Home
http://www.faz.net/-gpg-t2zs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

UN-Friedenstruppe Übernimmt Deutschland das Marine-Kommando?

25.08.2006 ·  Die Bundeswehr soll angeblich die Führung der Marinekräfte der UN-Friedenstruppe im Libanon übernehmen. Außerdem will Verteidigungsminister Jung für knapp sechs Milliarden Euro neue Fregatten, U-Boote und geschützte Transportfahrzeuge anschaffen.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (2)

Die Bundeswehr wird voraussichtlich die Führung der Marinekräfte der UN-Friedenstruppe im Libanon übernehmen. Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ sollen die Marineeinheiten im Rahmen der so genannten erweiterten Unifil-Mission unter deutschem Kommando die Seegrenze des Libanon sichern.

In Führungskreisen der Bundeswehr hieß es dem Bericht zufolge, der derzeitige Leiter der Einsatzflottille 1 der Bundesmarine in Kiel, Flottillenadmiral Andreas Krause, solle Kommandeur des Unifil-Marinekontingents werden. Krause habe sich am Donnerstag lange mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der Marinestützpunkte in Kiel und Flensburg besuchte, besprochen.

„Grobe Spekulationen“?

Man gehe davon aus, daß für die Überwachung des 225 Kilometer langen libanesischen Küstenstreifens fünf Fregatten mit 2000 bis 3000 Soldaten notwendig sein werden, hieß es bei der Marine. Neben Fregatten sollen auch Schnellboote und Minenjagdboote zum Einsatz kommen. Bislang haben neben Deutschland auch Dänemark, Norwegen und die Niederlande der UN-Truppenstellerkonferenz in New York Marineeinheiten angeboten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, er könne den Bericht nicht bestätigen. Aussagen zu Ausgestaltung, Fähigkeiten, Kräften und Personen seien „grobe Spekulationen“.

Video: Regierung will Marine schicken

Bestätigt wurde aber ein Bericht der Zeitung „Die Welt“, nach dem Jung noch in diesem Jahr neue Rüstungsprojekte mit einem Volumen von knapp sechs Milliarden Euro auf den Weg bringen will. Für die Bundeswehr werde es in den nächsten Jahren neue Fregatten, U-Boote und für die Auslandseinsätze eine neue Generation geschützter Transportfahrzeuge geben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Jung wolle für das Heer 272 Fahrzeuge vom Typ „Boxer“ beschaffen. Die Kosten werden auf 891 Millionen Euro veranschlagt. 72 der für Auslandseinsätze wichtigen „Boxer“ sollen als Sanitätsvariante zur Aufnahme von Verwundeten ausgerüstet werden. Den ersten „Boxer“ erwarte die Bundeswehr 2008. Weitere große Projekte sind nach Informationen der Zeitung vier Fregatten vom Typ 125 für 2,2 Milliarden Euro sowie zwei U-Boote vom Typ 212 für 864 Millionen Euro. In die Modernisierung des seit 30 Jahren betriebenen Transporthubschraubers CH 53 wolle Jung rund 500 Millionen Euro stecken.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen