04.06.2012 · Alle Parteien machen sich Gedanken über den Schutz der Urheberrechte im Netz und über Bezahlmodelle. Die Piraten auch: mit einem wirren Online-Dialog.
Von Marie Katharina WagnerRichtlinien für Lesermeinungen
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Letztlich eine unergiebige Diskussion.
Nichts, das sich im Netz befindet, kann wirklich geschützt werden.
Diesbezüglich erübrigt sich jede Diskussion, da kein
Urheberrecht der Welt daran etwas ändern kann.
Früher wurde vom Radio aufgenommen und unter Freunden kopiert.
Heute geschieht letztlich nichts anderes, zwar in größerem
Umfang, aber das Prinzip ist dasselbe. Wo also liegt das Problem? Sind
Urheber und Verwerter wirklich der Meinung, ihre Umsätze
würden signifikant steigen, wenn es einen funktionierenden Schutz
gäbe? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Heute kopiert jeder mehr oder weniger wahllos alles, was ihm vor den PC
kommt. Das aber würde sich schlagartig ändern,
müßte er das auch alles bezahlen. Und so bleibt für mich
eigentlich nur die Frage, ob durch das Kopieren denn überhaupt ein
Schaden vorliegt. Ich denke, so manche heute gekaufte CD oder DVD
wäre nie gekauft worden, hätte sich der Kopierer nicht
kostenlos "informieren" können.
Zumindest für die Musik- und Filmindustrie könnte der
Schuß auch nach hinten
Endlich ein "gerechter Ausgleich der Interessen..."?
Ich stolpere immer schon gleich über diesen einen Satz. Er
hört sich an, als stünden sich zwei gesellschaftliche Gruppen
existenziell auf Augenhöhe gegenüber: Auf der einen Seite das
Heer der Benachteiligten, denen offensichtlich seit langer Zeit schon
das auszugleichende Unrecht widerfährt, die bedroht sind, und denen
die Politik nun endlich per Gesetzesänderung zu ihrem verdienten
Recht verhelfen soll und auf der anderen Seite die Privilegierten, die
sich im Schatten der Öffentlichkeit ein rechtlich sanktioniertes
Verdienstmodell eingerichtet haben, das ihnen eine anstrengungslose
Existenz auf Kosten der ersteren sichert - zum Schaden der Gesellschaft.
Nur, ist das nicht alles Fiktion? Einen ernstzunehmenden
Interessenskampf kann es doch nur da geben, wo für ALLE Beteiligten
gleichwertig etwas auf dem Spiel steht. Bei Tarifverhandlungen z.B.,
zwischen Lärmopfern und Flughafenbetreibern z.B. - aber hier?
sich auch, innerhalb dieser Diskussion, Gedanken machen, ob es rechtmäßig ist, gestohlene, meist durch Industriespionage erhaltene Datensätze, zu kaufen. Passt zwar nicht ganz zum Thema - aber ein bisschen schon!
- Wir haben staatl. Künstlerförderung (Künstler als auch
einzelne projekte wie Filme)
- Wir zahlen für viele Speicher- & Kopiermedien eine Pauschale,
wie z. b. für jeden USB-Stick, die sogar demnächst trastisch
erhöht werden soll.
- Künstler als auch Verlage haben durch diverse Regelungen wie
spezielle Kassen, Preisbindungen etc... diverse Vorteile.
- Diverse Schutzmaßnahmen an (künstlerischen) Produkten geht
weit über 'normale' Maßen hinaus wie z. b. Urheberschutz, der
weit über die lebensspanne des künstlers noch gilt.
Hinzu kommt noch die Frage, wer denn hier eigentlich geschützt
wird: der Künstler selbst oder die 'Rechtefirmen' (Verlag und
GEMA), die vor allem am 'Geld' in diesen branchen providieren (den viele
Künstler werden meist mit ziemlich wenig abgespeist und dürfen
dafür so gut wie alle Rechte an ihren Produkten abgeben).
Und nun soll jede Kopie, jeder Austausch derartig hart und restriktiv
gehandhabt werden, obwohl die Öffentlichkeit derartig viel schon subventioniert?
Jeder Eigentümer seiner Sache sollte doch bitteschön SELBER
entscheiden, was immer er mit seiner Sache machen will und was nicht.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, alles andere wäre eine Art
Enteignung der Besitzer.
