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Verbrauchte Gleise : Berliner Hauptbahnhof muss saniert werden

Im Sommer 2015 werden die oberen Gleise des Berliner Hauptbahnhofs drei Monate lang gesperrt. Bild: dpa

Der Sanierungsbedarf ist seit längerem kein Geheimnis: Der Berliner Hauptbahnhof muss im Sommer 2015 wegen umfangreicher Gleisarbeiten mehrere Monate lang gesperrt werden. Verkehrsminister Ramsauer ist verärgert.

          Mit Verblüffung ist in Berlin die Mitteilung der Bahn aufgenommen worden, dass im Sommer 2015 die oberen Gleise des erst 2006 fertiggestellten Hauptbahnhofs drei Monate lang für den Fern- und Regionalverkehr gesperrt werden müssen.

          Mechthild Küpper

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Sanierungsbedarf ist seit längerem kein Geheimnis: Schon seit Ende 2011 dürfen Züge im Ostteil des Bahnhofs wegen schadhafter Schrauben an den Übergängen der Gleisbrücken nur mit Tempo 40 statt wie vorgesehen mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern fahren. Weil die S-Bahnen leichter sind, brauchen sie nicht abzubremsen. Die Sanierung der S-Bahn-Gleise soll anschließend geschehen, sie soll zwei Monate dauern. Im Nah- und im Regionalverkehr ist mit erheblichen Belastungen für die Fahrgäste zu rechnen. Der Fernverkehr soll während der Bauarbeiten über die unterirdischen Gleise geleitet werden. Die Sanierung soll etwa 25 Millionen Euro kosten, wie die Deutsche Bahn bestätigte.

          Bahnhofsdach wird nicht komplettiert

          Es ist allerdings nicht vorgesehen, die lange Sperrung dafür zu nutzen, das 2006 wegen Zeitdrucks vor der Fußball-Weltmeisterschaft nicht vollständig errichtete Dach zu komplettieren. Die nicht eingebauten Glasteile der Dachkonstruktion liegen seither im Lager. Die Bahn hatte bislang darauf verwiesen, das Dach könne nicht vervollständigt werden, weil dazu die oberen Bahnhofsgleise gesperrt werden müssten.

          Besonders aufmerksam wird das Schicksal des Hauptbahnhofs verfolgt, weil zwei Akteure, die damals für die Bahn an verantwortlicher Stelle arbeiteten, heute den Flughafen BER in Schönefeld fertigstellen sollen. Der eine ist Hartmut Mehdorn, nun Vorsitzender der Geschäftsführung der Berliner Flughafengesellschaft, der andere ist der Ingenieur Hany Azer, damals Projektleiter am Berliner Hauptbahnhof. Azer war danach auf der Baustelle Stuttgart 21 tätig, schied dort aber aus. Mehdorn will ihn nun auf den BER zurückholen.

          Ramsauer: Wieder so ein typischer Fall

          Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) reagierte am Mittwoch verärgert auf die Nachrichten von den Baumängeln am Bahnhof. „Aber das ist auch wieder so ein typischer Fall: Man baut keine erprobten, belastbaren Techniken mehr ein, sondern es muss immer was revolutionär Neues sein.“

          Wenn so früh schon Wartungsarbeiten in dem Umfang erforderlich würden, sei das ärgerlich, sagte er dem Fernsehsender n-tv. Just am Mittwoch stellte Ramsauer der Öffentlichkeit seine neue Reformkommission Großprojekte vor, die den Ursachen für Baukosten- und Zeitüberschreitungen bei großen Infrastrukturvorhaben auf den Grund gehen soll. Das sei „nicht noch eine Kommission“, sondern eine Gruppe von herausragenden Fachleuten, die Baupannen bei Großprojekten wie etwa am Berliner Flughafen oder bei Stuttgart 21 vermeiden solle. „Wir können es ja eigentlich in Deutschland“, sagte Ramsauer. Aber es gebe Mängel in der Planung. Der Kommission gehören auch der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube sowie der Londoner Olympia-Manager Klaus Grewe an, der auch am Berliner Hauptbahnhof tätig war.

          Die Bahn wollte derweil nicht bestätigen, dass sich im konkreten Fall eine innovative Technik nicht bewährt habe. Die geplanten Sanierungsarbeiten am Berliner Hauptbahnhof sind aufwändig, weil der Beton aufgebohrt und neu vergossen werden muss, um die darin eingelassenen, abgebrochenen Schrauben auszutauschen. Der Kommentar aus Wowereits Senatskanzlei hieß: „Sache der Bahn“.

          Quelle: FAZ.NET

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