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Umschulung Arbeitsloser : Über Abwege und Umwege zum Erzieher

Vom 1. August 2013 an haben Eltern Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Bislang mangelt es jedoch an Personal Bild: dapd

Bundesministerin Ursula von der Leyen will Arbeitslose für die Arbeit in Kitas qualifizieren. Eine Einrichtung in Frankfurt zeigt, dass das gelingen kann - mit gewissen Vorkehrungen.

          Mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten wollte Gert Hartmann eigentlich, seit er sich im Zivildienst um einen Jungen kümmerte, der an multipler Sklerose litt. Er begleitete ihn in die Schule, half beim Essen wie auf der Toilette und fuhr ihn zu Ausflügen. Zuvor hatte er Elektroniker gelernt, weil seine Eltern das für vernünftig hielten. Nach der Ausbildung wollte er aber nie wieder in diesem Beruf arbeiten. Also jobbte er in seinen Zwanzigern und Dreißigern, richtete Computernetzwerke ein, hob Gruben für Archäologen in der Wetterau aus und wusch Scherben aus der Steinzeit.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dazwischen war er immer wieder für mehrere Monate ganz ohne Arbeit. Die Vierzig hatte er schon erreicht, als ihn die Werkstatt Frankfurt, eine städtische Qualifizierungsgesellschaft, einlud, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen. „Ich war total begeistert“, sagt Hartmann, „ich hätte nie gedacht, dass ich diese Chance noch mal bekomme.“ Heute, mit 44 Jahren, arbeitet er in seinem, wie er sagt, Traumjob - und zahlt nach Jahren wieder Beiträge in die Sozialversicherung.

          Schlecker-Frauen als Zielgruppe

          Nach dem Willen der Bundesregierung soll es bald möglichst viele Menschen wie Hartmann geben. Vom 1. August 2013 an haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder, die den ersten Geburtstag hinter sich haben. Bislang mangelt es jedoch an Personal, um ausreichend Plätze zu schaffen. Nach Schätzungen des Deutschen Jugendinstituts fehlen etwa 25.000 Erzieher.

          Deshalb planen das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit (BA), mehrere tausend Arbeitslose zu Erziehern auszubilden. Als die Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker zur Gewissheit wurde, nannten Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und BA-Chef Frank-Jürgen Weise die Schlecker-Frauen als Zielgruppe für diesen Plan.

          Im Familienministerium ist man „sehr froh“ über die Hilfe aus dem Arbeitsministerium. Man weiß dort jedoch auch, dass die Initiative von Frau von der Leyen allein das Problem nicht lösen wird Bilderstrecke
          Im Familienministerium ist man „sehr froh“ über die Hilfe aus dem Arbeitsministerium. Man weiß dort jedoch auch, dass die Initiative von Frau von der Leyen allein das Problem nicht lösen wird :

          Das alarmierte die Berufsverbände. Sie befürchten nämlich, dass das Ansehen von Erziehern leiden könne, wenn der Eindruck entstünde, jeder könne den Beruf ausüben. Auch wurden Zweifel laut, ob Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt gescheitert sind, die Eignung besitzen, Kinder zu erziehen. Hartmann sagt: „Eine Kita kann davon profitieren, wenn dort Menschen mit verschiedenen Erfahrungen arbeiten.“

          Auch der Erziehungswissenschaftler Thomas Rauschenbach, der das Deutsche Jugendinstitut in München leitet, vertritt die Meinung, dass die Lebenserfahrung von Menschen, die im fortgeschrittenen Alter noch Erzieher werden wollen, in Betreuungseinrichtungen nützlich sein kann. „Diese Menschen haben vielleicht eigene Erfahrungen im Umgang mit Kindern, die Zwanzigjährige in der Regel nicht haben.“ Solange Frau von der Leyen bei ihrem Vorstoß die Qualität der Ausbildung sicherstelle, sei dieser nicht nur „legitim“, sondern auch zukunftsweisend: „Wir werden den Bedarf an Menschen für diesen Beruf nicht allein in der nachwachsenden Generation finden.“

          Dem Mangel nicht frühzeitig begegnet

          Das Arbeitsministerium kündigte an, dass Arbeitslose die klassische Fachschulausbildung durchlaufen sollen. Da diese je nach Bundesland bis zu fünf Jahre dauert, wird die Initiative allerdings nicht helfen, die Lage in den Kitas rechtzeitig zum Beginn des Rechtsanspruchs im Jahr 2013 zu entspannen. Der eigentliche „Skandal“ in der Sache liegt für den Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, darin, dass dem absehbaren Mangel nicht frühzeitig begegnet wurde. Um den Erzieherberuf attraktiv zu machen, müsse der Lohn erhöht und die Ausbildung wie in den meisten anderen europäischen Ländern an Fachhochschulen verlagert werden.

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