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Umweltschutz : „Der WWF ist schizophren“

Spielt angeblich mit verdeckten Karten: der WWF Bild: AFP

Der Dokumentarfilmer und Buchautor Wilfried Huismann wirft dem World Wide Fund For Nature vor, der Natur mehr zu schaden als zu nutzen. Der WWF spiele nicht mit offenen Karten. Ein Interview.

          Herr Huismann, Ihr Buch liest sich wie eine Anklageschrift gegen den World Wide Fund For Nature (WWF). Was haben Sie gegen diese Stiftung?

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Ich hatte nie etwas gegen den WWF. Es hat immer eine Sympathiewelle in mir ausgelöst, wenn ich den Panda irgendwo entdeckte. Aber im Rahmen einer Recherche über die ökologische Katastrophe in der chilenischen Lachsindustrie ist mir klargeworden, dass der WWF zu dieser Industrie sehr enge Beziehungen hat. Der WWF fördert diese bedenkliche Massentierzucht, indem er an einem „Nachhaltigkeitssiegel“ mitarbeitet, das aus meiner Sicht ökologisch wertlos ist.

          Das Siegel soll ja nur zeigen: Hier wird mehr für die Umwelt getan als gesetzlich vorgeschrieben. Jede Ernährungsweise hinterlässt doch einen „ökologischen Fußabdruck“.

          Ja, aber wenn für ein Kilogramm Lachs vier bis sechs Kilo wilder Fisch geopfert werden, vermindert das nicht den ökologischen Fußabdruck. Es fördert ein äußerst problematisches System. Der Lachs ist ein Raubfisch, und um ihn in der Aquakultur eiweißreich zu ernähren, muss man große Mengen wilden Fisch verfüttern. Selbst WWF-Mitarbeiter, die im Meeresschutz arbeiten, sagen: Es gibt keine nachhaltige Lachszucht, weil die Meere dadurch leer gefischt werden. Ich glaube, dass es vor allem um Profite der Fischindustrie geht und nicht um die Frage, wie sich die Menschheit sinnvoll ernähren kann. Ich ärgere mich darüber, wie hier Verbraucher hinters Licht geführt werden.

          Muss man denn nicht mit den Konzernen zusammenarbeiten, um sie zu verändern? Auf „Augenhöhe“, wie der WWF sagt?

          Natürlich, aber dazu muss man seine Unabhängigkeit wahren wie der BUND oder Greenpeace, die keine Spenden von Konzernen annehmen. Damit hat man eine Verhandlungsposition auf Augenhöhe und nicht, wenn man finanziell von denen profitiert, die man eigentlich kritisieren will. Das Gehalt einer Lachsexpertin des WWF Norwegen wurde jahrelang zu hundert Prozent von Marine Harvest bezahlt, dem größten Konzern der Branche.

          Firmenspenden machen laut dem WWF Deutschland gerade einmal sieben Prozent seiner Spendeneinnahmen aus.

          International ist das viel mehr. Und wenn die HSBC-Bank in London, eine der größten Banken der Welt, 100 Millionen Dollar springen lässt für ein Klimaschutzprojekt mit dem WWF, wird das Geld direkt in das Gemeinschaftsprojekt überwiesen. Es taucht dann nicht als Spende in der Bilanz des WWF auf. Hinzu kommen Lizenzeinnahmen, wenn Firmen den Panda zur Werbung einsetzen.

          Sie werfen dem WWF vor, nicht immer mit offenen Karten zu spielen. Können Sie das belegen?

          Nehmen wir nur das Projekt KAZA. Es geht um die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Tierschutzgebietes in der Kavango-Zambesi-Region. Der WWF wirbt um Spenden für afrikanische Elefanten, die angeblich vom Aussterben bedroht seien. Tatsächlich gibt es in einigen Staaten zu viele Elefanten, nicht zu wenige.

          Das soll ja ein Sinn des Schutzgebiets sein, dass die Elefanten sich besser verteilen können.

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