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Umweltpolitik Gabriel erwägt Stopp der Biosprit-Pläne

02.04.2008 ·  Vielen Fahrern älterer Autos bleiben höhere Tankkosten durch mehr Biosprit im Benzin voraussichtlich erspart. Die Pläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zur Verdoppelung des Bioethanol-Anteils im Benzin auf zehn Prozent stehen vor dem Aus.

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Vielen Fahrern älterer Autos bleiben höhere Tankkosten durch mehr Biosprit im Benzin voraussichtlich erspart. Die Pläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Verdoppelung des Bioethanol-Anteils im Benzin auf zehn Prozent stehen vor dem Aus, da nach Schätzungen der Autobranche mehr als eine Million Fahrzeuge den Sprit nicht vertragen. Die Bundesregierung will verhindern, dass zu viele Autofahrer Mehrkosten haben, weil sie teureren Sprit tanken müssen. Der Parlamentarische Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) rechnet damit, dass die Pläne zunächst vom Tisch sind.

Wenn zu viele Autofahrer statt Benzin Super tanken müssten und mit zusätzlichen Kosten belastet würden, „dann gehen wir davon aus, dass diese Verordnung nicht in Kraft treten kann“, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Diese sozialen und wirtschaftlichen Folgen seien „für uns wichtig“. Gabriel will die entsprechende Verordnung stoppen, wenn die Marke von einer Million Autos erreicht ist. Staatssekretär Müller sagte dem RBB-Inforadio, er gehe davon aus, dass diese Zahl erreicht werde.

ADAC rechnet mit drei Millionen Fahrzeugen

Der ADAC rechnet mit rund drei Millionen Fahrzeugen, die auf teureres Super plus ausweichen müssten und fürchtet, dass Bioethanol Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff beschädigt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte von 375 000 Fahrzeugen gesprochen, bei denen Probleme auftreten. VDA-Präsident Matthias Wissmann rechnet inzwischen mit weniger als den bisher angegebenen 375 000 „Benzinern“ deutscher Hersteller. Die Zahl werde „klar darunter“ liegen, sagte er in Ludwigsburg. Ausschlaggebend sind aber die Angaben der Importeure. Das Umweltministerium hofft, dass die Verbände ihre Zahlen an diesem Donnerstag vorlegen.

Die Bundesregierung hält dennoch am Ziel eines höheren Biospritanteils für den Klimaschutz fest. Die Verwendung von Biokraftstoffen sei richtig und diene dem Klimaschutz, sagte Steg. Offen ist, welche Folgen ein Scheitern des Zehn-Prozent-Anteils von Ethanol für die deutschen und europäischen Klimaschutzziele hätte. Dann stelle sich die Frage, wie die Biokraftstoffanteile zu erreichen seien, sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren.

Greenpeace: Deutscher Diesel zerstört Urwälder

Auch die Umweltschutzgruppe Greenpeace hat sich zu Wort gemeldet. Deutscher Diesel zerstöre Urwälder und heize den Klimawandel an. Denn ein Fünftel des Biodiesels in jeder Tankfüllung werde aus Sojabohnen gewonnen, die vor allem in Südamerika angebaut würden. Für die neuen Plantagen würden zum Beispiel in Argentinien riesige Urwaldgebiete gerodet, kritisierten die Umweltschützer am Mittwoch in Berlin. Greenpeace stellte die Ergebnisse einer Analyse vor, für die bundesweit Dieselproben an Tankstellen der drei großen Mineralölkonzerne Shell, Esso und Aral genommen worden waren. Getestet wurde, aus welchen Pflanzen der gesetzliche „Biosprit“-Anteil besteht. Die Analysen belegten, dass der beigemischte Pflanzendiesel nicht nur aus heimischem Rapsöl, sondern zu fast 20 Prozent aus Sojaöl gewonnen wird.

„Die Bundesregierung zwingt deutsche Autofahrer, den Urwald in Argentinien zu zerstören“, sagte Alexander Hissting, Agrarexperte von Greenpeace. „Setzt sich die Bundesregierung mit ihrer Politik durch, wird künftig noch mehr Wald dem Agrosprit zum Opfer fallen.“ Nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation bedeutet jedes Prozent mehr Beimischung von Agrodiesel in Deutschland über 700.000 Hektar zusätzlichen Sojaanbau im Jahr. Sollten 17 Prozent Beimengung erreicht werden, müssten voraussichtlich 4,9 Milliarden Liter Sojadiesel importiert werden. Die Sojaplantagen hierfür würden ein Ausmaß von fast zehn Millionen Hektar einnehmen und damit einer Fläche von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen entsprechen.

„Wer das Klima schützen will, muss die letzten Urwälder schützen“, forderte Hissting. Er nannte die Beimischungsquote einen Irrtum. So hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass es 319 Jahre dauern würde, bis der Einsatz von Sojadiesel die Menge an Treibhausgasen eingespart habe, die durch eine Abholzung des Amazonas für die Sojaplantage zuvor freigesetzt worden sei.

Höhn fordert Tempolimit

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte unterdessen ein Tempolimit. „Nach dem Scheitern der Beimischungsquote wird die Bundesregierung ihre Annahmen zum Klimaschutzbeitrag von Biokraftstoffen drastisch nach unten korrigieren müssen“, sagte sie. „Beim Tempolimit auf Autobahnen und bei den CO2-Grenzwerten für sparsamere Autos muss sich die Bundesregierung nun bewegen.“

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