http://www.faz.net/-gpf-75xtf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.01.2013, 14:05 Uhr

Vergewaltigungsopfer abgewiesen Kardinal Meisner entschuldigt sich nach Kölner Klinikaffäre

Die Zurückweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach den Trägern hat sich nun auch Erzbischof Meisner bei dem Opfer entschuldigt und eine Aufarbeitung des Falles angekündigt.

© dapd Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Kliniken in Köln entschuldigt. „Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis“, teilte der Erzbischof am Dienstag in einer Stellungnahme mit. Was der Frau widerfahren sei, hätte nie geschehen dürfen. Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen. „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

Die Patientin habe in großer Not Hilfe gesucht und keine Aufnahme gefunden. Eine Vergewaltigung sei ein schlimmes Verbrechen. „Gerade hier müssen wir jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe leisten“, so Meisner. Dies schließe die Spurensicherung ein. „Deshalb muss jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen“, sagte der Erzbischof.

Meisner sagte, dass das Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen von vielen Menschen nicht geteilt werde. Er sprach von einer „grundsätzlichen und bedrängenden moralischen Entscheidung“ und einer „geradezu unerträglichen Entscheidungssituation“. Dennoch sei er davon überzeugt, „dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren“. 

Abweisung von Vergewaltigungsopfer © dapd Vergrößern Das katholische Heilig Geist-Krankenhaus in Köln

Im Dezember hatte eine Notärztin in Köln versucht, die Spurensicherung bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei vom katholischen Cellitinnen-Orden getragenen Kliniken vornehmen zu lassen. Beide Häuser verweigerten dies jedoch mit Hinweis auf ihre Ethikrichtlinien. Der Träger entschuldigte sich nach Bekanntwerden des Vorgangs und bezeichnete ihn als „Missverständnis“.

Vergewaltigte Frauen würden nicht abgewiesen, allerdings werde ihnen die „Pille danach“ nicht verschrieben. Weil diese eine befruchtete Eizelle töten kann, lehnt die katholische Kirche sie wie jede Methode der Abtreibung ab.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET/dpa/KNA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tödliche Attacke in Reutlingen Mit einem Dönermesser durch die Stadt gelaufen

Zuerst tötet er eine Frau, dann terrorisiert und verletzt er in Reutlingen Passanten und Autofahrer. Vermutlich war es eine Beziehungstat, doch für viele steht die Nationalität des Täters im Vordergrund. Mehr

25.07.2016, 05:16 Uhr | Gesellschaft
Nach Amoklauf Gläubige beten für die Toten von München

In der Frauenkirche in München haben Gläubige an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen. Die beiden großen Kirchen haben nach dem Amoklauf von München ihre Gemeinden aufgerufen, für die Toten und Verletzten zu beten. Eine offizielle Gedenkfeier soll in der kommenden Woche in München abgehalten werden. Mehr

24.07.2016, 21:26 Uhr | Gesellschaft
Ansbach Was wir über die Bombenexplosion wissen - und was nicht

Bayerns Innenminister geht von einem islamistischen Hintergrund, das Innenministerium ist sich noch nicht sicher über die Motive. Was genau bekannt ist über die Explosion in Ansbach und was nicht. Der Überblick. Mehr

25.07.2016, 13:54 Uhr | Politik
Ansbach Täter war polizeibekannt

Dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann zufolge war der 27-jährige Syrer, der sich am Sonntagabend in vor einem Konzertgelände in Ansbach in die Luft sprengte, bereits wegen anderer Vorfälle polizeibekannt gewesen. Sein Asylantrag sei vor einem Jahr abgelehnt worden. Er habe aber den Status der Duldung gehabt, sagte Hermann. Mehr

25.07.2016, 13:40 Uhr | Politik
Amokläufe Der Massenmörder, mein Vorbild

Kriminologen warnen, dass Berichte über Amokläufer Nachahmungstätern als Vorlage dienen können – und tatsächlich finden sich bei Winnenden, Utøya und München Gemeinsamkeiten. Mehr Von Rüdiger Soldt

24.07.2016, 21:31 Uhr | Politik

Tödliche Gefahren

Von Reinhard Müller

Der Staat wird nicht daran gemessen, wie viele Polizisten er hat - sondern ob er bei Anschlägen und Amokläufen wie in München oder Ansbach schnell und entschlossen gegen Gewalt vorgeht. Mehr 1 7