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Wahlkampf in Bayern Ein Volksfest, ein Bierzelt, ein Seehofer-Termin

10.08.2007 ·  Der Wettbewerb um den CSU-Vorsitz und das Teilerbe Edmund Stoibers ist in vollem Gange. Auch Horst Seehofer reist durch die Provinz. In Töging am Inn witzelte er erst mit dem Publikum, um dann in die Offensive zu gehen.

Von Georg Paul Hefty, Töging am Inn
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Ein Volksfest, ein Bierzelt, ein Seehofer-Termin. Das ist zur Zeit der politische Dreisatz in Bayern. Aber nicht nur der Bundeslandwirtschaftsminister und stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer rechnet so, sondern auch seine Mitbewerber, der bayerische Wirtschaftsminister und niederbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Erwin Huber wie die Fürther Landrätin und stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Gabriele Pauli.

Der Wettbewerb um den CSU-Vorsitz und damit um das Teilerbe Edmund Stoibers, die langen An- und Rückfahrten zwei, drei Mal in jeder der Wochen bis Ende September, die Reden vor Hunderten von politisch ebenso neugierigen wie unterhaltungssüchtigen Zuhörern, die Diskussionen mit Bürgern und Parteifreunden kosten Kraft, Nerven und Zeit.

Seehofer „blödelt“ - und die Zuhörer gehen mit

Seehofer steckt das (noch) gut weg. Auf Einladung der Jungen Union und der regionalen Bundestags- und Landtagsabgeordneten und Bürgermeisterkandidaten ist er an einen roten Punkt im politisch schwarzen Osten Oberbayerns gefahren, nicht weit von der Grenze zu Niederbayern, wo sich eigentlich alles um den Wallfahrtsort Altötting dreht, wo aber die Industrieorte Töging oder auch Burghausen über Jahrzehnte fest in SPD-Hand waren.

Seehofer hat einen guten Tag erwischt, vier Mal so viele Zuhörer sind gekommen als - wie erzählt wird - Tage zuvor beim Auftritt des SPD-Generalsekretärs. Das Gespräch mit den Bauern hat ihn in Stimmung gebracht, er witzelt anfangs minutenlang, oder wie man in der Gegend sagt, „er blödelt“, und die Leute gehen mit. Sie hören es gerne, wenn er vorne „die Prominenz“ begrüßt und hinten „die Intelligenz“. Und es erfüllt sie mit Stolz, wenn er den Anteil der Landwirtschaft an den Arbeitsplätzen über den der Autoindustrie und des Gesundheitswesens stellt.

„Anbau von Genmais wird in Bayern nicht stattfinden“

Es regt sich auch kein Widerspruch, wenn er für die Bundesregierung und damit für sich in Anspruch nimmt, „das unsinnige Gegeneinander von Biobauern und konventionellen Bauern“ nach dem rot-grünen Zwischenspiel beendet zu haben. Beifall ist ihm gewiss, als er ohne die Stimmung anzuheizen in ruhigem Ton sagt: „Es wäre schön, wenn die Preiserhöhungen bei den Bauern ankämen.“ Während im Rest der Republik an grünen Tischen kritisiert wird, dass sein Genanbaugesetz weder die einen noch die anderen Erwartungen erfülle, lässt er in Töging die Katze aus dem Sack: „In Bayern wird der Anbau von Genmais nicht stattfinden.“ Die Abstandsgebote von 150 und 300 Metern scheinen auf bayerischen Feldern ausgemessen worden zu sein.

Wenn er nebenbei Wilhelm Busch zitiert (“Ein erfüllter Wunsch hat automatisch Junge“) und damit das Empfinden der Bevölkerung nach der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage beschreibt, dann geht ein wissendes Schmunzeln durch die Reihen. Mit mehr als einzelnen auslegbaren Formulierungen und dem abschließenden Hinweis, dass das, was die Leute wissen wollen, in bestimmten farbigen Blättern nachzulesen sei, geht Seehofer nicht auf sein Privatleben ein - und die Zuhörer erhöhen auch nicht mit Zwischenrufen den Druck auf ihn, mehr dazu zu sagen. Der Minister strahlt von der Bühne soviel Autorität aus, dass niemand auf den Gedanken verfällt, ihm dumm zu kommen.

„Geschlossenheit im Falschen ist ein Misserfolg“

Er sei durch „viele Stahlbäder“ gegangen, „auch gesundheitlich“, hebt der CSU-Wahlkämpfer hervor. Wie das im Krankenhaus war, weiß niemand, aber alle wissen, wie das Stahlbad in der CSU war, als Seehofer wegen seiner Einlassungen zur von der CDU erdachten „Kopfpauschale“ in die innere Emigration, in die „Rehabilitation“ geschickt wurde. Sein Standpunkt „war doch kein Fehler“, triumphiert er einen Augenblick lang.

Und dann geht er in die Offensive: „Ich bin angeblich nicht teamfähig. Doch ich habe mehr Reformen durchgeführt als andere“ - und dazu müsse man Mehrheiten beschaffen können. Eben das könne er, legt er den Zuhörern nahe, aber auch, dass er diese Mehrheiten nicht um den Preis beliebiger Ergebnisse erringen will. „Geschlossenheit im Falschen ist ein Misserfolg“, lautet sein Beitrag zu dem CSU-Glaubenssatz, dass der richtige Kurs und die Geschlossenheit den Erfolg der der Partei ausmachten.

Kein Anzeichen von Resignation, sondern ein Signal

Seehofer hält sich an die alte, schon aufgegebene Regelung des Wettbewerbrechts, keinen Vergleich mit den Mitbewerbern anzustellen. Huber und Pauli kommen in seinen Reden nicht vor, aber seit neuestem hat er eine Verneigung vor der Landtagsfraktion der CSU eingefügt: Diese sei sein „höchster Aufsichtsrat“, sagt er, wohl im Blick auf die Landtagswahl 2008. Und er erneuert das Versprechen, bis 2010 die Hälfte aller Mandate, über welche die CSU zu befinden hat, an Frauen und Männer „unter fünfzig Jahren“ zu vergeben.

Dass er nebenbei auch noch bekräftigt, er wolle nach seiner Wahl zum Parteivorsitzenden Landwirtschaftsminister in Berlin bleiben, und dass er, falls er nicht gewinnt, sich nicht schmollend zurückziehen, sondern stellvertretender Parteivorsitzender bleiben werde, ist nicht ein erstes Anzeichen von Resignation, sondern ein Signal an die Parteitagsdelegierten aus dem Landkreis Altötting: Ich fröne nicht meiner eigenen Eitelkeit, sondern vertraue mich eurem Votum an. Das wird bei ihnen nicht schlecht angekommen sein.

Quelle: F.A.Z., 11.08.2007, Nr. 185 / Seite 2
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Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.

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