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„Unteilbar“-Demonstration : Fast eine Viertelmillion demonstriert für eine offene Gesellschaft

  • Aktualisiert am

Der Protestmarsch war eine der größten Demonstrationen gegen Rassismus und Ausgrenzung in den letzten Jahren. Bild: dpa

Die Veranstalter haben mit 40.000 Teilnehmern gerechnet – doch offenbar sind mehr als fünfmal so viele Menschen nach Berlin gekommen, um gegen Ausgrenzung auf die Straße zu gehen. Unterstützt wurden sie von einem Mitglied der Bundesregierung.

          Zur Großdemonstration in Berlin für ein tolerantes und weltoffenes Deutschland haben sich nach Angaben der Veranstalter am Samstag mehr als 240.000 Menschen versammelt. Damit sei die Kundgebung „bereits jetzt ein Erfolg“, erklärte die Sprecherin des Bündnisses „Unteilbar“, Theresa Hartmann. Allein die Anzahl der Demonstranten zeige, „dass für viele Menschen die Zeit gekommen ist, in der sie sich laut gegen Ausgrenzung und Sozialabbau zur Wehr setzen müssen.“

          Bei „Unteilbar“ handelt es sich um ein breites Bündnis aus Tausenden Vereinen, Verbänden und Organisationen. Dem Bündnis schlossen sich etliche kirchliche Organisationen, Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Parteien an. Unter anderem SPD-Politiker und Pro Asyl hatten zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen. Unterstützt wird das Bündnis außerdem von Künstlern, Wissenschaftlern und anderen Intellektuellen. Ein Polizeisprecher zeigte sich am Nachmittag mit dem bisherigen Verlauf der Demonstration zufrieden. Bislang sei die Kundgebung störungsfrei verlaufen.

          Maas: „Wir lassen uns nicht spalten“

          Außenminister Heiko Maas unterstützt die Großdemonstration. Der SPD-Politiker nannte es ein großartiges Signal, dass am Samstag so viele auf die Straße gehen. „Wir lassen uns nicht spalten – von rechten Populisten schon gar nicht“, sagte Maas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag).

          Er betonte, die Mehrheit in Deutschland stehe für Toleranz und Weltoffenheit. Neuer Nationalismus löse kein einziges Problem. „Wir brauchen keine Abschottung, sondern mehr internationale Zusammenarbeit. Eine Vielfalt der Herkünfte, Hautfarben, Religionen und Lebensstile ist für uns eine Bereicherung und keine Bedrohung.“ Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus dürften keinen Platz haben, „weder bei uns noch irgendwo sonst auf der Welt“, sagte Maas weiter.

          Die „Unteilbar“-Demonstration am Samstag am Alexanderplatz in Berlin

          Am Samstag um 12 Uhr waren die Otto-Braun-Straße und die Alexandrinenstraße am Alexanderplatz schon mit Tausenden Menschen gefüllt, von denen viele Transparente, Plakate und Luftballons mit sich führten. Unter anderem war zu lesen „Nein zur Hetze gegen Muslime“ und „Rassismus ist keine Alternative“. Ab 13 Uhr sollte sich der Aufzug in Bewegung setzen. Die Strecke führt über die Leipziger Straße, den Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor und dann zur Siegessäule. Nach der Demonstration ist eine Abschlusskundgebung mit Musiker-Auftritten geplant. Für den Abend ist unter anderem ein Auftritt Herbert Grönemeyers angekündigt.

          Zahlreiche Organisationen, Verbände und Parteien unterstützen den Aufruf – ebenso einige Prominente wie der Schauspieler Benno Fürmann, der Fernsehmoderator Jan Böhmermann und die Band Die Ärzte.

          Die Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, wies vorab Berichte zurück, sie habe der „Unteilbar“-Demonstration eine Absage erteilt. Die von ihr gegründete linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ erklärte am Freitag, dass Wagenknecht den Aufruf zu der Demo zwar inhaltlich kritisiert habe, aber unabhängig davon befürworte, „dass möglichst viele Menschen gegen Rechtsentwicklung und Rassismus auf die Straße gehen“. Zugleich werbe sie dafür, in Zukunft auch Menschen in diesen Protest einzubeziehen, „die für eine Regulierung der Migration eintreten“.

          Die Pressesprecherin der „Unteilbar“-Demonstration, Anna Spangenberg (l.), bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Im Hintergrund der Schauspieler Benno Fürmann und Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband (r.)

          Die Initiatoren der Demonstration rufen dazu auf, für das Recht auf Schutz und Asyl und gegen die Abschottung Europas zu streiten. Wagenknecht hatte zuletzt häufiger vor offenen Grenzen und einer unbegrenzten Migration in den deutschen Arbeitsmarkt gewarnt.

          Wagenknechts Co-Vorsitzender Dietmar Bartsch sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die Linksfraktion im Bundestag hat beschlossen, zur Teilnahme an der ‚Unteilbar‘-Demonstration aufzurufen. Ich persönlich werde auch gern dabei sein. Dass Sahra Wagenknecht sich von diesem Aufruf distanziert, habe ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.“

          Berliner CDU unterstützt Demonstration nicht

          Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner und andere rügten Wagenknecht wegen ihrer Kritik. „Sahra Wagenknechts ‚Aufstehen‘ hat sich in meinen Augen blamiert und diskreditiert“, sagte Kellner dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (Samstag). Dass sich vor allem die AfD über Wagenknechts Kritik an der Demonstration freue, sage doch schon alles.

          Teilnehmer an der „Unteilbar“-Demonstration am Samstag in Berlin vor dem Brandenburger Tor

          Die Berliner CDU unterstützt die Großdemonstration ausdrücklich nicht. Anmelder sei ein Anwalt der „Roten Hilfe“, also einer Organisation, die „linksextremistische Verbrecher“ unterstütze, sagte Generalsekretär Stefan Evers zum Auftakt eines CDU-Landesparteitags. „Wenn heute demokratische Politiker oder gar Minister Seite an Seite mit linksextremistischen Organisationen durch die Stadt ziehen, dann ist das entweder naiv oder politisch unverantwortlich.“

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