http://www.faz.net/-gpf-95xmr

Juso-Chef Kevin Kühnert : Jung, links, dagegen

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert im Dezember beim Bundesparteitag der SPD in Berlin Bild: dpa

Die Jusos sind immer besonders stark, wenn sie gegen etwas sind. Dieses Mal legt sich ihr Vorsitzender mit der SPD-Parteispitze an. Denn eines will Kevin Kühnert unbedingt verhindern.

          An dem Spruch „Leg dich quer, dann bist du wer“ ist ziemlich oft – zumal in politischen Zusammenhängen – etwas dran. Die Erfahrung macht gerade auch Kevin Kühnert, der Vorsitzende der Jungsozialisten, der Jugendorganisation der SPD. Die Jusos, und damit auch ihr Vorsitzender, sind immer dann besonders stark, wenn sie gegen etwas sind – bevorzugt gegen die eigene Mutterpartei.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Direkt nach der Bundestagswahl fanden sich die Jusos deswegen in einer paradoxen Situation wieder: Sie waren gegen eine Neuauflage der großen Koalition – und die Parteiführung in Berlin war es auch. Anders als die Parteiführung blieben die Jusos im Laufe der darauffolgenden Wochen aber bei ihrer Meinung. Der Satz, den Kühnert beim Juso-Bundeskongress Ende November sagte, gilt noch immer: „Wir sind das Bollwerk gegen eine große Koalition. Es wird sie mit uns nicht geben.“

          Die Überzeugung, eine Koalitionsregierung könne nie so schön sein wie ein Leben in der Opposition, ist bei den Jusos noch immer weit verbreitet. Der Vorsitzende macht da keine Ausnahme. Aber er ist kein reiner Oppositionsromantiker. Kühnert hat klare Vorstellungen: Eine Minderheitsregierung hält er für die ehrlichste Option, keine große Koalition.

          Kühnerts Wort hat Gewicht

          Auch andere wichtige Personen in der Partei dürften so denken. Aber Kühnert, 28 Jahre alt und gebürtiger Berliner, traut sich heraus aus dem dunkelroten Elfenbeinturm. Er arbeitet für ein Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sitzt er in der Bezirksverordnetenversammlung. Dort bildet die SPD mit den Grünen eine sogenannte Zählgemeinschaft, das Koalieren und die Zwänge, die sich daraus ergeben, sind Kühnert also durchaus vertraut. Von 2012 bis 2015 war er der Vorsitzende der Hauptstadt-Jusos, seit November ist er Bundesvorsitzender.

          Eine seiner ersten Amtshandlungen war das Initiieren einer Unterschriftenkampagne gegen die große Koalition. Wie begrenzt die Macht der jungen Wilden in der SPD ist, sieht man indes daran, dass sich nur einige tausend Mitglieder dem Aufruf anschlossen. Auf dem SPD-Sonderparteitag, der in einer Woche über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union abstimmt, stellen die Delegierten, die auch Mitglied bei den Jusos sind, aber eine große Gruppe.

          Kühnerts Wort hat also Gewicht. Er glaubt nach eigener Aussage, dass die Jusos die große Koalition noch verhindern können. Auf dem Bundesparteitag in Berlin im Dezember hielt er eine wortgewandte Gegenrede („Die Erneuerung der SPD wird außerhalb einer großen Koalition sein. Oder sie wird nicht sein“) zum Parteivorsitzenden Martin Schulz.

          Der Juso-Vorsitz diente manchem Sozialdemokraten schon als Karrieresprungbrett, man muss nicht einmal an Gerhard Schröder erinnern. Kühnert macht sich auf seinen ganz eigenen Weg: Er will sich in den kommenden Tagen auf Deutschland-Tour begeben und so für ein Nein zur großen Koalition werben. Hat er das Momentum auf seiner Seite? Zumindest ist die Zustimmung der SPD-Basis zur Koalition mit der Union längst nicht ausgemacht.

          Lars Klingbeil : SPD konnte wichtige Inhalte durchsetzen

          Weitere Themen

          „Sie wird Vertrauen gewinnen“

          Reaktionen auf Nahles-Wahl : „Sie wird Vertrauen gewinnen“

          Nach dem schlechten Ergebnis von Andrea Nahles bei der Wahl zur SPD-Vorsitzenden stellt sich die Parteispitze demonstrativ hinter sie. Die Linke hofft auf einen Linkskurs der Sozialdemokraten. Und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner will die Partei geeint sehen.

          Topmeldungen

          Ende des „Echo“ : Späte Schadensbegrenzung

          Die Abschaffung des Musikpreises „Echo“ ist richtig – aber das Problem, das zu ihr führte, viel weitreichender als der befürchtete „Schaden an der Marke“. Ein Kommentar.

          Peter Madsen verurteilt : Lügengeschichten eines Erfinders

          Vom ersten Prozesstag an tat sich Peter Madsen vor allem selbst leid. Einsicht, ein Geständnis gar, waren nicht zu erwarten. Wie überzeugte der Staatsanwalt das Gericht trotzdem davon, dass der Erfinder ein brutaler Mörder ist?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.