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Vor Flüchtlingsunterkunft : Handgranate galt dem Wachpersonal

Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen am 29. Januar 2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) den Tatort vor einer Flüchtlingsunterkunft. Bild: dpa

Der Handgranatenanschlag auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen hat wahrscheinlich keinen fremdenfeindlichen Hintergrund. Die Ermittler gehen von einem Konflikt zwischen Sicherheitsfirmen aus.

          Der Handgranatenanschlag auf Wachleute einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen ist  mit großer Wahrscheinlichkeit von osteuropäischen Einwanderern verübt worden. Nach den Ermittlungen der Sonderkommission „Container“ gibt es derzeit keine Indizien für einen rechtsextremistischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Wahrscheinlich, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen, habe es sich um einen Konflikt  konkurrierender Sicherheitsfirmen gehandelt, die im Schwarzwald-Baar-Kreis tätig seien. Vier Tatverdächtige im Alter von 23, 27 und 37 Jahren nahm die Polizei fest, fast alle sollen einen „osteuropäischen Migrationshintergrund“ haben.

          In der Nacht zum 29. Januar hatten die Tatverdächtigen eine Handgranate aus jugoslawischer Produktion (Typ M52) auf einen Container vor der behelfsmäßigen Erstaufnahmeeinrichtung (BEA) geworfen. Die Handgranate war entsichert, aber sie zündete nicht, so dass durch den Anschlag keine Menschen zu Schaden kamen. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hatten den Handgranatenwurf bemerkt und die Polizei alarmiert. Von Spezialkräften war die Handgranate dann kontrolliert gesprengt worden. Es konnte zunächst nicht ermittelt werden, ob die Handgranate von den Tätern überhaupt hätte gezündet werden können. In der BEA sind derzeit etwa hundert Flüchtlinge untergebracht, einige hatten die Unterkunft für wenige Stunden aus Sicherheitsgründen verlassen müssen.

          Ermittler hatten schon kurz nach der Tat vermutet, dass Konflikte zwischen konkurrierenden Sicherheitsfirmen eine Rolle gespielt haben könnten. Der Aufbau von Flüchtlingsnotunterkünften hat der Sicherheitsbranche ein sprunghaftes Umsatzwachstum beschert. Nach Angaben der Polizei sind zur Aufklärung der Tat Personen und Organisationen im Schwarzwald-Baar-Kreis, die zur rechtsextremistischen Szene gerechnet werden, sehr gründlich überprüft worden.

          Mit der Festnahme der vier Tatverdächtigen sowie Durchsuchungen, so die Polizei, sei die Arbeit der Sonderkommission noch nicht beendet. Details zu den Hintergründen der Tat könne man derzeit und in den nächsten Tagen aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht bekannt geben. An den Ermittlungen waren auch der baden-württembergische Verfassungsschutz, das Landeskriminalamt und das Bundeskriminalamt beteiligt. Gegen drei Beschuldigte hat die Staatsanwaltschaft Konstanz Haftbefehl erlassen, weil die mutmaßlichen Täter gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben.

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