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Verbot der „Hell’s Angels“ Die im Dunkeln sieht man nicht

Ein Mann behauptet, die hessische Polizei habe ihm Kokain und Sportwagen finanziert - für Informationen über den Rockerclub Hell’s Angels. Die Behörden widersprechen, bestätigen aber manche Anekdote.

© Hoang Le, Kien Vergrößern An ’nem schönen blauen Samstag: Mehrere hundert Harley-Fahrer demonstrieren 2012 in Frankfurt gegen das Verbot der Hell’s Angels

Es ist eine Geschichte, die auch als Vorlage für einen bis nach Irland und Israel reichenden Polizeithriller im Rocker- und Rotlichtmilieu taugt. Ausgerechnet wenige Tage vor der Gerichtsentscheidung über das Ende September 2011 vom hessischen Innenminister Boris Rhein (CDU) spektakulär verhängte Verbot der Frankfurter „Charter“ des Rockerclubs Hell’s Angels als kriminelle Vereinigung hat sich ein Informant der Polizei aus seinem Versteck in Israel heraus gemeldet.

Thomas Holl Folgen:      

Seit Tagen plaudert der heute 43 Jahre alte Daniell M.-D. gegenüber einem Reporter der „Frankfurter Neuen Presse“ sehr detailfreudig über seine 18 Monate als „gefährdeter Zeuge“ in der Obhut der Polizei. Es sind wilde Geschichten, in denen die Ermittler des Landeskriminalamtes Hessen dem Deutsch-Israeli Luxusautos der Marke Porsche und seinen Kokainkonsum mit Steuergeldern finanziert haben sollen - als Gegenleistung für wertvolle Tipps über die kriminellen Geschäfte der Hell’s Angels.

„Von A bis Z erlogen“

Zumindest diesen im Wahljahr brisanten Teil der Enthüllungen hat das Landeskriminalamt Hessen hart dementiert: „Die Behauptung, die hessische Polizei habe Leasingraten für Luxuswagen der Marke Porsche und Hummer für Daniell M.-D. übernommen oder ihm diese Fahrzeuge zur privaten Nutzung überlassen, ist falsch. Die Behauptung, die hessische Polizei habe Kokain für Daniell M.-D. bezahlt, ist falsch.“

Von „A bis Z erlogen“ sei auch M.-D.s Behauptung, dass er als gezielt eingeschleuste „V-Person oder Kronzeuge“ der Polizei seit 2007 die Rockerszene im Frankfurter Bahnhofsviertel infiltriert habe, heißt es in den Sicherheitsbehörden. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf Antrag des Innenministeriums wegen Geheimnisverrats offenbar aus den Reihen der Polizei. Zwar wird der Kern von M.-D.s Geschichte von den Landeskriminalämtern Hessen und Rheinland-Pfalz inoffiziell bestätigt.

Die Polizei schützte M.-D. tatsächlich als Zeugen vor der Rache der Rocker. Doch der nun offengelegte Umgang mit dem Informanten wirft Fragen über die Beurteilung des Zeugen auf. Die Ermittler hatten sich von M.-D. weit mehr gerichtsfestes Material gegen die von Innenminister Rhein als hoch gefährlich eingeschätzten Rockerclub mit dem Totenkopf im Emblem versprochen, als dieser liefern konnte.

Schneller Zugang zu Szenengrößen

In Rheins Ministerium versichert man deshalb nachdrücklich, dass Informationen von M.-D. nicht zur Begründung der Verbotsverfügung gegen die beiden Frankfurter „Charter“ der Hell’s Angels dienten, über deren Rechtmäßigkeit der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel am 21. Februar entscheidet. Wie es aus Ermittlerkreisen heißt, tauchte der vorbestrafte M.-D. erstmals Anfang Mai 2010 im Polizeipräsidium Frankfurt auf. In einer Dienststelle, die sich mit organisierter Kriminalität befasst. Was der Mann zunächst glaubwürdig erzählte und an Informationen anbot, elektrisierte die Beamten.

Der Mann von kräftiger Statur berichtete, dass er das Führungspersonal der Frankfurter Hell’s Angels gut kenne, Informationen über deren kriminelle Geschäfte und korrupte Polizisten liefern könne. Als „Prospect“, der vor der Aufnahme als „Member“ bei den Hell’s Angels stand, habe er Zugang zum inneren Zirkel gehabt. Nach seiner Haftentlassung 2009, so heißt es in der Polizei, tauchte der später wegen Betrügereien an seinen Kunden verurteilte Dachdecker in das Rotlichtviertel rund um den Frankfurter Hauptbahnhof ein, in der Hell’s-Angels-Mitglieder nach Erkenntnissen der Ermittler das Geschäft mit Sex, Drogen und Waffen kontrollieren.

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Veröffentlicht: 15.02.2013, 16:15 Uhr