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Union : Mir gäbet nix

Nach der langen Nacht von Niedersachsen ist die Union wieder ganz schwäbische Hausfrau. Die hält ihre Stimmen zusammen: Man weiß ja nicht, wofür sie noch gebraucht werden.

          Nach der langen Nacht von Niedersachsen ist die Union wieder ganz schwäbische Hausfrau: Mir gäbet nix. Leihstimmen an die FDP, das war einmal. Von Berlin bis in die Provinz heißt es jetzt, man habe nichts zu verschenken. Das stimmt zwar in jedem Fall, denn die Stimmen „gehören“ immer noch den Wählern. Doch raten CDU und CSU ihren Anhängern nun dringend davon ab, an der Wahlurne zu taktieren. Denn das kann schiefgehen. Und nach künftigen Wahlen könnten die Unionsparteien die Prozentpunkte schmerzlich vermissen, die, wenn es für ein schwarz-gelbes Bündnis nicht reichte, nutzlos, vielleicht aber sogar zum Schaden für die Union an die FDP „verschenkt“ worden wären, etwa wenn sie eine „Ampel“ ermöglichten.

          In Niedersachsen hatten sich die vier Hauptkonkurrenten in der Schlachtordnung aufgestellt, in der sie, Koalitionsaussage hin oder her, auch in die Bundestagswahl ziehen werden: Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün. Die SPD wittert nach diesem Zittersieg, den sie nicht Steinbrück, sondern den Grünen verdankt, Morgenluft; im Bundesrat will sie der Regierung Merkel den Rest geben. Doch ist es nach diesem Fotofinish und bei diesem Kanzlerkandidaten alles andere als ausgemacht, dass die Bundestagswahl eine rot-grüne Mehrheit hervorbringt. Im Bund spielt nämlich auch noch die Linkspartei mit, die das Duo Gabriel-Steinbrück, sollten die Grünen nicht genügend Stimmen beisteuern, vor die Gretchenfrage stellen würde, der sie bisher tunlichst auswichen.

          Von nun an gilt: Jeder für sich

          Auch der „Leihstimmen-sind-blöd“-Chor in der Union zeigt, dass sich diese schon Gedanken macht, was zu tun ist, wenn ihr Bündnis mit der FDP nicht genügend Wähler anzieht. McAllister verlor sein Amt nicht, weil so viele Stimmen von der CDU zur FDP wanderten, sondern weil beide Parteien zusammen nicht stark genug waren. Das könnte auch im Bund so kommen, weshalb jetzt in der Union gilt: Jeder für sich und Gott nur mit jenen, die an ihn glauben.

          Der Wahlkampf wird ganz auf die Kanzlerin zugeschnitten sein. Das Ziel lautet, die Union so stark zu machen, dass gegen sie nicht regiert werden kann. Damit ist freilich noch nicht gesagt, mit wem sie regieren würde, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reichte. Schon mit den grünen Kraftmeiern? Die Blockade im Bundesrat wäre freilich auch mit ihnen nicht zu brechen, sondern nur von einer großen Koalition.

          Quelle: F.A.Z.

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