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Wehrmachtssymbole : Dummes Zeug

Helmut Schmidt im Frühjahr 1940 als Leutnant der Luftwaffe Bild: dpa

Helmut Schmidt ist ein Symbol der deutschen Demokratie. Als Wehrmachtssoldat will ihn die Verteidigungsministerin nicht mehr zeigen. Das ist ein Fehler.

          Man muss den Hype, den Helmut Schmidt in seinen letzten Jahren begleitete, nicht teilen. Sein Leben, sein Wirken hat Maßstäbe gesetzt für unser Land. Als Hamburger Innensenator forderte er ohne rechtliche Grundlage Nato und Bundeswehr an, um die Hanseaten vor der Sturmflut 1962 zu retten. Später, als Kanzler, stellte er sich entschlossen den linksextremistischen Umtrieben der „Roten Armee Fraktion“ entgegen.

          Seine entschlossene Anti-Terror-Ansprache anlässlich der Entführung Martin Schleyers 1977 ist heute angesichts islamistischer Anschläge in Deutschland ein Internet-Hit. Und später noch, 2008, formulierte er vor dem Deutschen Bundestag ein Versprechen, das in die Geschichtsbücher eingegangen ist. „Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen“, sagte Schmidt, schon vom Alter gezeichnet, zu den angetretenen Rekruten.

          Eine Verklärung der Wehrmacht darf es nicht geben

          Die Ehrungen, die dem Hamburger für seine Verdienste Zeit seines Lebens zuteilwurden, sind Legion. Die Bundeswehr, deren Verteidigungsminister er zwischenzeitlich war, benannte gar ihre Hamburger Universität im Jahr 2003 nach ihm. Genau dort wurde nun ein Bild von ihm abgehängt, das Schmidt als jungen Wehrmachtsoffizier der Luftwaffe im Frühjahr 1940 zeigt. Im Zuge der Entfernung von Wehrmachtdevotionalien, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angeordnet hat. Um mit Schmidt zu sprechen: Diese Entscheidung ist „dummes Zeug.“

          Kein Zweifel: Hakenkreuze gehören nicht in deutsche Kasernen. Das „Panzerlied“, von unzähligen Landsern während eines verbrecherischen Vernichtungskriegs gesungen, hat im Liederkanon der Bundeswehr nichts verloren. Eine Verklärung der Wehrmacht, deren Veteranen die Bundeswehr aufbauten, darf es – egal in welcher Form – nicht mehr geben. Umso mehr, seit mit dem Wegfall der Wehrplicht eine Planke weggefallen ist, die die Streitkräfte mit weiten Teilen der deutschen Gesellschaft verband.

          Aus einer Suche darf keine Treibjagd werden

          Doch darf aus einer sinnvollen, unaufgeregten Suche keine Treibjagd werden, die nur dazu dient, Tatkraft angesichts einer rechtsextremen Terrorzelle zu demonstrieren. Es gibt bislang keinerlei Anzeichen dafür, dass außerhalb der Gruppe Franco A die Bundeswehr von Neofaschisten, Wehrmachtsfetischisten oder Hitlergläubigen durchsetzt wäre. Im Gegenteil nimmt die Zahl identifizierter Rechtsextremisten in der Truppe seit Jahren ab. Von 47 im Jahr 2010 auf drei im vergangenen Jahr.

          Das Foto von Helmut Schmidt ist unbequem. Es zeigt einen der wichtigsten und geachtetsten Politiker unserer Demokratie als Offizier des Dritten Reiches. Aber diese Unbequemlichkeit muss die Bundeswehr aushalten können. Die Universität sollte das Foto wieder aufhängen, so wie es ist, ohne jeden Kommentar. Die Offiziere müssen sich mit ihm auseinandersetzen können. Alles andere wäre falsch verstandene Geschichtsbereinigung.

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