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Wahl im Saarland : Haltesignal für den Schulz-Zug

Sichtlich enttäuscht: SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger winkt ihren Anhängern auf der Wahlparty zu Bild: dpa

Die saarländische SPD bleibt in der Regierung, aber ein trauriger Wahlabend ist es trotzdem. Nach der Hoffnung auf den Schulz-Effekt folgt die Ernüchterung – und die Erkenntnis, dass doch noch nicht alle für Rot-Rot bereit sind.

          An dem Ort, wo die SPD eigentlich ein rauschendes Fest feiern wollte, ist die Stimmung am Sonntagabend eher ein Trauerspiel. Das Licht im Saal der Saarbrücker Congresshalle ist rötlich gedämpft, die Bühne unter dem Banner „Zusammenhalt und Stärke“ schon leer; auch Bundesjustizminister Heiko Maas ist in seiner Berliner Limousine gerade wieder abgefahren. Im Hintergrund dudelt jetzt indische Lounge-Musik mit Sitar, doch auf die hört niemand mehr, auch nicht Anke Rehlinger. Seit Minuten schon bahnt sie sich ihren Weg durch die Reihen ihrer Unterstützer, die noch immer darauf warten, der SPD-Spitzenkandidatin ihr Bedauern auszusprechen: 29,6 Prozent statt deutlich mehr als 30, weiter Juniorpartner in der großen Koalition statt Ministerpräsidentin: Das schmerzt.

          Irgendwo mittendrin: der junge Reporter der „heute show“, der Rehlinger und ihre Wahlniederlage, so steht zu vermuten, aufs Korn nehmen will. Ihr Stab würde das gern vermeiden, also schüttelt Rehlinger lieber noch ein paar Hände mehr, umarmt Parteifreunde und wirkt dabei trotz aller Aufmunterung manchmal so, als müsse sie gleich weinen. „Es tut mir so leid“, sagt eine ältere SPD-Anhängerin gerade und drückt ihr die Hand. Rehlinger nickt, dann entgegnet sie: „Na ja, wir sehen uns ja trotzdem weiter.“ Die Enttäuschung, manchmal findet sie an diesem Abend keine Worte.

          Denn das Bittere für die SPD ist ja: Sie hat lange kaum Hoffnung gehabt, weil die CDU von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer in den Umfragen uneinholbar schien, verspürte dann aber durch den neuen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz einen solchen Auftrieb, dass sie am Ende doch fast alles für möglich hielt. Dann trotzdem zu scheitern, das tue umso mehr weh, sagen sie in der SPD. Warum sie gescheitert sind, dafür haben die meisten im Saal die Schuldigen längst ausgemacht: Annegret Kramp-Karrenbauer und Oskar Lafontaine. Dass die Wunderheilungskräfte von Martin Schulz vielleicht doch nicht stark genug gewesen seien, wie die CDU spöttelt, wischen die Genossen schnell vom Tisch.

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          Rehlinger: „Es hat nicht an Schulz gelegen“

          „Es hat nicht an Martin Schulz gelegen, er hat uns sehr unterstützt und ist mit dafür verantwortlich, dass wir von 24 Prozent noch so weit nach oben gekommen sind“, sagt Anke Rehlinger, als sie sich weiter ihren Weg durch die Menge bahnt. Viel habe auf den letzten Metern wohl der „Amtsinhaberinnenbonus“ von Annegret Kramp-Karrenbauer bewirkt, mit deren Arbeit als Ministerpräsidentin viele Saarländer in der Tat äußerst einverstanden sind, was die hohen Zufriedensheitswerte in allen Umfragen zeigen. Auch habe die Vorstellung, mit der Linkspartei und damit mit Oskar Lafontaine zusammenzuarbeiten, vielleicht doch mehr Wähler abgeschreckt als gedacht, glaubt Rehlinger. Dabei habe sich die SPD im Wahlkampf doch gar nicht auf Lafontaine festgelegt, schiebt sie hinterher. „Wir haben Rot-Rot lediglich nicht ausgeschlossen, aber das wurde von vielen schon so ausgelegt, als wollten wir auf jeden Fall ein solches Bündnis. Das war ein echtes Dilemma für die SPD.“

          Kein Grund zum Feiern: SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger (Mitte)
          Kein Grund zum Feiern: SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger (Mitte) : Bild: Maximilian von Lachner

          Das Dilemma Rot-Rot – in vielen Gesprächsrunden ist das an diesem Abend das zentrale Thema. Eigentlich sind sich SPD und Linkspartei an der Saar schon seit Jahren viel näher als anderswo in der Republik – doch auch in der SPD haben im Schulz-Rausch viele die tief sitzenden Vorbehalte gegen Oskar Lafontaine unterschätzt, der noch immer polarisiert wie kein zweiter. Viele in der Congresshalle glauben, dass am Ende viele taktisch abgestimmt und die CDU gewählt haben, nur um Lafontaine und seine Partei nicht in die Regierungsverantwortung zu bringen.

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