Wie dumm ist denn eine Gesellschaft, die es gestattet, das Diebe an die
Beklauten Forderungen stellen darf?
Wieso muß ein Eigentümer mit anderen Menschen über sein
Eigentum sprechen ?
Was geht andere Leute fremdes Eigentum überhaupt an?
Was ist denn das für eine idiotische und unreife Ideologie, anderen
Menschen was wegzunehmen, nur weil es techisch sehr leicht geht?
Die Künstler oder Hersteller einer Sache müssen doch
bitteschön SELBER und ALLEINE entscheiden was sie mit ihrem
Eigentum machen können. Da gibt es nichts zu "verhandeln".
Das ist ein bißchen komplizierter...
... als es von Ihnen dargestellt wird.
Geistiges Eigentum kann man zum einen nicht mit Sachgütern
vergleichen. Zum anderen denken Sie doch mal darüber nach, was in
relativ kurzer Zeit passieren würde, wenn z.B. nichts mehr
gemeinfrei werden würde, wenn Patente nicht mehr auslaufen
könnten und wenn sich jeder auf die Ewigkeit auch banale Sätze
wie "ich liebe es" sichern könnte...
Es geht überhaupt nicht darum, irgend jemandem etwas wegzunehmen.
Nur muss auch für den (Internet-)Nutzer eine Rechtssicherheit
geschaffen werden, die davor schützt, z.B. in Abmahnfallen zu
tappen. Und vor allem dürfen keine Grundrechte angetastet werden,
nur um die Pfründe der Verwerter zu schützen.
Dass der vielstimmige Chor der politischen Frontleute so sprechsingt,
als ab er Ahnung von der Sache hätte, ist nicht neu. Dass der
Bürger ihm das inhaltlich nicht abnimmt, auch nicht. Sonst
gäbe es keinen politischen Kommentar, keinen sachlichen
Widerspruch. Neu ist, dass die Piratenpartei an dieser Stelle weniger so
tut, als ob und statt dessen im großen Stil und öffentlich
Meinungen einsammelt wo andere Parteien Angst haben, ihre gleichgeartete
Ahnungslosigkeit zu zeigen und sich gerne privatim besprechen, in der
eigenen Lobby sozusagen, auf dem Dienstweg im Tonfall des Hinterzimmergesprächs.
Gerade aus dem vermeintliche Chaos der öffentlichen
Piraten-Diskussionen zu extrahieren, erscheint als Möglichkeit, den
Prozess der politischen Meinungsbildung journalistisch zu begleiten.
Ohne in Interview-Kneipen kungeln zu müssen.
"was so nie in deren Programm stand."
Nur, deren Lausprecher, von der schrecklichen Schramm bis zum CCC-fefe,
waren sehr deutlich FÜR die Abschaffung (geistiges Eigentum =
„ekelhaft“). Die Schramm jedenfalls solange, wie sie selbst
nicht Autorin war; danach hat sie - wg. 100.000 Euros - erst relativiert.
Piraten stellen Begriffe wie "Urheberrecht",
"Diebstahl" und "geistiges Eigentum" bewusst in
Anführungszeichen als gäbe es das nicht. Und wer spricht denn
andauernd abfällig von "Content-MAFIA"?
Klingt vernünftig, was die Piraten sagen.
Wenn die Urheber ein reformiertes Recht wollen, müssen sie schon sagen wie sie es gerne hätten. Das alte Urheberrecht ist überholt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 05.06.2012 09:20 UhrAch ja,
der monolithische und sich völlig einige Block der Urheber. Als ob
es den gäbe. Und als wäre "Urheber" ein Beruf in
einer einzigen Branche.
Dass das Urheberrecht überholt ist, sehen ja mittlerweile beileibe
nicht nur die Piraten so. Welches allerdings wem genehm wäre bleibt
immer noch nebulös. Es ist im Übrigen irrig, anzunehmen dass
bei einer nationalen oder europäischen Urheberrechtsreform
konsumentenseitig alle Probleme verschwinden werden. So wird sich z.B.
mit altem wie mit neuem Urheberrecht die GEMA weiter fröhlich mit
Google um youtube streiten. Und auch das gruselige Taktieren
amerikanischer Serienproduzenten wird so schnell nicht aufhören.