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Bistum bricht Gespräche ab : Übernahme von Hamburger Schulen gescheitert

Schüler demonstrieren im April für den Erhalt aller katholischen Schulen in Hamburg Bild: dpa

Das Erzbistum Hamburg will sich aus finanziellen Gründen von acht Schulen trennen. Eine Schulgenossenschaft wollte die Schulen übernehmen – doch das Bistum brach die Gespräche ab.

          Als Mitte Januar der Generalvikar des Erzbistums Hamburg bekanntgab, das bilanziell mit mehr als 70 Millionen Euro überschuldete Erzbistum müsse sich von bis zu acht seiner insgesamt 21 Schulen trennen, war die Empörung groß. Entgegen früheren Zusagen hatten Ansgar Thim und Erzbischof Stefan Heße weder die Schulleitungen noch die Vertreter der Lehrerschaft, der Eltern und der Schüler in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Auch die Mitglieder der meisten diözesanen Gremien sowie die Schulpolitiker der Hamburger Parteien wurden von den Schließungsplänen überrascht. Warum auch nicht? Für Heße handelte es sich bei der Abwicklung von fast 2000 Schulplätzen um eine „wirtschaftliche Entscheidung“. Das defizitäre und durch nicht abgegoltene Pensionsverpflichtungen in dreistelliger Millionenhöhe belastete katholische Schulwesen werde doch nur so umstrukturiert, dass die Mehrzahl der katholischen Schulen langfristig erhalten bliebe.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Anfang Mai schien es so, als könne wenigstens ein Teil der Schulen gerettet werden, allen voran die in den Bezirken mit einer eher bildungsfernen Bevölkerung und einem hohen Anteil an Migranten südlich der Elbe. Unter dem Namen „Katholische Schulgenossenschaft“ hatten namhafte Hamburger Katholiken schon im Februar angeboten, mit Unterstützung aus der Politik und der Stadtgesellschaft die Trägerschaft einiger oder auch aller Schulen zu übernehmen. Dass sich das Erzbistum nach vielen Wochen des Finassierens bereit gefunden hatte, mit Vertretern der Schulgenossenschaftsinitiative auf Augenhöhe Gespräche zu führen, ging auf eine Entscheidung von Erzbischof Heße zurück. Der gebürtige Rheinländer, der seit gut drei Jahren an der Spitze des rund 400.000 Katholiken zählenden Erzbistums Hamburg steht, war allerdings in seiner Haltung nicht frei. Die Verwaltung um Generalvikar Thim, dem die Misswirtschaft des Katholischen Schulverbandes seit Jahren bekannt war, sträubte sich gegen jedes Konzept, dass auf einen Machtverzicht hinauslaufen würde. Die vatikanische Kongregation für die Bildungslehre wiederum hatte Heße schriftlich wissen lassen, dass man sein Agieren in dem Schulkonflikt beobachte.

          Bistumsspitze ohne Beistand

          Das faktische „non placet“ konnte Heße nicht ignorieren, zumal sich das Erzbistum auch gegenüber der öffentlichen und veröffentlichten Meinung in der Hansestadt in der Defensive befand. Bis zum 5. Juli, so das Ergebnis eines Workshops Anfang Mai, solle die Kooperation zwischen der Schulgenossenschaftsinitiative und der verfassten Kirche in einer Rahmenvereinbarung verbindlich geregelt werden. Anfang Juni dann ein erstes Zwischenergebnis: Die Schulgenossenschaft könnte im Rahmen eines Pilotprojektes den Betrieb der Schulen in Süderelbe übernehmen.

          Doch während Vertreter des Erzbistums und der Schulgenossenschaft regelmäßig in einer Steuerungsgruppe zusammenkamen, sondierten Emissäre der Bistumsspitze bei katholischen Persönlichkeiten, wie sich die öffentliche Meinung gegen die Schulgenossenschaft wenden ließe – ohne Erfolg. Während Repräsentanten der Hamburger Stadtgesellschaft und der politischen Parteien, ja selbst der polnischstämmigen Katholiken der Initiative immer wieder den Rücken stärkten, wollte der Bistumsspitze niemand öffentlich zur Seite springen.

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