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Rechtsextremismus : Was den Osten anfällig macht

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Ein Teilnehmer einer Pro-Le-Pen Demonstration der Thügida am 6. Mai 2017 vor der Frauenkirche in Dresden Bild: dpa

Ist Rechtsextremismus ein ostdeutsches Problem? Mitnichten. Aber es gibt offenbar Gründe, warum er dort – und auch in manchen westdeutschen Regionen – stärker wuchert.

          Rechtsextremismus ist im Osten ein größeres Problem als im Westen – aber nicht nur dort: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Die Bundesbeauftragte für die neuen Bundesländer, Iris Gleichke (SPD), hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben und stellt am heutigen Donnerstag die Ergebnisse vor. Mehrere Medien berichten vorab darüber.

          Rechtsextremismus werde befördert durch „Faktoren, die in Ostdeutschland stärker ausgeprägt sind“, zitiert die „Bild“-Zeitung die Forscher. In Sachsen gebe es eine „Überhöhung des Eigenen, Sächsischen, Ostdeutschen, Deutschen in Bezug auf die krisenhaft wahrgenommene Aufnahme von Flüchtlingen“. Nach 1989 habe es indes einen „Rechtsextremismus-Import“ von West- nach Ostdeutschland gegeben, so der Bericht.

          Auch aufgrund zweier aufeinander folgender Diktaturen und der Homogenität in der DDR-Gesellschaft seien die neuen Länder besonders anfällig für extreme Tendenzen, so die „Berliner Zeitung“. Demnach erklären die Autoren der Studie: „Die Sozialisation in einer buchstäblich geschlossenen Gesellschaft wie der DDR kann als ein Faktor für die Erklärung nicht stark genug betont werden.“ Ethnozentrische Weltbilder, die von der modernen extremen Rechten vertreten würden, seien vor allem bei älteren Befragten verbreitet, weil die Migrationspolitik der DDR auf einem solchen Prinzip basiert habe: „Völkerfreundschaft ja, aber alle Migranten sind als Gäste zu betrachten.“

          Es wäre jedoch „verfehlt, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und fremdenfeindliche Übergriffe als ein primär ostdeutsches oder gar vor allem sächsisches Problem zu verorten“, zitiert die Zeitung weiter. Vielmehr zeige die Untersuchung, „dass es neben spezifisch ostdeutschen Ursachen auch bedeutsame regionale Spezifika zu beachten gilt, die erst in der Summe ein Klima schaffen, in dem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gedeihen können“.

          Dazu gehört laut „Tagesspiegel“ häufig ein „Kleinreden“ von rechtsextremen Taten durch Politiker. „Gar nicht selten seien die Kirchgemeinden mit ihren wenigen Gläubigen die einzigen Akteure, die sich dem Rechtsextremismus entgegenstellen würden“, heißt es dort.

          Anm. der Redaktion: Die Ostbeauftragte der Bundesregierung Iris Gleicke (SPD) hat die Studie Ende Juli zurückgezogen. Diese habe „jeden Wert für die dringend notwendige gesellschaftspolitische Debatte über die Ursachen des Rechtsextremismus in Ostdeutschland verloren“, erklärte die Staatssekretärin. Sie warf den Autoren vom Institut für Demokratieforschung an der Universität Göttingen „nicht hinnehmbare Schlamperei“ vor. Das Institut sprach von Maßnahmen im „Wahlkampf“.

          Quelle: KNA

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