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Vorwahlkampf : Total entspannt im Korsett

Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier Bild: dpa

Steinbrück meldet sich aus dem Urlaub zurück, doch sein langjähriger Vertrauter Albig rät ihm von der SPD-Kanzlerkandidatur ab. Albig schlägt Steinmeier vor. Und was ist mit Gabriel?

          Vor knapp einem Jahr sagte Olaf Scholz einmal, der Kanzlerkandidat der SPD werde zu gegebener Zeit in der Luft liegen. Dieses Wort wird in der Partei seither oft zitiert, so als spreche es für sich selbst: Es werde nicht irgendeinen Hinterzimmer-Deal geben; derjenige würde es werden, der seiner Partei den größten Erfolg verspreche. Das ist sicher richtig.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Doch, so wie der salzige Geschmack bei einem Strandspaziergang in der Luft liegt, weil der Wind ihn vom Meer dorthin getragen hat, so hängt auch die Frage, welcher Kandidat letztlich am Horizont erscheint, mit dem Luftdruck in der Partei sowie medialen Auf- und Gegenwinden zusammen. Man täte dem Hamburger Bürgermeister, der seit seinem Wechsel von der Spree zur Alster die sogenannte Troika sicher mit Interesse und nicht ohne Belustigung beobachtet, Unrecht, wenn man ihm unterstellte, er habe angenommen, die Drei würden bis zur Entscheidung die Füße still halten.

          Steinmeier, Gabriel oder Steinbrück?

          Nach diesem Wochenende ist festzuhalten, dass die Sommerbrise Frank-Walter und der Hurrikan Sigmar doch noch Konkurrenz bekommen sollen durch einen vom Süden her kommenden Orkan namens Peer. Steinbrück ist zurück aus Afrika. In Botswana hat er Urlaub gemacht und Nashörner beobachtet. Das sind seine Lieblingstiere, jedenfalls sagt das der Mann, dem sein Image offenbar gefällt. Ob er privat auch mal gerne mit Meerschweinchen schmust, ist nicht bekannt.

          Da es zwischenzeitlich sehr ruhig um ihn geworden war, so ruhig, dass angenommen wurde, er habe nun verstanden, dass die SPD ihn nicht als Kandidaten wolle, sagte er nun der „Süddeutschen Zeitung“: „Ist doch interessant, wie sich die Meinungen ändern. Letztes Jahr hieß es, ich hätte mich zu sehr in den Vordergrund geschoben. Jetzt ist es umgekehrt. Ich werde auf die Dosis achten bei Auftritten.“

          In der Tat hatte es im vergangenen Jahr, nach Wortmeldungen Steinbrücks, die in der Partei als Versuche einer Selbstausrufung gewertet wurden, sowie nach öffentlichen Belobigungen durch Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, dieses Gefühl gegeben. Vor allem wohl in Sigmar Gabriel, der auf dem Bundesparteitag im Dezember zornig ins Mikrofon rief: Die Partei (deren Vorsitzender er ist) entscheide die Frage - und sonst niemand.

          Alles laufe nach Plan

          Die Vorstellung, dass Steinbrück sich ob dieser Schelte vorgenommen haben könnte, sichtlich gelassen der weiteren Entwicklung entgegenzusehen und sich nur noch wohldosiert zu äußern, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Denn zwei Tage vor dieser Äußerung wurden „Vertraute“ Steinbrücks bei „Spiegel Online“ zitiert - Tenor: Der Mann sei trotz des sommerlichen Nachrichtenwirbels Gabriels, trotz der Berichte, wonach es in der K-Frage auf Frank-Walter Steinmeier hinauslaufe, wenn dieser seine Frau und sich selbst endlich überzeugt habe, „total entspannt“. Alles laufe nach Plan und bald werde man merken, dass er wieder da sei. Im September werde er ein Konzept zur Finanzmarktregulierung präsentieren.

          So total entspannt ist Steinbrück, dass „Vertraute“ (böse Zungen behaupten, eigentlich müsse der Singular verwendet werden) den SPD-Berichterstattern in Berlin einen regelrechten Herbststurm namens Peer ankündigen. Und wie harmonisch das Verhältnis zu Gabriel ist, der im Sommer mit seinen Thesen zur Bändigung der Banken die Schlagzeilen bestimmte, offenbart der Hinweis aus Steinbrücks „Umfeld“: Einzelteile machten noch keinen Motor.

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