger“. Gauck beschrieb die im europäischen Vergleich gute Lage Deutschlands in der Schuldenkrise: „Deutschland hat die Krise bisher gut gemeistert“, sagte der Bundespräsident, verglichen mit anderen gehe es den meisten „wirtschaftlich gut, ja sogar sehr gut“.

Zudem sei Deutschland politisch stabil, radikale Parteien hätten nicht davon profitiert, dass ein Teil der Menschen verunsichert sei. „Sie sind verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, der Klimawandel erfordert ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft“, sagte Gauck. Sorge bereitet den Deutschen auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben.

Gauck: Beeindruckt von deutschen Soldaten in Afghanistan

Der Bundespräsident erinnerte daran, dass er erst jüngst die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht habe. Es habe ihn beeindruckt, wie deutsche Soldatinnen und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens Terror verhinderten und die Zivilbevölkerung schützten. Ihnen und auch den zivilen Helfern gelte sein Dank. Die Reise habe ihm auch vor Augen geführt, wie kostbar der Frieden sei, der seit über 60 Jahren in Europa herrscht. Gesichert habe ihn die europäische Idee. „Zu Recht hat die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten“, sagte Gauck, „jetzt aber ist die Frage: Wird unser politischer Wille zusammenhalten können, was ökonomisch und kulturell so unterschiedlich ist?“

22606249 © AFP Vergrößern Plädiert für eine solidarische Gemeinschaft: Bundespräsident Joachim Gauck

Der frühere evangelische Pastor Gauck sagte, Weihnachten sei für Christen das Versprechen Gottes, „dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe“. Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten sei es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten. „Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen“, sagte Gauck. Übersetzt in die Sprache der Politik heiße dies: Solidarität. „Wir wollen ein solidarisches Land“, sagte Gauck, „ein Land, das den Jungen Wege in ein gutes Leben eröffnet und den Alten Raum in unserer Mitte belässt. Ein Land, das jene, die seit Generationen hier leben, mit jenen verbindet, die sich erst vor kurzem hier beheimatet haben“.

Weiter sagte er, zwar werde Deutschland nie alle Menschen aufnehmen können, die kommen. „Aber: Verfolgten wollen wir mit offenem Herzen Asyl gewähren und wohlwollend Zuwanderern begegnen, die unser Land braucht.“

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nigeria Mindestens 35 Menschen sterben bei Anschlag auf Flüchtlingslager

In einem nigerianischen Flüchtlingslager haben sie Schutz vor den Terroristen von Boko Haram gesucht. Vergebens. Mitten im Lager töteten zwei Selbstmordattentäter viele Menschen. Mehr

10.02.2016, 20:09 Uhr | Politik
Davos Gauck: Begrenzung von Flüchtlingszuzug ist nicht unethisch

Eine Begrenzungsstrategie kann moralisch und politisch sogar geboten sein, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu erhalten", sagte Bundespräsident Gauck in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Mehr

20.01.2016, 15:46 Uhr | Wirtschaft
Flüchtlingsroman Vom Warten wird man immer blöder

Der deutsch-irakische Schriftsteller Abbas Khider hat einen Roman über einen Asylbewerber geschrieben. Mal wieder das Buch der Stunde? Oder ein sehr guter Roman? Mehr Von Julia Encke

30.01.2016, 22:41 Uhr | Feuilleton
Wiesbaden So bunt verlief der Ball des Sports 2016

Beim Ball des Sport in Wiesbaden gaben sich am Samstagabend Deutschlands Spitzenathleten die Klinke in die Hand. Fehlen durften dabei selbstverständlich nicht die frischgebackenen Handball-Europameister. Ehrengast war Bundespräsident Joachim Gauck, der die junge Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson in einer Rede überschwänglich lobte. Mehr

07.02.2016, 19:25 Uhr | Sport
Nach Terror-Anschlägen Weniger Urlauber für die Türkei

Die Anschläge von Istanbul haben die deutschen Urlauber verunsichert. Nachdem die Türkei in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern des Tourismus zählte, ändern die Veranstalter nun ihr Programm. Mehr

09.02.2016, 08:01 Uhr | Wirtschaft

Was Syrien braucht

Von Nikolas Busse

Die Vereinbarung von München liest sich gut. Die Widersprüche des Syrien-Konfliktes bleiben aber bestehen. Das größte Interesse daran, dass Frieden einkehrt, hat Deutschland. Mehr 1