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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Wahl in Niedersachsen Über Hannover hinaus

In Niedersachsen wird nicht nur über das politische Schicksal des Liberalen Rösler entschieden. Es ist nach seinen Patzern auch eine Testwahl für den Kanzlerkandidaten Steinbrück. Der SPD-Vorsitzende Gabriel bezieht schon eine Reservestellung.

© dpa Vergrößern Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel neben SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der Fraktionsklausur an diesem Freitag in Berlin: In Reservestellung?

Landtagswahlen, die so nahe an einer Bundestagswahl liegen, dass ihnen die Wirkung eines Signals zugeschrieben werden kann, ziehen immer besondere Aufmerksamkeit auf sich. Aber selten war die Spannung so groß wie vor der Wahl in Niedersachsen: Man könnte geradezu glauben, am Abend des 20. Januar gehe es in Hannover um das Schicksal der Republik.

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Möglich, dass an diesem Abend zumindest über das Schicksal eines Politikers entschieden wird. Wenn es die FDP nicht schafft, wieder in den niedersächsischen Landtag einzuziehen, wird Philipp Rösler nicht mehr lange Vorsitzender der Liberalen bleiben. Kommt die Partei in den Landtag, aber es reicht nicht aus, um mit der CDU eine Koalition zu bilden, dürfte es Rösler schwer haben, sich als Vorsitzender zu halten. Wird die schwarz-gelbe Koalition in Hannover bestätigt, wird es der FDP schwerfallen, ihren ungeliebten Vorsitzenden loszuwerden. Die Umfragen der vergangenen Tage geben alle drei Möglichkeiten her. Die Liberalen sollten jetzt schon über eine Sprach- und Sachregelung für alle drei Fälle nachdenken.

Niedersachsen ist auch eine Testwahl für Peer Steinbrück. Das hätte sich am 1. Oktober, als er zum Kanzlerkandidaten der SPD ausgerufen wurde, noch niemand vorstellen können. Eine Bestätigung der von David MacAllister geführten CDU-FDP-Koalition wäre aus damaliger Sicht auf den „strukturellen Konservatismus“ eines ländlich geprägten Landes geschoben worden oder auf die mangelnde Attraktivität eines weithin unbekannten Spitzenkandidaten namens Stefan Weil.

Nach diversen Patzern - von Honoraren und Gehaltsfragen bis Pinot Grigio - konkurriert Steinbrücks Popularität mit der von Westerwelle. Ein schlechtes Wahlergebnis seiner Partei müsste er deshalb auf seinem persönlichen Konto verbuchen.

Er könnte damit - mit allen Vorbehalten, was Vergleiche angeht - zum Philipp Rösler der SPD werden. Man darf bei allem Respekt vor der schwierigen Lebensgeschichte des Parteivorsitzenden Gabriel auch fragen, warum dieser gerade jetzt familiäre Details in die Öffentlichkeit hat transportieren lassen.

Schwer zu glauben, dass ein Profi wie Gabriel sich nur Belastungen von der Seele reden wollte, ohne über den Zeitpunkt für eine solche Konfession nachzudenken. Der Verdacht, dass da einer Reservestellung bezieht, ist jedenfalls in der Welt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.01.2013, 09:11 Uhr