Nach den vorläufigen Ergebnissen hat - personalpolitisch gesehen - die spätsommerliche Klausurberatung des Vorstandes der CDU/CSU-Bundestagsfraktion einen Gewinner und eine Verliererin. Gewinner war Peter Altmaier, der leutselig, gut gelaunte und beliebte Bundesumweltminister. Verliererin ist Ursula von der Leyen, die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin. Über Altmaier wurde von offizieller Seite nur das Beste berichtet. Über Frau von der Leyen wurden - mit Blick auf die von ihr ausgelösten Rentendebatten - nur deren Unvollkommenheiten erläutert. Selbst der Dank Volker Kauders, des Vorsitzenden der Unions-Fraktion, dafür, dass die Arbeitsministerin ein wichtiges Thema der Politik angesprochen habe, war ein vergiftetes Lob. In Wirklichkeit wurden nach dem Ende der Klausurberatung des Fraktionsvorstandes die Angriffe auf Frau von der Leyen fortgesetzt - mit überaus spitzen Formulierungen vor allem des Fraktionsvorsitzenden.
Sowohl der Inhalt als auch die Form, in der die Arbeitsministerin am vergangenen Wochenende auf den Umstand aufmerksam gemacht hatte, die Rentenanwartschaften vieler Arbeitnehmer seien im Jahr 2030 so gering, dass im Sinne einer Zuschussrente das Versicherungsprinzip durch eine Fürsorgekomponente ergänzt werden müsse, hatte die Führung der Fraktion und auch die Spitze des Bundeskanzleramtes aufgebracht. Und je mehr Kauder bei seinen Erläuterungen über Frau von der Leyen herzog, desto mehr strahlte die neben ihm stehende - und in die gleiche Kerbe hauende - CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt.
Dringlich gebe er den Rat, äußerte Kauder, das „Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung“ dürfe nicht „kleingeredet werden“ - was in der aktuellen Situation nichts anderes bedeutete als den Vorwurf, Frau von der Leyen habe - und das auch noch ein Jahr vor der Bundestagswahl - das Vertrauen der Arbeitnehmer in die Rente zerstört. Wie ein Messer wirkte der Hinweis des Fraktionschefs an die Bundesministerin, eine Regierung sei dazu da, entstandene Probleme zu lösen. Probleme zu beschreiben - das sei Sache der Opposition. „Wir sind die Problemlöser, nicht die Problembeschreiber.“
„Panikmache“ und „Rentenschock“
Die interne Aussprache im Fraktionsvorstand über die Rentenangelegenheit war am Mittwochnachmittag abgehalten worden, und alsbald machten Hinweise die Runde, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kauder und Frau Hasselfeldt hätten der Arbeitsministerin „Panikmache“ vorgeworfen, weil seit der Veröffentlichung ihrer Zahlen von „Rentenschock“ die Rede sei. Zwar gab es Teilnehmer der Sitzung, die meinten, so schlimm sei es für die Ministerin nun auch wieder nicht gewesen. Aber in der Union werden politische Auseinandersetzungen gemeinhin auch nicht mit dem Degen, sondern mit dem Florett ausgefochten. Jedenfalls wurde notiert, dass die Arbeitsministerin von lediglich zwei Vorstandsmitgliedern, und selbst von diesen nur auf vorsichtige Weise, verteidigt wurde. Die Ministerin selbst vertrat ihre Position. Mit Blick auf ihre Prognosen über Renteneinkommen ab 2030 sagte sie: „Die Zahlen sind hart, aber sie sind Realität.“ Und: „Das Thema liegt jetzt auf dem Tisch und muss bearbeitet werden.“
Hasselfeldt: Die Situation ist besser als von der Leyen sie beschreibt
Doch machte die Fraktionsführung auch tags darauf noch ihre Auffassung deutlich, das Zahlenwerk Frau von der Leyens sei „nicht realistisch“. Einiges unterschlage sie, anderes verkürze sie. Die Grundlagen der Rentenpolitik müssten „realistisch“ sein, sagte Frau Hasselfeldt. Ob die künftige Situation der Renten besser sei, als von der Arbeitsministerin beschrieben, wurde die CSU-Politikerin gefragt. „So ist es“, lautete die Antwort. Und Kauder fügte, die „Rente ab 67“ im Blick, den Hinweis an, die Unterstellung der Ministerin von 35 Jahren beruflicher Tätigkeit künftiger Rentner sei „unrealistisch“.
Kauder wollte in der Öffentlichkeit nicht einmal versichern, Frau von der Leyen habe sein persönliches oder das „Vertrauen“ der Fraktionsführung. Entsprechender Frage wich er aus. Er habe Frau von der Leyen gedankt, dass sie ein Thema zur Diskussion gestellt habe, für die man sich nun sehr viel Zeit nehmen müsse, gab er zur Antwort. Vielleicht war Kauder die Bemerkung, Frau von der Leyen habe sein Vertrauen, nicht rechtzeitig eingefallen. Vielleicht dachte er, jeder wisse doch, er vertraue ihr. Öffentlich jedenfalls blieb der mächtige Fraktionschef - und engste Berater der Bundeskanzlerin - in dieser Personalfrage im Ungefähren. Und dass sich Kauder über den von ihm nicht erwarteten öffentlichen Vorstoß Frau von der Leyens am vergangenen Sonntag geärgert hatte, ließ er gleich auch noch öffentlich wissen. Er schaue morgens in die Zeitung. Dann erfahre er, welches Thema nun abzuräumen sei.
Alle loben Altmaier
Wie anders aber klangen die Bemerkungen über Peter Altmaier. Vorstandsmitglieder erzählten, wie hervorragend der Umweltminister in der Sitzung präpariert gewesen sei und wie schnell er sich in eine für ihn fremde Materie eingearbeitet habe. In Angelegenheiten der Energiewende habe Altmaier „den richtigen Ton“ gefunden, lobte Kauder seinen früheren Parlamentarischen Geschäftsführer. Der habe „Ziele“ benannt“, habe aber auch das „Einbinden“ - also die Suche nach Konsens - damit verbunden. Altmaiers Darlegungen seien „realistisch“ gewesen. Die Energiewende sei ein „zentrales Thema“ der Regierungspolitik. Man wolle - und werde - sie zum „Erfolg“ führen.
Ursula von der Leyen aber scheint zum Kämpfen gewillt. Sie sprach mit „Spiegel-Online“. Sie sagte: „Ich habe schon einige politische Stürme erlebt und ich habe sehr gute Freunde in der Politik, die sagen: Kopf hoch, das ist ein wichtiges Thema.“ In der Debatte über die Zuschussrente gehe es „um eine grundlegende Gerechtigkeitsfrage im Rentensystem“. Die Ministerin versicherte: „Diesen Kampf stehe ich auch durch.“
Nur wenn der Kuchen von morgen groß ist, lässt sich
Altersarmut in 30 Jahren verhindern.
Emil Pohl (Pohlemil)
- 08.09.2012, 13:14 Uhr
Ablenkung vom Desaster des Bildungspaketes und Versicherungsaquise
Florian Adler (Florianadler)
- 07.09.2012, 03:06 Uhr
Ja, ja, die Rente ist sicherer...
Harald Sulzmann (hsulzmann)
- 07.09.2012, 02:42 Uhr
Recht hat Sie ja,
Holger Schmitt (Exitone)
- 06.09.2012, 21:44 Uhr
Frau von der Leyen verdient höchstes Lob...
Thomas Meyer (meyerstom)
- 06.09.2012, 20:43 Uhr