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Wanderer gegen Mountainbiker : Kampfszenen unter der Fichte

Vorbeirauschen im Blätterwald: Ein Mountainbiker auf dem Weg zurück ins Tal Bild: Peter Frischmuth / argus

Mountainbiker brauchen einen Schutzengel: Heimtückische Fallensteller legen lebensgefährliche Hindernisse in den Weg. Damit wird aus der Erlebniszone Wald ein Ort für Streit zwischen Wanderern und Montainbikern.

          Die besten Mountainbiker brauchen nur acht Minuten. 3,5 Kilometer lang ist die Downhill-Strecke vom Rosskopf runter ins Dreisamtal. Die Raser sind unterwegs mit „Karbon-Fullys“, schicken „Hardtails“ oder speziell für Waldabfahrten konstruierten Downhill-Maschinen. Eine Gruppe von Mountainbikern ist am späten Vormittag an der Freiburger Jugendherberge gestartet und über den „Oberen Abfuhrweg“ auf den knapp 740 Meter hohen Rosskopf geradelt. Gut vierzig Minuten haben sie gebraucht. Jetzt stehen sie am Fuß des im 19. Jahrhundert gebauten stählernen Rosskopfturms und bereiten sich auf die Abfahrt vor. „Borderline“ heißt die Strecke. Sie ist an normalen Tagen schon gefährlich, ausgeschildert mit Notrufnummern. „Unbekannte Streckenabschnitte sollten vor der Befahrung in Ruhe begutachtet werden“, heißt auf einem warnenden Schild. Sogenannte Arm- und Beinprotektoren sind zu empfehlen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Doch seit ein paar Wochen gehört noch mehr Mut dazu, die Strecke zu fahren. Die Mountainbiker brauchen jetzt nicht nur Protektoren, sondern auch einen Schutzengel: Es sind nämlich heimtückische Fallensteller unterwegs, die lebensgefährliche Hindernisse in den Weg legen. Eine Falle ist sogar tagsüber nach der Demontage wiederaufgebaut worden.

          Anschläge auf Mountainbiker

          Die Radfahrer auf dem Rosskopfrastplatz greifen zu ihren Wasserflaschen, testen noch einmal die Bremsen. Drei weitere Mountainbiker haben sich in den Schatten eines Grillplatzes zurückgezogen. Der bekannte Kandel-Wanderweg führt über den Rosskopf, vom Turm aus hat man einen weiten Blick über den Schwarzwald. Andreas Schäfer vom Freiburger Forstamt hängt ein Plakat am Turm auf: „Auf der Rosskopfabfahrt Borderline in Freiburg kam es in jüngster Vergangenheit zu Vorkommnissen, bei denen bislang unbekannte Täter Gegenstände auf die Strecke gelegt haben“, steht darauf. Die Polizei, der Freiburger Mountainbike-Verein und die Stadt haben das Plakat gemeinsam verfasst. „Vorkommnisse“ ist gut - es handelt sich um Anschläge auf das Leben der Mountainbiker.

          Vielleicht waren es unbekannte Fahrradhasser, vielleicht ein geistig verwirrter Einzeltäter. Die Polizei ermittelt wegen eines „gefährlichen Eingriffs“ in den Straßenverkehr, tappt aber noch im Dunkeln. Auf einer Landestelle hinter einer Schanze fanden sich ungehobelte Holzblöcke; an einer anderen Stelle des Downhill-Trails waren Äste, spitz wie Spieße, auf den Fahrweg gelegt worden. Einmal waren auch dünne Baumstämme gekreuzt auf den Weg gestellt. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der steilen Abfahrt sind solche Hindernisse Todesfallen. Wird jemand verletzt oder stirbt, droht den Fallenstellern eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung oder Mordes.

          Tödlich: Falle im Wald

          In mehreren Orten Baden-Württembergs gibt es Konflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern. In der Nähe von Oberkirch im Ortenaukreis, eine halbe Stunde nördlich von Freiburg, fand die Polizei kürzlich ein Wurzelstück auf einem Waldradweg, das mit abgesägten Schrauben präpariert war. Im Stuttgarter Schlossgarten spannte ein Fallensteller vor einer Woche Kabelbinder über eine Strecke von sechs Metern in einer Höhe von einem Meter über einen Fahrradweg. Mountainbiker berichten immer häufiger von Eisenstangen, Drähten und Nagelbrettern auf ihren Strecken. Es wird auch oft geschrien und gebrüllt im Wald, nur Zeugen gibt es selten, wenn sich Wanderer und Mountainbiker an die Gurgel gehen.

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