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„Unhaltbarer Zustand“ : Käßmann fordert Ende der deutschen Rüstungsproduktion

  • Aktualisiert am

Will „Arbeitsplätze in konstruktive Produktionen verlagern“: Margot Käßmann Bild: dpa

„Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen“, sagt Margot Käßmann. Sie freue sich, wie sehr die Deutschen den Krieg ablehnten, äußert die frühere EKD-Vorsitzende.

          Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat deutsche Waffenexporte scharf kritisiert und ein Ende der Rüstungsproduktion in Deutschland gefordert. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass wir der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sind“, sagte Käßmann der „Bild am Sonntag“. „Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen.“

          Das Argument des Wirtschaftswachstums dürfe bei Rüstungsexporten nicht gelten, sagte die Theologin. „Da geht es um 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Es muss doch möglich sein, diese Arbeitsplätze in konstruktive Produktionen zu verlagern“, sagte Käßmann der „BamS“.

          In einem ersten Schritt solle der Bundestag über alle Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter öffentlich diskutieren und die Empfängerländer stark begrenzt werden, schlug Käßmann vor. „Das Mindeste ist, dass wir nur an stabile Demokratien exportieren. Rüstungsgeschäfte mit Ländern wie Saudi-Arabien sind unverantwortlich.“ Die Bundesregierung solle sich für präventive und friedenserhaltende Vermittlermissionen einsetzen. Sie selbst freue sich, wie sehr die Deutschen den Krieg ablehnten. „Der Satz ’Nie wieder Krieg’ ist fest verankert in der Gesellschaft“, stellte Käßmann fest.

          Käßmann fühlt sich mitverantwortlich für Männerdominanz

          Käßmann empfindet zudem Mitverantwortung dafür, dass Frauen in kirchenleitenden Funktionen unterrepräsentiert sind. Wenn bei Treffen ranghoher Kirchenvertreter nur Männer auftreten, denke sie: „Es ist auch Deine Verantwortung, dass dort keine Frau zu sehen ist“, sagte Käßmann.

          Die damalige hannoversche Bischöfin Käßmann war 2009 als erste Frau an die Spitze der EKD gewählt worden. Im Februar 2010 trat sie nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von allen kirchlichen Leitungsämtern zurück. Heute wirbt sie im Auftrag der EKD für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

          Die 56 Jahre alte Theologin sagte, sie habe längere Zeit gebraucht, sich den Fehler zu verzeihen: „Alle Vorwürfe, die man mir machen konnte, habe ich mir selbst am lautesten gemacht. Warum habe ich kein Taxi genommen, warum bin ich nicht gelaufen?“ Heute könne sie sagen: „Vielleicht sollte es so sein.“ Sie genieße eine „ganz neue Lebensphase mit viel persönlicher Freiheit“. „Ich habe es richtig gut“, sagte Käßmann.

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