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Verdacht der Vorteilsnahme : Staatsanwaltschaft durchsucht Wulffs Privathaus in Großburgwedel

  • Aktualisiert am

Durchsucht: das Wohnhaus der Familie Wulff in Großburgwedel Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Haus der Familie Wulff in Großburgwedel durchsucht. Die Aktion sei „auf freiwilliger Basis“ ohne Durchsuchungsbeschluss verlaufen, sagte ein Sprecher. „Herr Wulff war kooperativ.“

          Die Staatsanwaltschaft hat am Freitagnachmittag das Privathaus des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff durchsucht. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Hannover waren an der Durchsuchung des Hauses in Großburgwedel neben einem Vertreter der Anklagebehörde fünf Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamts beteiligt.

          Es seien unter anderem Computer mit Festplatten beschlagnahmt worden. Die Aktion habe im Einvernehmen mit Wulff stattgefunden, weshalb ein förmlicher Durchsuchungsbeschluss nicht nötig gewesen sei. „Herr Wulff war kooperativ“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Reuters.

          Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den 52 Jahre alten früheren Bundespräsidenten  wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, weil dieser sich als niedersächsischer Ministerpräsident auf Kosten des Filmunternehmers David Groenewold einen Kurzurlaub auf Sylt hatte bezahlen lassen. Allerdings hatte Wulff betont, er habe dem Unternehmer den Betrag in bar zurückerstattet. Eine von Groenewolds Firmen hatte zuvor in Niedersachsen eine Landesbürgschaft erhalten. Wulff hatte sein Amt Mitte Februar niedergelegt, nachdem er monatelang wegen eines umstrittenen Hauskredits und seinen Kontakten zu Unternehmerfreunden in der Kritik stand.

          Durchsucht: Christian Wulff am Freitag auf dem Weg in sein Haus in Großburgwedel Bilderstrecke
          Durchsucht: Christian Wulff am Freitag auf dem Weg in sein Haus in Großburgwedel :

          Am Freitag wurde überdies bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover  im Zuge der Ermittlungen gegen Wulff auch Büroräume und die Wohnung des Filmproduzenten David Groenewold durchsucht hat. „Wir bestätigen hiermit, dass gestern eine einvernehmlich mit der Staatsanwaltschaft Hannover vereinbarte Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume unseres Mandanten stattfand“, teilte Groenewolds Anwaltskanzlei Moser Bezzenberger mit.

          Die Staatsanwaltschaft in Hannover wollte die Durchsuchung nicht kommentieren. Die Ermittler stellten nach Informationen der „Bild“-Zeitung am Donnerstagabend in Berlin umfangreiches Daten- und Aktenmaterial sicher. Groenewold werde sich seiner Kanzlei zufolge zu dem laufenden Verfahren mit Rücksicht auf die Arbeit der Ermittlungsbehörden derzeit nicht äußern.

          Die Staatskanzlei in Hannover übergab den Ermittlern unterdessen weitere Unterlagen. „Insgesamt wurden rund 450 Seiten aus unserem Haus abgegeben“, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident David McAllister (CDU). In allen Ministerien würden Mitarbeiter weiter nach Unterlagen zum Verhältnis zwischen Wulff und Groenewold suchen. Es werde zudem nach Akten zum Verhältnis zwischen Groenewold und Wulffs früherem Sprecher Olaf Glaeseker gesucht. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Lobby-Treffen Nord-Süd-Dialog wegen Verdachts der Bestechlichkeit.

          „Focus Online“ berichtete, dass die Hausdurchsuchung in Großburgwedel schon für Donnerstag geplant gewesen sei. Wegen der Anwesenheit zahlreicher Journalisten sei die Aktion aber kurzfristig abgesagt worden. Staatsanwaltschaft und Wulffs Anwalt Gernot Lehr wollten dazu auf dpa-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Die Ermittler rechnen damit, dass das Verfahren gegen Wulff mehrere Monate dauern wird. Rund 20 Beamte sind mit dem Fall beschäftigt.

          Vor zwei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Wulff und Groenewold wegen möglicher Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung eingeleitet. Groenewold soll Wulff in dessen Amtszeit als niedersächsischer CDU-Regierungschef Urlaube auf Sylt bezahlt haben. Wulff bestreitet dies.

          Quelle: AFP/dpa

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