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Unesco „Oberharzer Wasserregal“ ist Weltkulturerbe

 ·  Eines der größten vorindustriellen Energieversorgungssysteme ist Deutschlands 33. Welterbe: Das 500 Kilometer lange „Oberharzer Wasserregal“ sorgte dafür, dass trotz wechselhaften Wasserzulaufs der Erzabbau im Harz gesichtert war.

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Die Unesco hat am Samstag in Brasília die Liste der Welterbestätten um das „Oberharzer Wasserregal“ erweitert. Im Vorjahr hatte die Unesco das Wattenmeer auf die Liste der Stätten von „außergewöhnlichem universellen Wert“ gesetzt. Damit ist unter den 33 Unesco-Welterbestätten in Deutschland nach dem Bergwerk Rammelsberg im Harz, der Völklinger Hütte und der Zeche Zollverein in Essen ein viertes Denkmal der Industriegeschichte als international einzigartig ausgezeichnet worden. Alle vier hängen mit dem Bergbau zusammen. Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Wanka (CDU) sprach am Sonntag von einer berechtigten Auszeichnung eines „Meisterwerks menschlicher Schöpfungskraft“.

Das Wasserregal im Harz gilt seit dem Mittelalter als Meisterwerk der Wasserbautechnik. Es gibt in Europa mit dem sächsischen Freiberg sowie in Norwegen, der Slowakei und in Schweden weitere Wassersysteme für den Bergbau – das Oberharzer System aber gilt als älter, ausgeklügelter und komplexer. Das Wasserregal gilt nicht als neue Welterbestätte, sondern als Erweiterung einer bestehenden: Es ergänzt das Erzbergwerk Rammelsberg – das einzige Bergwerk der Welt, das kontinuierlich mehr als tausend Jahre lang in Betrieb war – und die Altstadt von Goslar mit der Kaiserpfalz, die 1992 Weltkulturerbe wurden. Der Südosten Niedersachsens, in dem Dom und Michaeliskirche in Hildesheim schon 1985 ausgezeichnet wurden, hat nun auf engstem Raum drei Weltkulturerbestätten. Eine vierte, die Schuhleistenfabrik Fagus in Alfeld als vom jungen Walter Gropius erbauter „erster Industriebau der Moderne“, hofft bald zu folgen.

Gesicherte Energieversorgung für den Abbau

Das Oberharzer Wasserregal wurde zum größten Teil vom 16. bis zum 19. Jahrhundert erbaut, die ältesten Teile aber wurden schon im zwölften Jahrhundert von Zisterziensern geschaffen. Deren Kloster Walkenried am südlichen Harzrand wurde ebenso einbezogen in das erweiterte Weltkulturerbe wie drei Schachtanlagen, darunter St. Andreasberg mit der weltweit letzten erhaltenen Fahrkunst – durch sie sind Bergleute in den Schacht ein- und ausgefahren.

Das Wasserregal – der Name stammt vom königlichen Hoheitsrecht (Regal) auf Bergbau und Wasser – ist eines der größten vorindustriellen Energieversorgungssysteme. Es kanalisierte das für den Erzbergbau unerlässliche Wasser durch ein System von Teichen, Stollen, Gräben, Schächten und Wasserrädern. Sie sorgten dafür, dass trotz wechselhaften Wasserzulaufs die Energieversorgung gesichert war und damit die Möglichkeit des Abbaus. Die meisten Bergwerke lagen hoch im Gelände und in der Nähe von Wasserscheiden – und damit von wenig ergiebigen Bächen. Auch nach dem Ende des Abbaus von Silber, Blei, Kupfer blieben Teile des Wasserregals in Nutzung, etwa als Stauteiche für die Trinkwassergewinnung und den Hochwasserschutz.

Bikini-Atoll und Häftlingsstätten in Australien

Das Wasserregal in der Umgebung von Clausthal-Zellerfeld hat mehr als 120 Stauteiche, 500 Kilometer Gräben, 18 Kilometer hölzerne Wasserrinnen (Gefluder) und 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe. Mal wurde das Oberflächenwasser damit gesammelt und gespeichert, mal in die Gruben und Hütten umgeleitet. Wasserräder wurden auf Strecken mit äußerst geringem Gefälle bisweilen kaskadenartig hinter- und untereinander angeordnet, damit das Wasser gleich mehrere Wasserräder antreiben konnte. Mit ihrer Hilfe trieben Bergleute Pumpen und Antriebsräder an – etwa um tiefgelegene Schächte und Stollen zu entwässern. Der 1720 erbaute Oderteich war bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein die größte Talsperre Mitteleuropas. Während der Bergbau im Harz im Juli 2007 mit der Schließung der Grube „Wolkenhügel“ nach offiziell 1039, inoffiziell sogar 3000 Jahren endete, ist das Oberharzer Wasserregal zwar schon seit Jahrzehnten Denkmal, aber weiterhin in Benutzung – nun als Wasserspeicher, für Angler oder als Badeteich.

Auf der Tagung der Unesco in Brasilien hatten sich insgesamt 32 Kultur- und Naturerbestätten um eine Aufnahme beworben. Zu den neu aufgenommenen Welterbestätten zählen neben dem Oberharzer Wasserregal die französische Bischofsstadt Albi sowie Amsterdam mit dem Stadtviertel und dem Kanalsystem der Singelgracht. Das Welterbekomitee nahm auch das Bikini-Atoll in die Liste auf; dort führten die Vereinigten Staaten zwischen 1949 und 1958 Atomwaffentests durch. Zudem wurden etwa der Ngorongoro-Krater in Tansania, die erste Hauptstadt des saudischen Königreichs, eine Sternwarte in Indien und Häftlingsstätten in Australien aufgenommen.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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