Home
http://www.faz.net/-gpf-75xtf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vergewaltigungsopfer abgewiesen Kardinal Meisner entschuldigt sich nach Kölner Klinikaffäre

Die Zurückweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach den Trägern hat sich nun auch Erzbischof Meisner bei dem Opfer entschuldigt und eine Aufarbeitung des Falles angekündigt.

© dapd Vergrößern Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken in Köln entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, teilte der Erzbischof am Dienstag in einer Stellungnahme mit. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen. „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

Die Patientin habe in großer Not Hilfe gesucht und keine Aufnahme gefunden. Eine Vergewaltigung sei ein schlimmes Verbrechen. „Gerade hier müssen wir jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe leisten“, so Meisner. Dies schließe die Spurensicherung ein. „Deshalb muss jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen“, sagte der Erzbischof.

Meisner sagte, dass das Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen von vielen Menschen nicht geteilt werde. Er sprach von einer „grundsätzlichen und bedrängenden moralischen Entscheidung“ und einer „geradezu unerträglichen Entscheidungssituation“. Dennoch sei er davon überzeugt, „dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren“. 

Abweisung von Vergewaltigungsopfer © dapd Vergrößern Das katholische Heilig Geist-Krankenhaus in Köln

Im Dezember hatte eine Notärztin in Köln versucht, die Spurensicherung bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei vom katholischen Cellitinnen-Orden getragenen Kliniken vornehmen zu lassen. Beide Häuser verweigerten dies jedoch mit Hinweis auf ihre Ethikrichtlinien. Der Träger entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Vorgangs und bezeichnete ihn als „Missverständnis“.

Vergewaltigte Frauen würden nicht abgewiesen, allerdings werde ihnen die „Pille danach“ nicht verschrieben. Weil diese eine befruchtete Eizelle töten kann, lehnt die katholische Kirche sie wie jede Methode der Abtreibung ab.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/dpa/KNA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Katholische Kirche Kardinal Woelki saniert den Vatikan

Der Papst hat dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki eine neue Aufgabe zugeteilt. Er soll bei der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls mitmachen. Mehr Von Jan Grossrth

31.03.2015, 16:58 Uhr | Wirtschaft
Thema Vergewaltigung Ungarinnen empört wegen Polizeivideo

In Ungarn sorgt ein Polizeifilm für Empörung. In einem Präventionsvideo zum Thema Vergewaltigung wird Frauen eine Mitschuld gegeben. Mehr

18.12.2014, 09:16 Uhr | Gesellschaft
Katholische Kirche Holocaust-Leugner Williamson abermals exkommuniziert

Der wegen Volksverhetzung verurteilte Geistliche Richard Williamson ist aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Er soll mit einer unerlaubten Bischofsweihe gegen Kirchenrecht verstoßen haben. Mehr

21.03.2015, 05:24 Uhr | Gesellschaft
Kampagne der Polizei Ungarinnen protestieren gegen Machos

Eine Kampagne der Polizei gegen Vergewaltigungen hat in Ungarn zu Protesten geführt. Ein Fernsehspot suggeriert, dass Frauen mit schuld seien, wenn sie nach einem Disco-Besuch vergewaltigt werden. Mehr

11.12.2014, 11:48 Uhr | Gesellschaft
TV-Kritik Maischberger Die Sehnsucht nach dem Schlussstrich

Dürfen sich die Deutschen siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch als Opfer betrachten? In der Sendung von Sandra Maischberger entwickelt diese Frage einige Sprengkraft. Mehr Von Thomas Thiel

01.04.2015, 05:33 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.01.2013, 14:05 Uhr

Hoffnung für Nigeria

Von Jochen Stahnke

Mit dem friedlichen Machtwechsel hat Nigeria einen weiteren Schritt in Richtung einer wahrhaften Demokratie getan. Auch wenn viele weitere nötig sind: Das gibt einem ganzen Kontinent Zuversicht. Mehr 1 7