http://www.faz.net/-gpf-7q6sw

„Unhaltbarer Zustand“ : Käßmann fordert Ende der deutschen Rüstungsproduktion

  • Aktualisiert am

Will „Arbeitsplätze in konstruktive Produktionen verlagern“: Margot Käßmann Bild: dpa

„Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen“, sagt Margot Käßmann. Sie freue sich, wie sehr die Deutschen den Krieg ablehnten, äußert die frühere EKD-Vorsitzende.

          Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat deutsche Waffenexporte scharf kritisiert und ein Ende der Rüstungsproduktion in Deutschland gefordert. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass wir der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sind“, sagte Käßmann der „Bild am Sonntag“. „Wir können doch nicht die Kriege beklagen, die wir mit Waffen erst möglich machen.“

          Das Argument des Wirtschaftswachstums dürfe bei Rüstungsexporten nicht gelten, sagte die Theologin. „Da geht es um 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Es muss doch möglich sein, diese Arbeitsplätze in konstruktive Produktionen zu verlagern“, sagte Käßmann der „BamS“.

          In einem ersten Schritt solle der Bundestag über alle Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter öffentlich diskutieren und die Empfängerländer stark begrenzt werden, schlug Käßmann vor. „Das Mindeste ist, dass wir nur an stabile Demokratien exportieren. Rüstungsgeschäfte mit Ländern wie Saudi-Arabien sind unverantwortlich.“ Die Bundesregierung solle sich für präventive und friedenserhaltende Vermittlermissionen einsetzen. Sie selbst freue sich, wie sehr die Deutschen den Krieg ablehnten. „Der Satz ’Nie wieder Krieg’ ist fest verankert in der Gesellschaft“, stellte Käßmann fest.

          Käßmann fühlt sich mitverantwortlich für Männerdominanz

          Käßmann empfindet zudem Mitverantwortung dafür, dass Frauen in kirchenleitenden Funktionen unterrepräsentiert sind. Wenn bei Treffen ranghoher Kirchenvertreter nur Männer auftreten, denke sie: „Es ist auch Deine Verantwortung, dass dort keine Frau zu sehen ist“, sagte Käßmann.

          Die damalige hannoversche Bischöfin Käßmann war 2009 als erste Frau an die Spitze der EKD gewählt worden. Im Februar 2010 trat sie nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von allen kirchlichen Leitungsämtern zurück. Heute wirbt sie im Auftrag der EKD für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

          Die 56 Jahre alte Theologin sagte, sie habe längere Zeit gebraucht, sich den Fehler zu verzeihen: „Alle Vorwürfe, die man mir machen konnte, habe ich mir selbst am lautesten gemacht. Warum habe ich kein Taxi genommen, warum bin ich nicht gelaufen?“ Heute könne sie sagen: „Vielleicht sollte es so sein.“ Sie genieße eine „ganz neue Lebensphase mit viel persönlicher Freiheit“. „Ich habe es richtig gut“, sagte Käßmann.

          Quelle: AFP/epd

          Weitere Themen

          Lindners Leute

          Mögliche FDP-Fraktion : Lindners Leute

          Sollte die FDP wieder in den Bundestag einziehen, würden viele neue Gesichter in den Plenarsaal kommen. Mit dieser Truppe müsste der Parteivorsitzende Lindner versuchen, das Image der Klientelpartei abzulegen.

          Trump mahnt Reform der Vereinten Nationen an Video-Seite öffnen

          Amerika : Trump mahnt Reform der Vereinten Nationen an

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat massive Kritik an den Vereinten Nationen geübt und erhebliche Reformen bei der Weltorganisation verlangt. Die Vereinten Nationen blieben wegen Bürokratie und Missmanagements weit unter ihrem Potenzial, sagte Trump am Montag beim ersten Besuch des UN-Sitzes in New York seit seiner Amtseinführung im Januar.

          Staubwolken über Mexikostadt Video-Seite öffnen

          Starkes Erdbeben : Staubwolken über Mexikostadt

          Bei einem starken Erdbeben in Mexiko sind mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende Menschen haben die Erschütterungen mit ihren Smartphones gefilmt, so auch ein Mann auf einem Hochhaus, der die Ausmaße der Zerstörung in Mexikostadt festgehalten hat.

          Topmeldungen

          UN-Vollversammlung : „Niemand wird Amerika wieder vertrauen“

          Mit seiner Rede vor der UN hat Donald Trump für Entsetzen gesorgt – und viel Applaus seiner Basis eingeheimst. Einer der vom amerikanischen Präsidenten Kritisierten wird heute die Antwort auf die Vorhaltungen liefern.

          Erdbeben in Mexiko : Zahl der Toten steigt auf mehr als 200

          In der Hauptstadt stürzten mehrere Hochhäuser ein, in einer Schule wurden Kinder unter den Trümmern begraben. Millionen Menschen sind ohne Strom. In der Nacht zu Mittwoch gab es zahlreiche Nachbeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.