Elf Universitäten haben den Exzellenzstatus bis zum Jahre 2017 errungen. Das gaben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat nach der letzten Auswahlrunde der Exzellenzinitiative in Bonn bekannt. Zu den Aufsteigern zählen die Humboldt-Universität zu Berlin, die TU Dresden und die Universitäten Bremen, Köln und Tübingen. Ihren Exzellenzstatus verteidigen konnten die FU Berlin, die RWTH Aachen, die TU München sowie die Universitäten in München, Heidelberg und Konstanz. Ihren Exzellenzstatus verloren haben das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Universitäten Freiburg und Göttingen. Im Finale gescheitert sind die Neubewerber Bochum und Mainz.
In Freiburg hat vor allem das Frias (Freiburg Institute for Advanced Studies), ein international ausgerichtetes Forschungskolleg für hervorragend qualifizierte Wissenschaftler aus den Geschichtswissenschaften und historisch arbeitenden Nachbardisziplinen, die Gutachter nicht überzeugen können. Das KIT in Karlsruhe konnte seinen Verlängerungsantrag für das Exzellenzcluster nicht verteidigen, so dass die Voraussetzung für den Exzellenzstatus fehlte. Göttingen hatte seinen Fortsetzungsantrag offenbar nicht überzeugend begründet und keine entsprechenden Forschungsergebnisse vorzuweisen.
Über den Exzellenzstatus entschieden hat der sogenannte Bewilligungsausschuss, in dem die Politik 32 und die Wissenschaft 39 Stimmen hat. Vertreter von DFG und Wissenschaftsrat hatten die Universitäten mit Hilfe einer Art Exzellenz-Ampel in drei Gruppen eingeteilt: grün für die Universitäten, die auf alle Fälle dabei bleiben, gelb für Wackelkandidaten, rot für diejenigen, die keine Chance haben. Offenbar ist die Entscheidung weitgehend wissenschaftsgeleitet gefällt worden, und zwar nach kurzen Debatten ohne Dissens zwischen Politik und Wissenschaft. Allerdings wurde in Bonn noch einmal darüber diskutiert, ob nicht doch zwölf Universitäten, wie ursprünglich gedacht, den Exzellenzstatus erringen können.
Dresden erste ostdeutsche Elite-Universität
Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte, auch mit drei Exzellenzuniversitäten und nicht mit vier, wie bisher, stehe ihr Land an der Spitze der Bundesländer. Es gehöre zu einem Wettbewerb, dass es eine relevante Zahl von Auf- und Absteigern gebe. Dass Tübingen den Exzellenzstatus errungen habe, sei ein „starkes Signal“. Allein nach Tübingen werden in den kommenden fünf Jahren 70 Millionen Euro an Fördergeldern von Bund und Land fließen. Das Zukunftskonzept Tübingens zielt vor allem auf eine bessere Verzahnung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung. Auch Konstanz erreichte sein Maximalziel und konnte die drei Fortsetzungsanträge verteidigen sowie eine weitere Graduiertenschule „Chemische Biologie“ hinzugewinnen. Die Fusion der Universität Karlsruhe mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sei von den Gutachtern ausgesprochen gelobt worden, sagte Frau Bauer, das Land werde diesen Weg weitergehen. Mit Freiburg und Karlsruhe werde das Wissenschaftsministerium die Schwächen analysieren, die zum Abstieg geführt haben, und Auswege suchen. Nach dem Verlust des Exzellenzstatus sorgt eine Auslauffinanzierung der DFG dafür, dass die Universitäten nicht mit Investitionsruinen zurechtkommen müssen.
Die Technische Universität Dresden ist die erste ostdeutsche Universität, die den Exzellenztitel führen kann. Sie ist die größte Technische Universität Deutschlands mit 14 Fakultäten und war schon 2006 mit einer Graduiertenschule und einem Exzellenzcluster erfolgreich. Im Fall der Universität Köln wurde honoriert, dass eine Massenuniversität mit außerordentlich vielen Lehramtsstudenten innovative Lehrerbildung zu ihrem Schwerpunkt gemacht hat. Die bayerischen Universitäten konnten ihren Exzellenzstatus nicht nur verteidigen, es wurden auch 17 der insgesamt 20 Förderanträge bewilligt.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bezeichnete die Exzellenzinitiative als großen Schub für das Wissenschaftssystem. Sie habe zu einer größeren internationalen Sichtbarkeit der Hochschulen geführt. Damit der Bund sich dauerhaft engagieren könne, sei nun eine Grundgesetzänderung nötig, sagte Frau Schavan. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Wolfgang Marquardt sagte in Bonn, die Gutachter seien beeindruckt gewesen vom Reformwillen der Universitäten und ihrer Fähigkeit zur Veränderung.
Für die Auswahl der Graduiertenschulen (Promotionsprogramme) und Exzellenzcluster (fächerübergreifende Forschungsverbünde) lag die Federführung bei der DFG, für die Zukunftskonzepte beim Wissenschaftsrat. Nur wer mindestens eine Graduiertenschule und ein Exzellenzcluster errungen hatte, konnte auch ein Zukunftskonzept einreichen. Beworben hatten sich mehr als zwei Drittel aller Universitäten, im Finale waren 46 beteiligt, das ist fast die Hälfte aller Universitäten. Gefördert werden insgesamt 39 Universitäten mit 2,4 Milliarden Euro. Allein die Humboldt-Universität ist mit drei Exzellenclustern und fünf Graduiertenschulen aus dem Wettbewerb gegangen. In der Bund-Länder-Initiative wurden in einer ersten Runde in den Jahren 2006 bis 2011 etwa 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, für den Zeitraum von 2012 bis 2017 sind es weitere 2,4 Milliarden Euro. Drei Viertel der Gelder sind Bundesmittel, ein Viertel müssen die jeweiligen Länder aufbringen. Insgesamt waren 680 Wissenschaftler im Einsatz, die alle eingegangenen Anträge begutachteten und an den Begehungen beteiligt waren. 80 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland. Sämtliche Anträge wurden auf Englisch formuliert und abgegeben.
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Eliten-Schaffung per Dekret...
Mario Rutar (Rufaz)
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Scheinlegitimation einer politischen Entscheidung
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