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Waldschlößchenbrücke in Dresden eröffnet : Auch die Kleine Hufeisennase bleibt glücklich

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Feierlicher erster Gang über ein jahrelanges Streitobjekt: die Dresdener Oberbürgermeisterin Helma Orosz und der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU) am Samstag auf der Waldschlößchenbrücke Bild: dpa

Mit einem Bürgerfest haben die Dresdner Oberbürgermeisterin Orosz und der sächsische Ministerpräsident Tillich an diesem Samstag die umstrittene Waldschlößchenbrücke eröffnet. Sie hat die Stadt nicht nur Geld, sondern auch den Titel als Welterbe gekostet.

          „Färdsch“. Dieser sächsische Urlaut bedeutet „fertig“ oder „geschafft“ und bringt dazu noch - je nach Situation und Befinden - Begeisterung, Zufriedenheit oder auch Resignation zum Ausdruck. Die Dresdner Waldschlößchenbrücke, um die es so viel Gezerre gegeben hat, ist nun „färdsch“. An diesem Samstag wurde sie mit einem Brückenfest eröffnet; am Montag wird sie für den Verkehr freigegeben. Sie soll „zu einem neuen Wahrzeichen Dresdens“ werden, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Das ist die Brücke schon - allerdings im negativen Sinn. Der Verlust des Welterbetitels für die Elbauen, den die Unesco wegen des Brückenbaus aberkannt hat, machte Schlagzeilen weit über Dresden hinaus. Der Verlust dieses Titels hat zwar keine nachweisbaren Folgeschäden verursacht, aber der Ruf Dresdens ist immer noch angekratzt. Kaum ein Tourist lässt, nachdem er die wirklichen Sehenswürdigkeiten Dresdens gesehen hat, einen Blick auf die Waldschlößchenbrücke aus. Wenn er sie dann sieht, ist fast regelmäßig zu hören: „Ach, so schlimm ist das doch gar nicht.“ Eine Umfrage unter 500 Dresdnern bestätigte jüngst, dass das auch viele Dresdner so sehen. Sogar einst erbitterte Brückengegnern äußern sich inzwischen wohlwollend. Ist mit der Eröffnung der Brücke die Welt wieder in Ordnung? Nicht ganz.

          Die Brückengegner ballen die Faust verschämt in der Tasche. Sie wissen, dass die Brücke nicht mehr abgerissen wird, auch wenn noch ein höchstrichterliches Urteil aussteht. Zu lange aber hat der Kampf gedauert, um schon vergessen zu sein. Vor siebzehn Jahren, im Jahr 1996, hat der Stadtrat mit 41 zu 22 Stimmen den ersten Beschluss zum Brückenbau gefasst. Die Idee, an der Stelle, wo die Elbauen am breitesten sind, eine Brücke zu bauen, stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie sollte einen Straßenring um Dresden schließen. Auch in der DDR-Zeit wurde geplant und der Baubeginn auf das Jahr 1990 festgelegt. Nach der friedlichen Revolution stockte das Vorhaben. Erst im Jahr 2000 wurde unter dem damaligen Oberbürgermeister Herbert Wagner (CDU) mit dem ersten Baggeraushub begonnen. Damals ging es um eine Lärmschutzmauer, denn für die Brücke lag die Baugenehmigung noch gar nicht vor. Sieben Jahre später, am 19. November 2007, wurde dann mit dem Bau begonnen.

          Der große Auftritt der kleinen Hufeisennase

          In der Zwischenzeit hagelte es 1700 Einsprüche gegen das Projekt; erste Bürgerinitiativen bildeten sich. Der Streit wurde vor die Gerichte getragen. Immer wieder kam es zu Baustopps und Bauverzögerungen. 2004 dann nahm die Unesco die Elbauen bei Dresden in das Welterbe auf. Als dieser Titel durch den Brückenbau wieder verlorenzugehen drohte, gewann der Streit nochmals an Schärfe. Während die einen, unter ihnen der damalige Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), den Verlust des Welterbetitels für verkraftbar hielten, kämpften die anderen umso heftiger für dessen Erhalt. Auch ein Bürgerentscheid im Jahr 2005, an dem sich gut die Hälfte der Dresdner Abstimmungsberechtigten beteiligten, führte nicht zur Befriedung. Bei der Abstimmung votierten 67,8 Prozent für den Brückenbau.

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